11. April 2017 - Recht auf Vergessenwerden

So holen Sie Ihre Daten aus der Internet-Falle

Mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) kommt das Recht auf Vergessenwerden. Das macht leider weder den Selbstdatenschutz noch die Datenlöschung im Internet überflüssig. Was können Sie tun, um unerwünschte Daten los zu werden – oder besser: um solche Informationen gar nicht erst entstehen zu lassen?

Datensparsamkeit ist z.B. bei einer Registrierung angesagt Datensparsamkeit ist immer noch die beste Methode ... (Bild: Kagenmi / iStock / Thinkstock)

Datenlöschung im Web

Lokale Datenspuren wie Cookies, Seitenverlauf und Browser-Cache lassen sich in modernen Webbrowsern auf Knopfdruck löschen. Personenbezogene Daten, die Sie im Internet veröffentlicht haben, scheinen jedoch jeder Löschung zu widerstehen. Sie vagabundieren im Netz und tauchen immer wieder auf.

Eine einheitliche Technik, um Daten im Internet zu löschen, gibt es derzeit nicht. Auch das neue Recht auf Vergessenwerden, das mit der Datenschutz-Grundverordnung kommt, wird das nicht ändern. Deshalb ist und bleibt der Selbstdatenschutz im Internet wichtig. Internetnutzer sollten wissen, wie sie ihre Daten wieder aus dem Netz fischen.

Nicht alle Datenspuren liegen auf der Festplatte

Möchten Nutzer nach einer Internetsitzung Datenspuren von der lokalen Festplatte ihres Rechners löschen, ist das mit modernen Webbrowsern kein großer Aufwand. Cookies, den Verlauf der Seitenaufrufe und die temporären Internetdateien aus dem Browser-Cache sind Sie schnell wieder los.

Mozilla Firefox hat zum Beispiel einen Privatmodus. Er verhindert, dass Datenspuren gespeichert werden. Für die persönlichen Informationen aber, die Sie selbst im Internet veröffentlichen, gibt es keine einfache Löschmöglichkeit. Und das Internet ist voll von personenbezogenen Daten.

Einmal im Web – und für immer drin

Zwei Drittel (67 Prozent) der Internetnutzer in Deutschland sind aktive Mitglieder in sozialen Netzwerken. Das ergab eine Studie des Digitalverbands Bitkom. Doch was passiert, wenn man es sich anders überlegt und sein persönliches Profil löschen möchte? Gibt es einen einfachen Befehl zur Löschung wie bei den Browser-Daten? In der Regel leider nicht.

Ein Nutzer kann je nach sozialem Netzwerk zwar das eigene Konto löschen. Doch es bleiben Spuren, etwa bei Facebook & Co. Das gilt auch, wenn Dritte die eigenen Inhalte geteilt haben.

Darüber hinaus behalten sich viele Betreiber vor, die Daten erst zu einem späteren Zeitpunkt zu entfernen. Sie beenden zunächst nur die Verfügbarkeit im Internet in mehr oder weniger naher Zukunft.

Fundstellen: Wo finden sich Daten im Web?

Bisher sind die Möglichkeiten, personenbezogene Daten im Web zu löschen oder zu sperren, sehr begrenzt. Scheinbar unbegrenzt sind dagegen die Fundstellen für persönliche Informationen im Internet.

Wer die Probe aufs Exempel macht und sich selbst über eine Internet-Suchmaschine finden möchte, wird feststellen, dass seine persönlichen Spuren in vielen Formen präsent sind. Daten finden sich beispielsweise

  • auf Firmen-Websites (als Mitarbeiterin / Mitarbeiter, Referenzkunde)
  • auf Community-Seiten (wenn Sie dort Mitglied sind oder waren oder ein Bekannter Sie erwähnt)
  • in Webshops (etwa wenn Sie einen Wunschzettel für einen Geschäftspartner angelegt haben)
  • in Online-Foren (vielleicht eine Meinungsäußerung, die Sie vor Jahren geschrieben haben)
  • in Weblogs (etwa ein Kommentar oder Leserbrief zu einem Beitrag)
  • in Wikis (als Teilnehmer an einer Projektdokumentation)

Unter Umständen werden Sie sich gar nicht mehr daran erinnern, eine solche Veröffentlichung gemacht zu haben. Doch das Internet hat ein hervorragendes Gedächtnis.

Einmal löschen reicht nicht

Auch Änderungen und Löschungen an der eigenen Website sorgen nicht für eine endgültige Entfernung aus dem Web. Das Internet hat leider mehr als ein Gedächtnis.

So gibt es ein eigenes Projekt namens Wayback Machine von Internet Archive (www.archive.org). Es ermöglicht eine virtuelle Reise in die Vergangenheit – in die Vergangenheit von Websites.

Internet Archive bietet allerdings an, die eigene Website aus der Archivierung zu nehmen:

  • Stellen Sie die Datei robots.txt in das Root-Verzeichnis des Webservers (www.die_jeweilige_domain.de/robots.txt).
  • Die Datei robots.txt muss insbesondere enthalten
    User-agent: ia_archiver
    Disallow: /
  • Das verhindert nicht nur, dass die Wayback Machine die Website weiter durchsucht und archiviert. Es entfernt auch die bestehenden Einträge im Archiv, so Internet Archive.

Doch damit hat das Internet nur eine seiner Erinnerungs-Funktionen verloren.

Suchmaschinen haben ein eigenes Gedächtnis

Weitere Erinnerungen an die eigenen Daten finden sich bei Suchmaschinen. Denn nicht nur der Browser verfügt über einen Cache. Auch die Suchmaschinen im Internet legen einen Zwischenspeicher an.

Betrachten Sie die Trefferliste in einer Suchmaschine wie Google, finden Sie zu den einzelnen Suchergebnissen meist einen Zusatz-Link namens „Im Cache“. Durchforstet Google das Web, speichert die Suchmaschine von jeder Webseite, die sie in den Index aufnimmt, einen Schnappschuss. Der Schnappschuss steht auch dann noch für eine gewisse Zeit zur Verfügung, wenn der Betreiber seine Website gelöscht hat.

Die Lebensdauer des Suchmaschinen-Cache hängt davon ab, wie häufig sich der Suchmaschinen-Index aktualisiert. Das kann bei einigen Suchmaschinen mehrere Tage oder Wochen dauern. Wer vermeiden möchte, dass Suchmaschinen die eigenen Webseiten zwischenspeichern und so personenbezogene Daten nach der Löschung vorhalten, muss den eigenen Webseiten den folgenden Meta-Tag mitgeben:

<META NAME=“ROBOTS“ CONTENT=“NOARCHIVE“>

Das hält jedoch die Suchmaschinen nicht davon ab, die Website weiterhin zu durchsuchen. Dehnen Sie dazu die erwähnte Datei robots.txt von Internet Archive auf alle Suchmaschinen aus (unter User-agent ia_archiver durch * ersetzen).

Website aus dem Index löschen

Möchten Sie Inhalte mit personenbezogenen Daten, die auf einer Website standen, möglichst umgehend aus dem Index von Google entfernen, beantragen Sie die Entfernung der Fundstelle aus dem Index.

Der Aufwand, selbst veröffentlichte Daten im Internet tatsächlich zu löschen, ist nicht gerade gering. Noch umfangreicher ist die Aufgabe, die eigenen personenbezogenen Daten von fremden Websites zu entfernen. Da nicht jeder diesen Aufwand selbst betreiben kann oder will, bieten sich inzwischen Dienstleister wie Yasni an, die sogenannte Online-Reputation verbessern:

  • Dazu gehört zum einen das Löschen unerwünschter Daten über die eigene Person aus dem Web.
  • Aber auch die Veröffentlichung von positiven, zusätzlichen Daten, um die nicht erwünschten Daten in den Hintergrund zu drängen.

Allerdings garantieren diese Dienstleister nicht, dass die Betreiber der Websites die Daten löschen. Sie können die Anbieter meist nur darum bitten.

Zu dem Angebot, die Online-Reputation zu verbessern, gehört oft ein persönliches Profil. Hier können Sie die Suchergebnisse aus Internet-Suchmaschinen kommentieren oder von sich weisen.

Landet dieses kommentierte Profil in den Suchmaschinen weit vorn, werden die meisten Internetnutzer zuerst oder nur dieses Profil ansehen und die unerwünschten Inhalte nicht, so die Idee.

Datensparsamkeit: Die wichtigsten Tipps auf einen Blick

Personenbezogene Daten im Internet zu löschen, ist also eine echte Herausforderung. Beherzigen Sie deshalb unbedingt den Grundsatz der Datensparsamkeit oder Datenminimierung, wenn Sie persönliche Profile im Internet anlegen. Arbeiten Sie wo immer möglich mit Pseudonymen, auch wenn es mit der DSGVO ein Recht auf Vergessenwerden geben wird.

Die wichtigsten Tipps auf einen Blick:

  • Befüllen Sie Ihre persönlichen Profile und Benutzerkonten im Internet nur mit den zwingend erforderlichen Daten.
  • Dienste, die bei der Registrierung Daten verlangen, die in keinem Zusammenhang mit ihrer Erbringung stehen, nutzen Sie besser nicht.
  • Prüfen Sie die Datenschutzerklärung der Dienste-Anbieter und insbesondere die Möglichkeit, das Konto später wieder zu löschen.
  • Nutzen Sie wenn möglich Pseudonyme.
  • Prüfen Sie alle Inhalte genau, bevor Sie sie veröffentlichen.
  • Denken Sie immer an das bleibende Gedächtnis des Internets. Fragen Sie sich also stets, was Sie auch in einigen Jahren noch von sich lesen möchten.

Oliver Schonschek

Sie glauben, Sie hätten noch so viel Zeit? Falsch! Es gibt mehr zu tun, als Sie vielleicht denken! ▶ Zeit zu handeln