11. November 2009 - Soziale Netzwerke

Warum bei Umfragen im Internet Vorsicht geboten ist

Umfragen sind beliebt, zeigen sie doch oftmals ein interessantes Stimmungsbild. Doch Umfragen im Internet können mehr über den Teilnehmer zeigen als ihm lieb ist. Dabei ist die mögliche Kombination aus IP-Adresse und den ausgewählten Antworten nur ein Weg von vielen.

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Umfragen im Internet greifen auf vielerlei Arten personenbezogene Daten ab (Bild: Thinkstock)

Stellen Sie sich vor, Sie werden in einer Fußgängerzone um die Teilnahme an einer Umfrage gebeten. Doch der Interviewer möchte nicht nur Ihre persönliche Meinung, sondern auch Ihre persönlichen Daten.

Nicht nur die Meinung kann im Internet gefragt sein

Was im normalen Alltag zu Verwunderung und Ablehnung führt, ist im Internet offen, aber auch heimlich möglich. Denn bei einer Umfrage im Internet gibt der Teilnehmer oft unfreiwillig mehr zu erkennen als seine Meinung.

Die IP-Adresse wird bei Umfragen im Internet automatisch mitgeschickt

Wenn Sie an einer Online-Umfrage teilnehmen wollen, sollten Sie immer zuerst die Datenschutzerklärung des Umfrageanbieters lesen. Die Datenschutzerklärung des Betreibers der Website, auf der Sie die Internet-Umfrage finden, reicht hier nicht aus.

Wie bei Online-Werbung kann die Internet-Umfrage von einem Dritten stammen, dessen Inhalte auf der besuchten Website eingebunden wurden. Mit dem Klick zur Auswahl Ihrer Antwort wird dann auch ganz automatisch Ihre IP-Adresse an den Umfrageanbieter gesendet.

Was genau mit Ihrer um die IP-Adresse angereicherten Meinung geschieht, ist ohne weitere Prüfung nicht ersichtlich.

Weisen Sie Ihre Kollegen auf die Gefahren von Umfragen im Internet hin

Datenschutzbeauftragte sollten deshalb die Internetnutzer im Unternehmen informieren, dass eine Umfrage oder ein Quiz im Internet mehr sein können als ein schöner Zeitvertreib, nämlich ein klares Datenrisiko:

Prüfansätze Ja Nein
Kennen die Internetnutzer die Datenschutzerklärung der von ihnen genutzten Web-2.0-Dienste (z.B. soziale Netzwerke, Blogs, Wikis) und die möglichen Sicherheits- und Datenschutzeinstellungen?
Wurden die Standardeinstellungen zum Datenschutz in den genutzten sozialen Netzwerken und anderen Web-2.0-Angeboten überprüft und angepasst?
Werden insbesondere auch die in den Netzwerken integrierten Anwendungen von Dritten (z.B. Umfragen) und deren Richtlinien zur Datennutzung kritisch geprüft?
Wird an Umfragen mit unklaren Richtlinien nicht teilgenommen, um die eigenen Daten und die der eigenen Kontakte nicht zu gefährden?
Ist den Mitarbeitern klar, dass auch als privat eingestellte Profilinformationen an Dritte gelangen könnten, da ein missbräuchlicher Zugriff auf soziale Netzwerke nicht ausgeschlossen werden kann?
Wurde den Mitarbeitern erläutert, dass die Löschung eines Profils häufig sehr lange dauert und oftmals noch gecachte oder archivierte Inhalte im Internet verfügbar bleiben?
Werden die Daten in sozialen Netzwerken nur nach der Maßgabe der Erforderlichkeit freigegeben und nicht ohne weitere Prüfung für alle anderen Teilnehmer und alle Suchmaschinen?
Werden Kontaktanfragen in sozialen Netzwerken hinterfragt und nicht einfach bestätigt?
Wird die Verknüpfung von Profilen in verschiedenen Netzwerken vermieden?
Werden nach Möglichkeit Pseudonyme statt Klarnamen in Web-2.0-Angeboten verwendet?

Zum Download der Checkliste soziale Netzwerke und Web 2.0

Noch mehr Daten für das Profiling

Die Werbewirtschaft braucht möglichst viele Nutzerdaten für ihre personalisierte Werbung. Mit den Methoden des Internet-Profilings sammelt sie personenbezogene Daten, verdichtet sie, wertet sie aus und verwendet sie. Das geschieht häufig ohne Einwilligung des Betroffenen.

Aber auch Internetkriminelle sind auf Daten-Jagd.

Soziale Netzwerke als Fundgrube

Eine wahre Fundgrube für personenbezogene Daten sind die sozialen Netzwerke. Die Risiken durch eine zu freizügige Veröffentlichung der eigenen Daten sind enorm, wie die zunehmenden Angriffe auf die Social Networks und ihre Nutzer zeigen.

Werbung speist sich ebenfalls aus personenbezogenen Daten

Aber auch die Einblendung von Online-Werbung in den Profilen der Teilnehmer basiert auf den personenbezogenen Daten des Nutzers, wenn er dieser Datennutzung nicht in den Einstellungen des Netzwerkes widersprochen hat.

Die Datenschutzerklärung räumt Facebook weitreichende Rechte ein

Wie sich aus den aktuellen Richtlinien von Facebook (unverändert seit 26.11.08) entnehmen lässt, kann Facebook Informationen über den Nutzer auch aus anderen Quellen wie Zeitungen, Blogs, Instant Messaging-Diensten und der Verwendung der Facebook-Dienste durch andere Nutzer (z.B. Foto-Markierungen) sammeln, um dem Anwender „nützlichere Informationen und ein personalisierteres Erlebnis“ zu bieten.

Diese weiteren Informationen kann Facebook laut Datenschutzerklärung also zusätzlich zu den Profildaten verwenden. Somit könnten die Profildaten deutlich angereichert werden.

Dem kann ein Nutzer in den Privatsphäre-Einstellungen von Facebook zwar widersprechen. Ausdrücklich zustimmen muss er jedoch nicht. Dies geschieht vielmehr mit der Registrierung.

Umfrage-Anbieter erhalten Zugriff auf Profile der Teilnehmer

Mit dem Angebot von Umfragen in sozialen Netzwerken und anderen Web-2.0-Angeboten mit persönlichen Profilen ist jedoch mehr verbunden als eine mögliche Anreicherung des Profils, um passendere Werbung anzuzeigen.

Wenn Dritte Umfragen in Facebook starten und dafür eigene Facebook-Applikationen verwenden, bekommen sie unter Umständen Zugriff auf die Profile der Umfrageteilnehmer und damit viel mehr Informationen, als in den Umfrage-Antworten steckt.

Ein weiterer Blick in die Datenschutzerklärung von Facebook zeigt: Verwenden der Nutzer, seine Freunde oder Mitglieder seines Netzwerks Anwendungen von Drittanbietern, die die Facebook-Plattform nutzen („Plattform-Anwendungen“), können diese Anwendungen auf bestimmte Nutzerdaten zugreifen und diese mit anderen Nutzern je nach Privatsphäre-Einstellung teilen.

ACLU-Umfrage macht Risiken deutlich

Die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) zeigte am Beispiel Facebook im Sommer 2009, wie weit die Zusatzinformationen zu einer Umfrage im Internet gehen können:

  • So werden mitunter nicht nur die Profile der Umfrageteilnehmer für den Umfrageveranstalter sichtbar,
  • sondern auch die der Kontakte des Teilnehmers.

Missbrauch von Internet-Umfragen und anderen Plattform-Anwendungen nicht ausgeschlossen

Facebook erklärt in seinen Richtlinien zudem, dass zwar vertragliche und technische Schritte unternommen wurden, um einen möglichen Missbrauch solcher Informationen durch die Plattform-Entwickler zu vermeiden. Garantieren könne man aber nicht, dass sich alle Plattform-Entwickler an diese Vereinbarung halten.

Facebook überwache oder genehmige die Plattform-Entwickler nicht und könne nicht kontrollieren, wie diese Plattform-Entwickler persönliche Informationen verwenden, die sie in Zusammenhang mit Plattform-Anwendungen erfassen.

Eine Umfrage im Internet und insbesondere in sozialen Netzwerken könnte also auch von Internetkriminellen gestartet werden, um die persönlichen Profile der Teilnehmer zu plündern.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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