6. Dezember 2008 - Datenlöschung im Web

So holen Sie Ihre Daten aus der Internet-Falle

Lokale Datenspuren wie Cookies, Seitenverlauf und Browser-Cache lassen sich in modernen Webbrowsern auf Knopfdruck löschen. Personenbezogene Daten, die im Internet veröffentlicht wurden, scheinen sich jedoch jeder Löschung zu widersetzen. Sie vagabundieren im Netz und tauchen immer wieder auf. Eine einheitliche Technik zur Löschung von Daten im Internet gibt es nicht. Dennoch haben Sie die Möglichkeit, Daten wieder aus dem Netz zu fischen.

so-holen-sie-ihre-daten-aus-der-internet-falle.jpeg Datensparsamkeit ist immer noch die beste Methode ... (Screen: Yasni)

Wenn Sie nach einer Internetsitzung Ihre Datenspuren von der lokalen Festplatte Ihres Rechners löschen wollen, ist dies mit modernen Webbrowsern kein großer Aufwand mehr. Cookies, den Verlauf Ihrer Seitenaufrufe und die temporären Internetdateien aus dem Browser-Cache sind Sie schnell wieder los.

Lokale Daten lassen sich leicht mit einem Klick löschen

Im Mozilla Firefox reicht dazu der Menübefehl „Extras > Private Daten löschen“. Der Internet Explorer 7.0 versteckt diese Funktion unter „Extras > Browserverlauf löschen“. Wenn Sie in dem sich öffnenden Browserfenster noch „Alle löschen“ auswählen, werden neben dem Browserverlauf insbesondere auch die Cookies und der Browser-Cache von der Festplatte radiert. Für die persönlichen Daten aber, die Sie im Internet veröffentlicht haben, gibt es keine so einfache Löschmöglichkeit. Und das Internet ist voll von personenbezogenen Daten.

Einmal im Web veröffentlicht – und für immer drin

Bereits neun Millionen Deutsche präsentieren sich in Online-Netzwerken, den sogenannten Social Communitys, und geben dort oftmals umfangreiche persönliche Daten von sich preis. Das hat eine Erhebung von Forsa für den Hightech-Verband BITKOM im Juni 2008 ermittelt. Was passiert aber, wenn man es sich anders überlegt und sein persönliches Profil löschen möchte? Gibt es dann auch einen einfachen Befehl zur Löschung wie im Fall der Browser-Daten? In der Regel leider nicht.

Prüfen Sie die Fundstellen Ihrer Daten

Bisher sind die Möglichkeiten zur Sperrung und Löschung personenbezogener Daten im Internet sehr begrenzt. Scheinbar unbegrenzt sind dagegen die Fundstellen für persönliche Daten im Internet. Wenn Sie einmal die Probe aufs Exempel machen, werden Sie häufig feststellen müssen, dass persönliche Daten in nahezu allen Formen der Internetangebote präsentiert werden.

Beispiele sind

  • Firmen-Websites (als Mitarbeiter, Referenzkunde)
  • Community-Seiten (wenn Sie dort Mitglied sind oder waren oder ein Bekannter Sie erwähnt)
  • Webshops (wenn Sie z.B. einen Wunschzettel dort angelegt haben)
  • Online-Foren (vielleicht eine Meinungsäußerung, die Sie vor Jahren geschrieben haben)
  • Weblogs (z.B. Ihr Kommentar oder Leserbrief zu einem Beitrag)
  • Wikis (als Teilnehmer an einer Projektdokumentation)

Einmal löschen reicht meist nicht

Selbst wenn es Ihnen gelingt, sämtliche Betreiber dazu zu bringen, Inhalte, die persönliche Daten von Ihnen enthalten, zu löschen, sind diese Daten aus dem Internet nicht verschwunden.

Viele Betreiber behalten sich vor, die Daten erst zu einem späteren Zeitpunkt wirklich zu löschen und nur die Verfügbarkeit im Internet in mehr oder weniger naher Zukunft zu beenden.

Das Internet hat ein gutes Gedächtnis

Auch Änderungen und Löschungen auf Ihrer eigenen Website sorgen nicht für eine endgültige Entfernung aus dem Web. Das Internet hat leider mehr als ein Gedächtnis.

So gibt es ein eigenes Projekt namens Wayback Machine von Internet Archive (www.archive.org), das eine virtuelle Reise in die Vergangenheit Ihrer Website und vieler anderer ermöglicht.

Sie können die Archivierung Ihrer Website verhindern

Internet Archive ermöglicht allerdings, die eigene Website aus der Archivierung herauszunehmen. Dazu stellen Sie einfach die Datei robots.txt in das Root-Verzeichnis Ihres Webservers (www.ihre_domain.de/robots.txt).

Die Datei robots.txt muss insbesondere enthalten

  • User-agent: ia_archiver
  • Disallow: /

Dies blockiert nicht nur die Durchsuchung und Archivierung Ihrer Website durch die Wayback Machine, sondern entfernt auch bestehende Einträge im Archiv, so Internet Archive. Doch damit hat das Internet nur eine seiner Erinnerungsfunktionen verloren.

Die Suchmaschinen haben ein eigenes Gedächtnis

Nicht nur Ihr Browser verfügt über einen Cache. Auch die Suchmaschinen im Internet legen einen Zwischenspeicher an. Wenn Sie die Trefferliste in einer Suchmaschine wie Google betrachten, finden Sie zu den einzelnen Suchergebnissen meist einen Zusatz-Link namens „Im Cache“.

Wenn Google das Web durchforstet, speichert die Suchmaschine von jeder in den Index aufgenommenen Webseite einen Schnappschuss. Dieser steht auch dann noch für eine gewisse Zeit zur Verfügung, wenn die eigentliche Website bereits gelöscht wurde.

So hindern Sie den Robot am Speichern

Die Lebensdauer des Suchmaschinen-Cache hängt immer davon ab, wie häufig der Suchmaschinen-Index aktualisiert wurde.

Wenn Sie vermeiden wollen, dass Suchmaschinen Ihre Webseiten zwischenspeichern und dadurch unter Umständen personenbezogene Daten auch nach der eigentlichen Löschung noch vorhalten, müssen Sie Ihren Webseiten den folgenden Meta-Tag mitgeben:

<META NAME=’ROBOTS‘ CONTENT=’NOARCHIVE‘>

Dies hält jedoch die Suchmaschinen nicht davon ab, Ihre Website weiterhin zu durchsuchen. Dazu müssen Sie die zuvor erwähnte Datei robots.txt von Internet Archive auf alle Suchmaschinen ausdehnen (unter User-agent ia_archiver durch * ersetzen).

So löschen Sie Ihre Site aus dem Index

Wenn Sie Inhalte mit personenbezogenen Daten, die einmal auf Ihrer Website standen, möglichst umgehend aus dem Index von Google und anderen Suchmaschinen löschen wollen, können Sie die Entfernung Ihrer Internetpräsenz aus dem Index beantragen.

Allerdings müssen Sie dies bei jeder einzelnen Suchmaschine machen. Bei der Fülle der Suchmaschinen ist dies kaum zu schaffen.

Die Löschung ist nicht dauerhaft

Google bietet für Website-Betreiber u.a. ein spezielles Tool zur Entfernung der URL (Internetadresse) aus dem Google-Index. Die mit diesem Tool entfernten Webinhalte werden sechs Monate lang von den Google-Suchergebnissen ausgeschlossen, also nicht dauerhaft. Yahoo hingegen stellt einen Site Explorer zur Löschung der eigenen URL aus dem Index bereit.

Daten zu schützen, kann leichter sein, als sie zu löschen

  1. Befüllen Sie Ihre persönlichen Profile und Benutzerkonten im Internet nur mit den zwingend erforderlichen Daten.
  2. Dienste, die bei der Registrierung Daten verlangen, die in keinem Zusammenhang mit ihrer Erbringung stehen, sollten Sie besser nicht nutzen.
  3. Prüfen Sie die Datenschutzerklärung der Dienste-Anbieter und insbesondere die Möglichkeit, das Konto später wieder zu löschen.
  4. Nutzen Sie wenn möglich Pseudonyme.
  5. Prüfen Sie alle Inhalte genau vor einer Veröffentlichung.
  6. Denken Sie immer an das bleibende Gedächtnis des Internets.

Datensparsamkeit ist der beste Schutz

Personenbezogene Daten im Internet zu löschen, kann also zu einer echten Herausforderung werden. Deshalb sollten Sie unbedingt den Grundsatz der Datensparsamkeit bei der Anlage persönlicher Profile im Internet beherzigen und wo immer möglich mit Pseudonymen arbeiten.

Oliver Schonschek

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