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/ 30. August 2022

Neues Handelsregister: Gefahr von Missbrauch für persönliche Daten

Leistet das neue Handelsregister einem Identitätsdiebstahl Vorschub? „Ja“ – befürchtet die Deutsche Vereinigung für Datenschutz (DVD). Sie fordert, die sensiblen personenbezogen Daten im Register besser zu schützen, und setzt sich für eine Korrektur der Rechtsgrundlagen ein.

Identitätsdiebstahl möglich

„Die teilweise sensiblen Daten können dazu verwendet werden sich online als andere Person auszuweisen“, heißt es in einer Pressemitteilung der DVD. Sie „eignen sich zur Einrichtung von Fake-Accounts, Fake-Bestellungen und zu anderen kriminellen Machenschaften bis hin zu persönlichen Bedrohungen.“

Persönliche Daten leicht zugänglich

Hintergrund ist, dass seit dem 1. August 2022 jeder kostenlos und ohne vorherige Registrierung auf Daten im Handelsregister zugreifen kann. Bisher kostete eine solche Auskunft eine Gebühr – und die Auskunftssuchenden mussten vorab ein Benutzerkonto anlegen.

Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Umsetzung der Digitalisierungsrichtlinie (DiRUG) hat sich das geändert – und seitdem sind auch sensible personenbezogene Daten wie Geburtsdatum, Adresse, Bankverbindung und sogar Unterschriften von Unternehmensvertretern oder Vereinsvorständen online einsehbar.

Was das Handelsregister ist:

handelsregister.de ist das gemeinsame Registerportal der Länder. Hier „finden Sie die Handels-, Genossenschafts- und Partnerschaftsregister sowie die Vereinsregister aller Bundesländer und darüber hinaus die Registerbekanntmachungen (Veröffentlichungen)“ heißt es auf der Webseite.

DVD fordert Korrektur des Handelsregisters

„Eine zeitnahe Korrektur ist dringend nötig“, betont Thilo Weichert, Vorstandsmitglied der DVD in der Pressemitteilung. Eigentlich verfolge die Gesetzesnovelle das begrüßenswerte Ziel von mehr Transparenz im Wirtschaftsleben. Doch wichtige Vorgaben der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) seien bei der Umsetzung nicht beachtet worden.

DVD setzt sich für Widerspruchsrecht ein

Kurzfrisitig – so fordert der DVD – solle den Betroffenen „zumindest ein Widerspruchsrecht bzgl. der Registerveröffentlichung besonders sensibler Einzelangaben eingeräumt werden.“

Denn gerade beim Vereinsregister würden mit der Online- Veröffentlichung viele Menschen gefährdet. „Es wäre fatal, wenn durch die unbedachten Veröffentlichungen diese von ihrem besonderen ehrenamtlichen Engagement abgeschreckt würden“, betont der DVD-Vorsitzende Frank Spaeing.

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Elke Zapf