30. Januar 2012 - Vorratsdatenspeicherung

Telekom speichert zu viele Handydaten

Die Telekom speichert weiterhin unverhältnismäßig viele Verkehrsdaten ihrer Kunden. Das hat Malte Spitz von Bündnis 90/Die Grünen über ein Auskunftsersuchen an den Telefon-Konzern ermittelt. Damit verstoße die heutige Speicherpraxis gegen die gesetzliche Vorgabe der Datensparsamkeit.

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Mit den Verkehrsdaten lassen sich lückenlos soziale Kontakte nachvollziehen (Foto: Michael Kreil, OpenDataCity, CCBY3.0 )

Bereits von August 2009 bis Februar 2010 hatte Grünen-Politiker Malte Spitz seine vollständigen, bei der Telekom gespeicherten Telekommunikationsdaten angefordert und grafisch ausgewertet.

Damit konnte Spitz nachweisen, dass sich mithilfe dieser Datenbestände die Lebensgewohnheiten einer Person bis in Details beobachten und nachvollziehen lassen.

Weiterhin unverhältnismäßig viele Verkehrsdaten

In einer erneuten Anfrage im Herbst 2011 hat Spitz nun festgestellt, dass die Telekom trotz ausgesetzter gesetzlicher Vorschriften weiterhin unverhältnismäßig viele Verkehrsdaten speichert. Lediglich die Speicherdauer hat sich von 180 Tagen auf 30 Tage reduziert. Damit sieht Spitz die heutige Speicherpraxis als unverhältnismäßig an, sie widerspricht seiner Meinung nach dem Grundsatz der Datensparsamkeit.

Größere Detailtiefe

„Die Daten, die ich diesmal erhalten habe, gehen an einer Stelle deutlich weiter als meine Vorratsdaten aus 2010“, berichtet Spitz in seinem Blog. „Wurde mir von T-Mobile bei der Beauskunftung meiner Anfrage 2010 noch der halbe Datensatz übermittelt, nämlich nur alle Daten, die zu meiner Person gehören, wurden mir diesmal auch die Telefonnummern mit zugesandt, die ich angerufen oder denen ich eine SMS geschickt habe bzw. die den umgekehrten Weg nahmen. Aus Datenschutzgründen wurden die letzten vier Ziffern der jeweiligen Rufnummer unkenntlich gemacht.

Trotzdem lässt sich damit im Vergleich zu 2010 die wirkliche Tragweite dieser Verkehrsdatenspeicherung aufzeigen. Neben der Kenntlichmachung meines Lebens – wo und wann ich mich wie oft aufhalte, zu welchen Zeiten ich wie üblicherweise kommuniziere – lassen sich diesmal auch soziale Profile und Kommunikationsnetze erstellen.

Dadurch, dass ansatzweise ableitbar ist, mit wem ich kommuniziert habe, lassen sich soziale Bindungen eindeutig aufzeigen und in Verbindung setzen – welche Rufnummern rufe ich zu ähnlichen Zeiten an, welche immer nur werktags.“

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Musteranfrage der Verkehrsdaten

In seinem Blog veröffentlicht Malte Spitz auch eine Musteranfrage, mit deren Hilfe jeder Bürger bei den verschiedenen Telekommunikationsunternehmen die über ihn gespeicherten Verkehrsdaten abfragen kann. Die Musteranfrage ist hier abzurufen.

30.01.2012 (Malte Spitz/BM)

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