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7. Februar 2020 - Mobile Spyware

Spionage-Tools fürs Smartphone: Das Handy als Wanze

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Smartphones sind mittlerweile tägliche Begleiter. Deshalb sind Spionage-Tools auf mobilen Geräten besonders gefährlich. Das ist allerdings noch nicht jedem Nutzer bewusst. Sorgen Sie als Datenschutzbeauftragte(r) für Aufklärung.

Smartphones eignen sich besonders gut, um jemanden ständig zu überwachen Spionage-Tools ist z.T. sogar kostenlos zu bekommen (Bild: Daviles / iStock / Thinkstock)

Möchte jemand eine Person rund um die Uhr und an jedem Ort überwachen, ist das Smartphone genau das richtige Instrument. Geben Sie in einer Internet-Suchmaschine die Begriffe „Smartphone“ und „Überwachung“ ein, zeigt sich schnell, dass Smartphone-Überwachung sehr begehrt ist.

Zahlreiche Foreneinträge fragen nach Spionage-Tools für Smartphones. Sie erhalten zudem viele Treffer zu App-Anbietern, die Lösungen für die mobile Überwachung von Smartphones im Programm haben.

Wie gelangen Spionage-Tools aufs Smartphone?

Was viele Nutzer vergessen: Ist das Smartphone nicht ausreichend geschützt, brauchen sie es gar nicht aus der Hand zu geben, um Unbefugten Zugriff auf ihre Daten zu geben.

Auch müssen neugierige Dritte nicht hinter oder neben dem Smartphone-Nutzer stehen, um über das Display an Informationen zu kommen. Hierfür gibt es spezielle mobile Überwachungs-Software.

Kommt diese Software ohne Zustimmung und Wissen des betroffenen Nutzers und entgegen der rechtlichen Voraussetzungen zum Einsatz, handelt es sich um mobile Spyware, um Spyware-Apps.

Laut Umfrage des Digitalverbands Bitkom setzen nur vier von zehn Smartphone-Nutzer (40 Prozent) ein Virenschutz-Programm ein.

Doch selbst mit Anti-Malware-Programm kann man nicht darauf vertrauen, dass sich kein Spyware-Programm auf dem Smartphone befindet.

So hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) berichtet, dass es auch auf dem deutschen Markt Smartphones gibt, die bereits ab Werk spionierende Apps installiert haben.

Es reicht also nicht, Apps vor der Installation zu scannen. Denn womöglich sind die Spyware-Apps bereits installiert, wenn der Kunde sein Smartphone bekommt.

Was machen Spyware-Apps?

Angebote für Spionage-Apps für Smartphones finden sich im Internet etwa für Eltern, die die mobile Internet-Nutzung ihrer Kinder kontrollieren wollen. Auch an Arbeitgeber richten sich Angebote – obwohl der Gesetzgeber klare Einschränkungen macht.

Im Internet kursieren darüber hinaus Tool-Baukästen. Damit können Online-Kriminelle Spyware für Smartphones selbst entwickeln.

Spyware-Apps können im Prinzip jede Smartphone-Nutzung und -Funktion überwachen und bespitzeln. Dazu gehören

  • die Eingabe von Zugangsdaten für Online-Dienste (etwa beim mobilen Banking),
  • die mobile Browser-Nutzung,
  • die Aktivität in den Apps sozialer Netzwerke,
  • die Mail-Apps,
  • die Messenger-Apps,
  • die SMS und
  • die Foto-Galerie.

Doch Spyware-Apps können oft noch mehr: Sie aktivieren heimlich weitere Smartphone-Funktionen, etwa die Ortung, das Mikrofon und die Kamera. Damit sind Smartphones echte mobile Wanzen.

Wie schützen Sie sich vor mobiler Spyware?

Wie groß die Bedrohung durch mobile Spionage-Tools ist, sollte jedem Smartphone-Nutzer bewusst sein.

Welche Gegenmaßnahmen helfen? Geeignete Schutzmaßnahmen für mehr mobile Sicherheit sind etwa die Folgenden:

  • Wer das Smartphone betrieblich verwendet: nur betrieblich freigegebene Apps einsetzen.
  • Datenschutzerklärung zur App prüfen. Fehlt die Datenschutzerklärung: Auf App verzichten, sofern sie das Unternehmen nicht trotzdem ausdrücklich freigegeben hat.
  • Angefragte App-Berechtigungen prüfen. Nur für den Zweck erforderliche Zugriffe erlauben.
  • Werkszustand des Smartphones prüfen (vorinstallierte Apps ab Werk).
  • Apps nur aus offiziellen App-Stores wie Google Play (Android) oder den App-Store von Apple installieren oder aus dem Enterprise App Store des Unternehmens (sofern vorhanden).
  • Apps vor der Installation mit Online-Scanner-Diensten prüfen.
  • Apps während der Installation und dann regelmäßig im Betrieb mit Anti-Malware-App / Anti-Spyware-App prüfen.
  • Unnötige Funktionen des Smartphones deaktivieren (z.B. Bluetooth, WLAN, GPS), wenn nicht in Gebrauch.

Download der Checkliste als Word-Datei: Schutz vor mobiler Spyware


Mobile Spyware: Überwacht auf Schritt und Tritt?

Laut einer Studie von Telefonica Deutschland liegt die durchschnittliche Nutzung des Smartphones bei 2,1 Stunden täglich.  Mehr als jeder Vierte der 18- bis 29-Jährigen (27 Prozent) ist sogar länger als vier Stunden pro Tag online mit dem Smartphone.

86 Prozent der Befragten senden ihre Nachrichten, Fotos oder Videos direkt von unterwegs, vor allem über Messenger-Apps (73 Prozent), gefolgt von sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram (52 Prozent).

E-Mail (29 Prozent) und SMS (18 Prozent) spielen nur noch eine geringe Rolle. Auch bei den über 50-Jährigen sind die Messenger-Apps der bevorzugte Kanal (61 Prozent).

Allein Instant Messaging ist auf 87 Prozent Nutzung gestiegen (2018: 82 Prozent), so eine Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft zur Smartphone-Nutzung. Teilweise dient das Smartphone der Organisation und Information, für manche als Zeitvertreib, für jeden Zweiten jedoch zur Kontaktpflege.

Hauptaktivitäten in Social Media mit dem Smartphone sind demnach:

  • Mitteilungen (also Nachrichten oder Posts) schreiben und lesen (66 Prozent),
  • Kontakt (etwa Freundschaftsanfragen) mit anderen aufnehmen (50 Prozent),
  • Fotos / Videos liken oder kommentieren (48 Prozent) oder
  • sich über andere Personen informieren (41 Prozent).

Das öffnet mobiler Spyware Tür und Tor.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker, Analyst und IT-Fachjournalist im Bereich IT-Sicherheit und Datenschutz.