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19. Mai 2022

Zensus 2022: So funktioniert er und das passiert mit den Daten

Wie datenschutzkonform ist der Zensus 2022?
Bild: iStock.com / RussellCreative
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Zensus 2022
Wie viele Menschen leben in Deutschland, wie wohnen und arbeiten sie? Das will der Zensus 2022 wissen und befragt dafür über 10 Millionen Bürger. Aber was passiert mit den erhobenen Daten, und wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

Alle zehn Jahr findet in der gesamten Europäischen Union eine Zensusrunde statt. Seit dem 15. Mai läuft sie in Deutschland – und ist die erste Volkszählung seit Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

Warum braucht es einen Zensus?

„Viele Entscheidungen in Bund, Ländern und Gemeinden beruhen auf Bevölkerungs- und Wohnungszahlen“, heißt es auf der offiziellen Webseite Zensus 2022. „Um verlässliche Basiszahlen für Planungen zu haben, ist eine regelmäßige Bestandsaufnahme der Bevölkerungszahl notwendig.“

Deshalb ist die Teilnahme am Zensus auch verpflichtend, das regelt das Zensusgesetz. Wer Post mit der Aufschrift „Zensus 2022“ bekommt, muss an der Befragung teilnehmen.

Wer erhebt die Daten?

Die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder führen den Zensus gemeinsam durch – als sogenannte registergestützte Erhebung.

Das heißt, sie nutzen die bestehenden Datenbestände der staatlichen Verwaltung als Basisinformation. Zusätzlich

  • befragen sie im Rahmen einer Haushaltebefragung bundesweit zehn bis zwölf Prozent der Bevölkerung und
  • zählen im Rahmen der Gebäude- und Wohnungserhebung alle Wohnungen und Gebäude mit Wohnraum.

Was wollen die Statistiker wissen?

Die Statistiker fragen bei allen Teilnehmer nach

  • Name
  • Adresse
  • Geschlecht
  • Geburtsdatum
  • Staatsangehörigkeit
  • Familienstand
  • Wohnverhältnis

Darüber hinaus wollen sie bei manchen Teilnehmern auch Details – wie den Schulabschluss, den Beruf oder die Migrationsgeschichte – wissen.

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Was passiert mit den Daten?

„Die Daten werden nur anonymisiert ausgewertet“, betonen die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder.

„Beim Zensus geht es nicht darum, etwas über die individuellen Lebensverhältnisse oder Einstellungen der Einwohnerinnen und Einwohner zu erfahren. Vielmehr bedeutet Statistik, dass Daten verallgemeinert, Summen gebildet und Durchschnitte berechnet werden – und gerade nicht der Einzelfall dargestellt wird.“

Was sagen Datenschützer?

Das Zensusgesetz enthält detaillierte Regelungen zum Datenschutz und zur Datenverarbeitung – und die Umsetzung des Zensus 2022 wird von Datenschützern aufmerksam begleitet.

Tiefe Einblicke in das Privatleben

„Der diesjährige Zensus ist (…)  für die Befragten beileibe kein alltäglicher Vorgang“, betont zum Beispiel Thomas Fuchs, der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, in einer Pressemitteilung.

Bürger müssten „im Rahmen der Volkszählung dem Staat tiefe Einblicke in ihr Privatleben gewähren und viele personenbezogenen Informationen preisgeben.“ Deshalb werde er die Durchführung und datenschutzkonforme Umsetzung aufmerksam begleiten.

Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung

Seine Kollegin aus Sachsen, Dr. Juliane Hundert, ergänzt in ihrer Pressemitteilung: „In seinem wegweisenden Volkszählungsurteil aus dem Jahr 1983 hat das Bundesverfassungsgericht das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung festgeschrieben. Die Richter haben damit dem Staat bei Bevölkerungsbefragungen klare Grenzen gesetzt.“

Mit ihrer Behörde werde sie immer wieder stichprobenartig überprüfen, ob die datenschutzrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden. „Bürger haben schließlich ein Recht darauf, dass der Staat ihre Daten stets rechtskonform verarbeitet“, so Hundert.

Mehr Informationen:

Elke Zapf

Elke Zapf
Verfasst von
Elke Zapf
Elke Zapf
ist freiberufliche Kommunikationsexpertin und Journalistin. Ihre Schwerpunkte sind Wissenschaft, Forschung, nachhaltiger Tourismus und Datenschutz. Kontakt:
2 Kommentare
19. Mai 2022 | 10:48
Jürgen
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    Antwort der Redaktion
    19. Mai 2022 | 11:48
    Die Redaktion (Antwortet auf Jürgen)
    Mehr anzeigen Weniger anzeigen
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