Gratis
24. Juli 2019 - DSGVO

Wie steht es um Datenschutz in sozialen Netzwerken?

Drucken

Das „Marktwächter Team“ der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat den Umgang sozialer Netzwerke mit der DSGVO untersucht. Die Analyse zeigt, dass die Betreiber deutliches Potenzial für Verbesserungen haben.

Der Verbraucherschutz untersucht den Datenschutz in sozialen Medien Wie haben soziale Medien die Pflichten aus der DSGVO umgesetzt? Das hat die Verbraucherzentrale NRW geprüft und kommt zu einem fatalen Fazit. (Bild: Nastco / iStock / Getty Images Plus)

Privat und beruflich sind Netzwerke wie LinkedIn, Instagram und Facebook aus dem Leben der meisten Menschen nicht mehr wegzudenken.

In Deutschland sind 80 Prozent der über 14-jährigen in sozialen Netzwerken angemeldet. Das fand der Branchenverband Bitkom in seinen „Social Media Trends 2018“ heraus.

Verbraucherschutz untersucht Social Networks

Wie halten es die Anbieter mit den Vorschriften der DSGVO? Das wollte die Verbraucherzentrale NRW wissen und hat diese sozialen Medien untersucht:

  • Facebook
  • Instagram
  • LinkedIn
  • Pinterest
  • Snapchat
  • Twitter
  • WhatsApp und
  • Youtube

Diese Aspekte prüft die Studie

Der Fokus der Untersuchungen lag auf zwei Aspekten. Geprüft wurden die Informationspflichten der Anbieter sowie die datenschutzfreundlichen Voreinstellungen (privacy by default).

Berücksichtigt wurde in einem zweiten Schritt die Umsetzung des Rechts auf Auskunft und des Rechts auf Datenübertragbarkeit.

Welche Daten verarbeiten die Anbieter und warum?

Die Verbraucherschützer kommen zu dem Schluss, dass die Anbieter die Nutzer nur unzureichend informieren.  Es sei für die Mitglieder der Netzwerke nicht erkennbar, welche ihrer Daten und möglicherweise ihrer Kontakte verarbeitet würden.

Die geprüften Datenschutzerklärungen bleiben unklar, welche personenbezogenen Daten auf Basis welcher Rechtsgrundlage und zu welchem Zweck verarbeitet werden. Die einzige Ausnahme bildet hier bei der Kurznachrichtendienst Twitter.

Schlechte Standardeinstellungen

Auch in Hinblick auf den konkreten Speicherzeitraum machen die Netzwerke nur unzureichende Angaben. Die Prüfer fanden größtenteils keine datenschutzfreundlichen Voreinstellungen.

Bei gut der Hälfte der Dienste wurde im Rahmen der Anmeldung die Mobilfunknummer zur Registrierung verlangt. Auch dies ist als Standardeinstellung hinterlegt.

Damit werde eine pseudonyme Nutzung des Dienstes erschwert, so die Tester. Zudem erleichtern sich die Anbieter so das Tracking des Nutzers und steigern ihre Werbeeinnahmen.

Daten von Dritten werden verarbeitet

Die Dienste bieten in der Regel eine Synchronisation der eigenen Kontakte an. Dabei können unfreiwillig auch die Daten von Personen übermittelt werden, die sich gegen eine Nutzung des Dienstes entschieden haben.

Die Marktwächter kommen zu einem verehrenden Schluss. Auch ein Jahr nach Einführung der DSGVO bleiben wesentliche Aspekte der Datenverarbeitung für Nutzer intransparent.

Unzureichende Auskünfte

Nicht viel besser sieht es beim Ergebnis des zweiten Teils der Untersuchung aus. Keiner der acht geprüften Anbieter kommt demnach dem Recht auf Auskunft angemessen nach.

Als Folge können die Betroffenen weitere Rechte wie Berichtigung, Sperrung und Löschung bestimmter Daten nur schwer wahrnehmen.

Zudem ist es nicht möglich, sich darüber zu informieren, welche Informationen für eine Datenübertragung zu einem anderen Dienst in Frage kommen. Auch das liegt an der mangelnden Übersicht über die gesammelten Daten.

Die Ergebnisse hat die Verbraucherzentrale in einem Faktenblatt zusammengestellt, das Sie direkt als PDF herunterladen können.

Stephan Lamprecht