Ratgeber
/ 07. April 2026

Todesanzeigen als Informationsquelle für Betrüger

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wer bei einer Bestattung alles beteiligt ist? Spontan fallen einem Standesamt, Bestatter, Steinmetz, verschiedene Behörden und Einrichtungen, die Kirche sowie Freunde, Bekannte und Verwandte ein. In dieser Aufzählung fehlt jedoch eine wichtige – und oft übersehene – Personengruppe.

Nimmt man eine klassische Todesanzeige zur Hand und betrachtet sie genauer, lassen sich mehrere Bestandteile erkennen:

  • eine Einleitung, häufig in Form von Zitaten oder Sinnsprüchen
  • Angaben zur verstorbenen Person wie Name, Geburts- und Sterbedatum
  • Angaben zu den Hinterbliebenen mit Namen und Verwandtschaftsgrad (Ehepartner, Kinder, Enkel, Urenkel usw.)
  • Hinweise zur Beisetzung oder Trauerfeier

Unbewusst wird damit häufig ein kleiner Stammbaum veröffentlicht. Während die Angaben zur verstorbenen Person meist von untergeordneter Bedeutung sind, liefern die Informationen über die Hinterbliebenen wertvolle Hinweise auf familiäre Strukturen und Beziehungen.

Genau diese Informationen sind für Betrugsmaschen wie den sogenannten Enkeltrick besonders interessant. Ohne großen Aufwand können Betrüger aus einer Todesanzeige entnehmen, wie Angehörige heißen, in welchem Verhältnis sie zueinanderstehen und über welche familiären Verbindungen sie glaubwürdig Kontakt aufnehmen können. Auf gezielte Nachfrage ließen sich so problemlos weitere Beziehungen konstruieren – etwa zwischen Geschwistern, Tanten, Onkeln oder Cousinen und Cousins.

Paradoxerweise geraten genau diese Personen durch die Veröffentlichung einer Todesanzeige dennoch in den Fokus von Betrügern – unverschuldet und ohne Möglichkeit, die Verbreitung der Informationen noch zu kontrollieren. In nahezu jeder Region existieren mittlerweile kostenlose Online-Portale, auf denen Traueranzeigen öffentlich einsehbar sind. Für Betrüger bedeutet dies eine leicht zugängliche und regelmäßig aktualisierte Informationsquelle.

Ein weiterer, oft unterschätzter Aspekt ist die Angabe von Datum und Uhrzeit der Beisetzung. Diese Informationen können nicht nur für Trauergäste relevant sein, sondern auch von Einbrechern gezielt missbraucht werden. Aus der Todesanzeige lässt sich ableiten, dass sich Angehörige zu einem bestimmten Zeitpunkt geschlossen bei der Trauerfeier aufhalten und Wohnhäuser oder Wohnungen in dieser Zeit möglicherweise unbeaufsichtigt sind. Insbesondere bei öffentlich zugänglichen Online-Anzeigen entsteht dadurch ein konkretes Zeitfenster, das kriminell ausgenutzt werden kann. Auch aus diesem Grund sollte sorgfältig abgewogen werden, ob und in welcher Form Angaben zur Beisetzung veröffentlicht werden.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob es noch zeitgemäß ist, sämtliche Hinterbliebenen namentlich in einer Todesanzeige aufzuführen. Würde es nicht ausreichen, allgemein von „den Hinterbliebenen“ zu sprechen? Andernfalls werden – zusätzlich zur ohnehin belastenden Situation eines Verlustes – sensible Informationen preisgegeben, die gezielt für Betrug und Täuschung genutzt werden können.

Um das Risiko eines Missbrauchs persönlicher Informationen zu reduzieren, können folgende Maßnahmen helfen:

Zurückhaltende Namensnennung

Verzichten Sie nach Möglichkeit auf die vollständige Auflistung aller Hinterbliebenen. Die neutrale Formulierung „Die Hinterbliebenen“ oder die Nennung eines kleinen Personenkreises kann ausreichend sein.

Keine detaillierten Verwandtschaftsangaben

Je weniger familiäre Beziehungen öffentlich gemacht werden, desto schwieriger wird es für Außenstehende, glaubwürdige Betrugsszenarien zu konstruieren.

Bewusster Umgang mit Online-Veröffentlichungen

Prüfen Sie, ob eine Todesanzeige zwingend online erscheinen muss. Viele Portale bieten keine Möglichkeit, die Sichtbarkeit einzuschränken oder Inhalte später vollständig zu entfernen.

Zeitverzögerte Veröffentlichung

Eine Veröffentlichung erst nach der Beisetzung kann verhindern, dass Abwesenheiten oder emotionale Ausnahmesituationen gezielt ausgenutzt werden.

Sensibilisierung innerhalb der Familie

Sprechen Sie insbesondere mit älteren Angehörigen über mögliche Betrugsmaschen und vereinbaren Sie im Zweifel feste Rückrufregeln oder ein vorher festgelegtes Codewort innerhalb der Familie.

Rücksprache mit dem Bestatter

Bestatter können über alternative Formulierungen und datensparsame Gestaltungsformen von Todesanzeigen beraten.

Der Verlust eines Menschen ist für Angehörige bereits eine große Belastung. Ein bewusster und zurückhaltender Umgang mit persönlichen Informationen kann dazu beitragen, zusätzliche Risiken in dieser sensiblen Phase zu vermeiden.Lesetipp:

Thomas Hug