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02. Dezember 2020

Projekt der Schufa wird zum Desaster

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Das Projekt der Schufa sollte eine zweite Chance für Verbraucher ermöglichen, doch entpuppte sich schließlich als vollkommene Durchleuchtung der Kunden
Bild: AndreyPopov / iStock / Getty Images Plus
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Schufa-Auskunft
Will die Schufa Millionen Kontoauszüge durchstöbern und umfassende Persönlichkeitsprofile der Deutschen erstellen? „Ja“ – warnt der Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung und beruft sich dabei auf interne Quellen. Datenschützer sind entsetzt über das Projekt „Schufa Check Now“ – und der Vertragspartner O2 bricht die Zusammenarbeit mit der Schufa ab.

Hier eine kurze Bilanz des Desasters:

Das Angebot: Eine zweite Chance für Verbraucher?

Anfang November geht ein Praxistest online: „Schufa Check Now“, ein gemeinsames Angebot der Auskunftei Schufa und des Telefonanbieters Telefónica/O2.

Die Idee dahinter klingt zunächst gut: Verbraucher, die wegen eines schlechten Bonitätswerts als Vertragskunden bei O2 abgelehnt worden sind, sollen eine erneute Prüfung beantragen können – und so eine zweite Chance auf einen Vertrag bekommen. Für ein Handy, für eine Wohnung oder für einen Kredit.

„Die freiwillige Analyse der Kontoinformationen ist für Verbraucher kostenlos und erfolgt durch die SCHUFA. Hierzu muss der Kunde explizit einen Auftrag erteilen“, heißt es in der Pressemitteilung der SCHUFA Holding AG vom 16. November 2020 zur Einführung des neuen Angebots.

Die Recherchen: Durchleuchtung der Kunden?

Zu dieser Zeit sind bereits die Journalisten des Rechercheverbunds von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung aktiv. Sie kommen an interne Dokumente und schlussfolgern, dass die Schufa mit ihrem Angebot „Check Now“ offenbar das Ziel verfolgt, einen detailgetreuen Einblick in Millionen Kontoauszüge zu bekommen.

Wann kommt wie viel Gehalt? Werden Unterhaltszahlungen geleistet? Wie hoch ist die Stromrechnung? Was gibt der Kunde für Heimwerken und Garten aus? Gibt es Zahlungen für Glücksspiel oder an Inkassoinstitute?

Das alles findet die Schufa leicht in den Kontoauszügen, sobald die Kunden freiwillig auf das entsprechende Kästchen bei „Check Now“ geklickt haben. Klicken sie noch ein Kästchen mehr, werden die Daten zwölf Monate lang gespeichert.

Der Aufschrei: Datenschützer sind entsetzt

„Ich mache mich als Verbraucher da wirklich nackig, wenn ich diesen Einwilligungsbutton bestätige“, warnt Peter Schaar, der von 2003 bis 2013 Bundesdatenschutzbeauftragter war, ein paar Tage später im ARD-Magazin „Panorama“.

Auf diese Weise könnten sehr umfassende Persönlichkeitsprofile entstehen – zum Nachteil der Kunden: „Wenn jemand sich an irgendwelchen Online-Wetten beteiligt, dann wird das sich sicherlich nicht positiv auf die Bonität auswirken“, sagt er. Der Kunde bekäme womöglich nicht nur keinen Handyvertrag, sondern auch keinen Versicherungsvertrag oder keinen Kredit.

Sein Kollege Thilo Weichert, ehemaliger Landesdatenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein, entwirft das Szenario, dass künftig intime Daten ausschließlich im Wirtschaftsinteresse verwendet werden, „ohne dass der Betroffene das nachvollziehen kann.“ Das sei „ein Horror“.

Die Konsequenz: O2 steigt aus

Ende November steigt der Mobilfunkkonzern Telefónica/O2 aus dem Pilotprojekt aus. „Die Ergebnisse dieses Tests haben unsere Erwartungen leider nicht erfüllt“, sagt ein Sprecher des Unternehmens gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Das Unternehmen habe deshalb beschlossen, den Test zu beenden und das „CheckNow“-Verfahren der Schufa nicht länger zu nutzen.

Laut Angaben der Schufa haben etwa 100 Menschen freiwillig an dem Pilotprojekt teilgenommen. Die genutzten Kontoinformationen seien nicht gespeichert worden.

Mehr Informationen:

Elke Zapf
Verfasst von
Elke Zapf
Elke Zapf

ist freiberufliche Kommunikationsexpertin und Journalistin. Ihre Schwerpunkte sind Wissenschaft, Forschung, nachhaltiger Tourismus und Datenschutz.

Sie hat mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Pressearbeit, Unternehmenskommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation.

Zehn Jahre leitete sie die Hochschulkommunikation der Technischen Hochschule Nürnberg und war Pressesprecherin der Hochschule. Davor leitete sie den Sachbereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Das journalistische Handwerkszeug lernte sie ganz klassisch bei einem Redaktionsvolontariat direkt nach dem Studium der Politischen Wissenschaften.

Kontakt:

https://www.zapf-kommunikation.de/

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