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News
06. Oktober 2021

900.000 Euro Bußgeld gegen Vattenfall verhängt

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Das Energieunternehmen vergleicht Daten ohne die Kunden zu informieren. Der Verstoß gegen die Transparenzpflicht der DSGVO kostet 900.000 Euro!
Bild: Santje09 / iStock / Getty Images Plus
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Bußgeld für Energieunternehmen
Die Vattenfall Europe Sales GmbH muss mehr als 900.000 Euro Bußgeld zahlen. Das Energieunternehmen hat gegen die datenschutzrechtlichen Transparenzpflichten der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verstoßen – und der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (HmbBfDI) verhängte dafür das Bußgeld.

Von August 2018 bis Dezember 2019 hat Vattenfall systematisch sogenannte „Bonushopper“ aussortiert.

Ein Bonus für neue Kunden

Mit sogenannten „Bonus-Verträgen“ wollen viele Unternehmen neue Kunden gewinnen: Wer einen neuen Vertrag abschließt, bekommt eine Bonuszahlung, einen Gutschein oder ein zusätzliches Produkt.

Solche Angebote gelten ganz klar nur für Neukunden. Doch viele Verbraucher wollen das ausnutzen und hüpfen von einem Bonus-Vertrag zum nächsten.

Vattenfall glich Daten ab

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall prüfte deshalb mehr als ein Jahr lang, ob Neukunden ein „wechselauffälliges Verhalten“ zeigten. Dafür glich Vattenfall routinemäßig die Daten der potenziellen Neukunden mit älteren Kundendaten ab, die schon im Unternehmen vorlagen.

Energieversorger müssen die Daten ehemaliger Kunden bis zu zehn Jahre lang aufbewahren – dürfen sie aber nur für die Steuer und das Finanzamt nutzen.

Kunden wussten von nichts

Die Kunden, die den Bonus-Vertrag abschließen wollten, wussten nicht, dass Vattenfall einen solchen Datenabgleich durchführte. Das Verfahren war für sie nicht erkennbar.

Betroffen waren insgesamt rund 500.000 Personen.

Hamburger Datenschutzbehörde prüfte den Vorgang

Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (HmbBfDI) prüfte den Vorgang und kam zu dem Ergebnis, dass

  • Vattenfall durch dieses Vorgehen gegen die datenschutzrechtlichen Transparenzpflichten nach den Artikeln 12 und 13 DSGVO verstieß,
  • da die Kunden über den Datenabgleich nicht ausreichend informiert wurden.

HmbBfDI verhängte Bußgeld

Daraufhin verhängte der HmbBfDI ein Bußgeld in Höhe von 901.388,84 Euro gegen Vattenfall.

„Das verhängte Bußgeld berührt nicht die weitergehende Frage, ob ein solcher Abgleich überhaupt zulässig ist“, heißt es in der Pressemitteilung des HmbBfDI vom 24. September 2021. „Dies ist in der DSGVO nicht ausdrücklich geregelt, es existieren insoweit keine eindeutigen rechtlichen Vorgaben.“

Deshalb sei die festgestellte Rechtswidrigkeit auf die nicht ausreichend erfüllten Transparenzpflichten beschränkt. Der Bescheid ist rechtskräftig.

Vattenfall setzt neues Verfahren ein

Vattenfall hat die Entscheidung der Behörde akzeptiert und setzt auf ein neues Verfahren. In einer Pressemitteilung vom 24. September 2021 teilt der Konzern mit: „In Abstimmung mit der Datenschutzbehörde werden die notwendigen Informationen für Kunden optimiert, sodass die geforderte Transparenz gemäß der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) künftig bestmöglich gewährleistet ist.“

Lob dafür kommt vom HmbBfDI Ulrich Kühn: „Wir halten das nun praktizierte Verfahren für einen angemessenen Ausgleich aller betroffenen Interessen.“

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Elke Zapf

Elke Zapf
Verfasst von
Elke Zapf
Elke Zapf
ist freiberufliche Kommunikationsexpertin und Journalistin. Ihre Schwerpunkte sind Wissenschaft, Forschung, nachhaltiger Tourismus und Datenschutz. Kontakt:

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