11. April 2016 - Verschlüsselung

US-Gesetzentwurf plant Verbot von sicheren Verschlüsselungsverfahren

Zwei US-Senatoren haben einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Verschlüsselung nur dann akzeptiert, wenn sie sich nach gerichtlicher Anordnung in lesbare Daten rückführen lässt.

US-Senatoren wollen sichere Verschlüsselung untersagen Nach dem Willen zweier US-Senatoren würde sich für Behörden künftig bei jeder Verschlüsselung eine Hintertür öffnen (Bild: enzozo / iStock / Thinkstock)

Der jetzt im Internet von unbekannter Seite veröffentlichte neunseitige gemeinsame Entwurf für den Compliance with Court Orders Act of 2016 der demokratischen US-Senatorin Dianne Feinstein und des republikanischen Senators Richard Burr, die auch Vorsitzende des Geheimdienstausschusses sind, hat es in sich: Folgen die Gesetzesgeber diesem Vorschlag, wäre es zumindest für US-Hersteller und -Anbieter von digitalen Produkten das Ende einer wirkungsvollen End-to-End-Verschlüsselung.

Laut Entwurf sollen Hersteller digitaler Kommunikationslösungen, Software-Entwickler und Anbieter von Kommunikationsdiensten wie Webservice-Betreiber verpflichtet werden, nach einem entsprechenden Gerichtsbeschluss alle relevanten Informationen bereitzustellen.

Hersteller müssen Hintertüren einbauen

Handele es sich dabei im Ursprung um verschlüsselte Informationen, so müsste dem Gesetzentwurf zufolge der Hersteller bzw. Anbieter entweder ‚zeitnah‘ eine Entschlüsselung durchführen und die Inhalte im Klartext liefern oder den Strafverfolgungsbehörden entsprechende Tools zur Verfügung stellen, um eine Entschlüsselung zu bewerkstelligen.

In der Praxis würde dies bedeuten, dass alle Hersteller – auch die Anbieter aktueller End-to-End-Verschlüsselungslösungen – eine Hintertür in ihrer Software verankern müssten, die sie selbst oder staatliche Stellen in die Lage versetzt, den Schutz der Informationen zu entfernen. Ironischerweise heißt es im Gesetzentwurf aber auch, dass der Staat Hard- und Software-Herstellern nicht vorschreiben dürfe, wie die Entwicklung eines Produkts zu erfolgen habe.

„fehlerhaft und technisch-naiv“

Kritik am Gesetzesvorschlag kam unter anderem bereits vom Kongressabgeordneten Darrell Issa, der als Vorsitzender des Unterausschusses House Judiciary die Internet-Regularien der USA mit verantwortet. In einer Pressemeldung stuft Issa den Entwurf als „fehlerhaft und technisch-naiv“ ein. Die Unternehmen zu verpflichten, Backdoors in Geräte einzubauen, sei ein „massiver Schlag gegen das Recht US-amerikanischer Bürger auf Privatsphäre.“

fgo

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