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News
28. April 2021

Breites Bildungsbündnis warnt vor MS 365 an Schulen

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Breites Bildungsbündnis spricht sich gegen die Nutzung von MS 365 an Schulen aus.
Bild: Bet_Noire / iStock / Getty Images Plus
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Datenschutz an Schulen
Müssen alle Schulen in Baden-Württemberg die Cloud-Software MS 365 von Microsoft für digitales Lernen nutzen? „Nein“ sagt ein breites Bündnis aus Bildungsverbänden, Verbraucherschützern und IT-Experten im Südwesten. Sie warnen das Kultusministerium vor der Einführung der Software des US-Konzerns und fordern mehr Open-Source-Komponenten.

Es geht um Datenschutz und um digitale Souveränität, um den Schulfrieden und Rechtssicherheit – und für all das setzt sich das breite Bündnis schon seit Beginn des Jahres 2021 ein.

Wer sich im Bündnis engagiert

23 Verbände und Gruppierungen engagieren sich aktuell im Bündnis:

  • vom Landesschülerbeirat und Landeselternbeirat,
  • über den Realschullehrerverband, den Philologenverband und die Bildungsgewerkschaft GEW
  • bis hin zur Verbraucherzentrale, dem Chaos Computer Club und dem Verein „digital souveräne Schule“.

Bündnis warnt vor Cloud-Software MS 365

Nach Überzeugung des Bündnisses darf sich ein Bundesland „nicht von einem Cloud-Angebot wie MS 365 abhängig machen, über das es nicht mit voller Souveränität selbst, sicher und dauerhaft verfügt“.

Denn – so heißt es in einer Stellungnahme zur Verwendung von Cloud-Software an Schulen im Januar 2021 – es könne „jederzeit vom Anbieter oder auf Anweisung der Regierung des Landes des Firmensitzes in der Nutzung eingeschränkt oder gar abgeschaltet werden.“

Auch der Datenschutz sei bei dem Microsoft-Produkt nicht überprüfbar – wegen sensibler Daten der Schüler aber unverzichtbar.

Bündnis setzt sich für eigene IT-Infrastruktur ein

Deshalb setzt sich das Bündnis für eine eigene IT-Infrastruktur des Landes ein: „Aus Gründen des Datenschutzes und der digitalen Souveränität muss das Land eine eigene IT-Infrastruktur aufbauen, auf der alle Komponenten der Bildungsplattform vom Land selbst betrieben werden“.

Die notwendigen Finanzmittel müsse der Landeshaushalt bereitstellen, fordern die Unterzeichner des Positionspapiers vom 23. April 2021.

Bündnis fordert mehr Open-Source-Komponenten

Datenschutzkonforme Lösungen wie die Lernplattform Moodle oder das Videokonferenzplattform BigBlueButton – beides Produkte auf Open-Source-Basis – müssen nach Ansicht des Bildungsbündnisses „umgehend weiterentwickelt werden“.

Auch weitere Komponenten auf Open-Source-Basis fordert das Bündnis. Das Land brauche eine eigene datenschutzkonforme Cloud und „endlich eine landeseinheitliche, datenschutzkonforme und selbst betriebene Mail-Lösung“.

Nur so könnten die Schulen den digitalen Fernunterricht in Zeiten der Corona-Pandemie datensparsam und datenschutzkonform bewältigen.

Kultusministerium setzt auf Pilotprojekt

Das baden-württembergische Kultusministerium setzt unterdessen auf ein Pilotprojekt an zwei Dutzend Schulen im Land.

Das Ministerium – begleitet vom Landesdatenschutzbeauftragten Stefan Brink – will herausfinden, ob und wie die Bildungsplattform MS 365 von Microsoft datenschutzkonform und legal funktionieren kann.

„Das Kultusministerium scheint unbedingt die Microsoft-Cloud zu wollen“, sagt dazu Philipp Schenk vom Verein „Digital souveräne Schule“, der sich ebenfalls im Bündnis engagiert. Er fürchtet, das Unternehmen könne problemlos Daten der Schüler auswerten und Persönlichkeitsprofile erstellen. „Aus der schier unendlichen Menge an Daten, die über ein Schuljahr oder ein Schülerleben in einer Cloud landen, ergeben sich detaillierte Persönlichkeitsbilder.“

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Elke Zapf

Elke Zapf
Verfasst von
Elke Zapf
Elke Zapf
ist freiberufliche Kommunikationsexpertin und Journalistin. Ihre Schwerpunkte sind Wissenschaft, Forschung, nachhaltiger Tourismus und Datenschutz. Kontakt:
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