5G: Mehr Bandbreite, mehr Datenrisiken?
Ratgeber
/ 07. Januar 2019

5G: Mehr Bandbreite, mehr Datenrisiken?

Die neue 5G-Technologie überträgt Daten um ein Vielfaches schneller und bietet deutlich kürzere Reaktionszeiten als bisherige Mobilfunkstandards. Die Anwendungsfelder reichen von Industrie 4.0 bis zum automatisierten Fahren. Bei aller Euphorie über ein schnelleres Internet dürfen Datenschutz und Datensicherheit nicht vergessen werden.

Während noch zahlreiche Mobilfunknutzer auf die flächendeckende Versorgung mit LTE und 4G warten, ist der nächste Technologieschritt bereits in vollem Gange.

Mobilfunk (auch) für Maschinen

Die fünfte Generation des Mobilfunks „5G“ soll es ermöglichen, 500 Milliarden Dinge im Internet of Things (IoT) in Echtzeit miteinander zu verbinden. Während frühere Generationen der Mobilfunknetze hauptsächlich für die Kommunikation für und mit Menschen konzipiert waren, soll mit 5G eine bessere Lösung für die Kommunikation zwischen Menschen und Maschinen sowie für die zwischen Maschinen geschaffen werden.

Telekommunikationsanbieter wie die Deutsche Telekom sehen enormes Potenzial in 5G und wecken hohe Erwartungen bei Unternehmen und Privatnutzern: eine etwa 1000-fach höhere Kapazität, eine 100-fach höhere Verbindungsdichte, eine 10-fach höhere Geschwindigkeit, eine 10-fach geringere Latenz-, also Verzögerungszeit – all das soll 5G im Vergleich zu bisherigen Mobilfunkverbindungen bieten.

Anwendungsfelder für 5G

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) setzt sich dafür ein, Gigabitnetze in Deutschland bis zum Jahr 2025 flächendeckend aufzubauen. Gigabitnetze haben Geschwindigkeiten ab 1.000 Mbit/s und werden im Boden möglich durch Glasfaserleitungen, mobil durch den neuen Standard 5G.

Der Digital-Gipfel hat eine Checkliste veröffentlicht, die für verschiedene Anwendungsfelder zeigt, welche Vorteile 5G gegenüber dem aktuellen Standard 4G bringen soll. Dazu gehören auch Fragen der Datensicherheit.

Ein Blick auf die Checkliste zeigt, wie relevant der neue Mobilfunkstandard für das eigene Unternehmen in naher Zukunft werden wird. Denn die genannten Anwendungsfelder sind vielfältig: automatisiertes Fahren, Industrieautomatisierung, Mediennutzung über das Internet, Angebot von Medien über das Internet sowie Logistik und Energie, um einige Beispiele und Branchen zu nennen.

Intelligente Logistik: der Hamburger Hafen

Einige Unternehmen setzen bereits auf den neuen Standard und planen weitreichende Lösungen mit 5G.

Dazu gehört z.B. der Hamburger Hafen. Unterwasserdrohnen, autonom fahrende Lastwagen und papierlose Zollabwicklung – so soll die Zukunft im Hamburger Hafen aussehen.

Schon jetzt ist der Verkehr im Hafen auf Schiene, Wasser und Straße digital gesteuert. Das Projekt „Green4Transport“ soll Fahrzeuge mit intelligenten Ampeln vernetzen und Lkws in Kolonnen über Kreuzungen führen.

Mit der Einführung des 5G-Standards im Testfeld Hafen sollen sich einige weitere visionäre Projekte umsetzen lassen.

Intelligente Mobilität

Ein zweites Beispiel für die Bedeutung von 5G für Mobility und Logistik: DEKRA und die Deutsche Telekom bauen die Test- und Rennstrecke Lausitzring als 5G-Testfeld für intelligente Mobilität aus.

Vernetzte Autos und autonome Fahrzeuge sollen in Echtzeit miteinander kommunizieren, auch mit Gebäuden, der Straßen-Infrastruktur oder mit Fahrradfahrern und Fußgängern. Navigationsinformationen werden dann auf Zentimeter genau sein.

Grundsätzlich lässt sich also sagen: 5G ist nicht nur ein leistungsfähigerer Mobilfunkstandard, sondern ein neues Netz für das Internet der Dinge.

Alle Szenarien im IoT, bei denen die Nutzer und die Geräte über mobile Verbindungen kommunizieren, werden in naher Zukunft mit 5G verknüpft sein.

Mögliche Datenrisiken bei 5G

Informieren Sie schon heute die zukünftigen Nutzer und die Entscheider im Unternehmen darüber, wie es um die Datensicherheit bei 5G-Verwendung stehen wird:

  • Geräte und Anwendungen werden über 5G stärker vernetzt und oftmals direkt mit dem Internet verbunden sein. Viele dieser Applikationen und Geräte haben offene Schwachstellen. Sie könnten Angriffe erlauben, die es beispielsweise Cyberkriminellen ermöglichen, Daten auszuspähen.
  • Geräte, Online-Services und Applikationen haben eine eigene Identität (ID). Nur so lassen sie sich z.B. gezielt über 5G im IoT ansprechen. Maschinen-IDs, Service-IDs und Applikations-IDs können Rückschlüsse auf Nutzer zulassen und müssen deshalb geschützt sein. Analysen über die Gerätenutzung könnten sonst Verhaltensanalysen über Nutzer zulassen.
  • Die Integrität, Vertraulichkeit und Verfügbarkeit der Geräte- und Anwendungskommunikation muss ebenfalls geschützt werden. Sonst ist eine hohe Zahl an unverschlüsselten Verbindungen zu erwarten.
  • Auch die Identität von Geräten, Diensten und Anwendungen kann gefälscht und bei heimlichen Angriffen vorgetäuscht sein. Nutzer müssen sicher sein können, dass sie die Daten wirklich an das angezeigte Gerät übertragen und nicht an ein bösartiges anderes Gerät oder einen Angreifer.

Was bedeutet 5G für den Datenschutz?

Für den Datenschutz ist es entscheidend, eine neue Technologie wie 5G nicht einfach nur als schnelleres, leistungsfähigeres mobiles Internet zu sehen, sondern darüber hinaus die möglichen neuen Datenrisiken zu betrachten.

Und davon gibt es einige:

  • Bietet das mobile Internet mehr Leistung, wird die Zahl und Vielfalt der Geräte und Anwendungen, die sich direkt mit dem Internet verbinden, massiv ansteigen.
  • Alle Maßnahmen für Datenschutz und Datensicherheit – wie Firewalls, Internetfilter, Zugangskontrolle oder Virenschutz –, die zentral den Internetzugang schützen sollen, greifen dann zu kurz, sie werden schlicht umgangen, wenn die Geräte sich direkt verbinden.
  • Die deutlich ansteigende Zahl an vernetzten Geräten und Applikationen wird dazu führen, dass das Volumen der erzeugten, gespeicherten und analysierten Daten enorm anstiegt. Die Transparenz, ob Nutzerdaten verarbeitet werden, und wenn ja, welche und zu welchem Zweck, wird noch schwieriger zu gewährleisten sein, als das heute schon der Fall ist.

Deshalb muss eine geplante Nutzung von 5G immer von einer Datenschutz-Folgenabschätzung und von einer Mitarbeitersensibilisierung begleitet sein.

BSI informiert über IT-Sicherheit

Auf Einladung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind im Oktober 2018 Deutschlands führende Mobilfunkanbieter und Hersteller mobiler Netzwerktechnik zum ersten 5G-Workshop zusammengekommen.

Ziel des Workshops war es, nach Abschluss des ersten Teils der 5G-Standardisierung („Release 15“) eine umfassende Bestandsaufnahme zur Sicherheit des 5G-Mobilfunkstandards zu machen.

„Das Gelingen dieses bisher größten Infrastrukturvorhabens der Telekommunikationsbranche wird ganz wesentlich vom Faktor Sicherheit abhängen, ohne den die zahlreichen innovativen Funktionen und Anwendungen des 5G-Netzes kaum denkbar sind. Die Bedeutung von 5G als zukünftige zentrale Kommunikationsinfrastruktur für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft macht die Sicherheit von 5G außerdem zu einem wichtigen Element der inneren Sicherheit“, erklärte BSI-Präsident Arne Schönbohm.

Das BSI befasst sich bereits seit einigen Jahren mit der Thematik und hat im Juli 2018 eine Projektgruppe eingerichtet, um die sicherheitskritischen Einzelaspekte der 5G-Technologie zu identifizieren und zu analysieren sowie Lösungsansätze zu entwickeln.

Bis zum Frühjahr 2020, dem offiziellen Starttermin für das weltweite 5G-Netz, gilt es nun, die richtigen IT-Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen.

Das BSI bietet sich hier als Anlaufstelle an, auch für die deutsche Wirtschaft.

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