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26. Mai 2020 - Datenschutzaufsichtsbehörden

Tätigkeitsbericht aus Bayern: KI nur mit Datenschutz

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Der Bayerische Landesbeauftragte für den Datenschutz (BayLfD), Prof. Dr. Thomas Petri, stellte gestern den Tätigkeitsbericht 2019 seiner Behörde vor. Der BayLfD ist für den öffentlichen Bereich zuständig. Ein Schwerpunkt ist das Thema Datenschutz im Bereich Künstlicher Intelligenz, kurz KI.

Prof. Dr. Thomas Petri übergibt seinen Tätigkeitsbericht der Landtagspräsidentin Ilse Aigner Prof. Dr. Thomas Petri übergibt seinen Tätigkeitsbericht der Landtagspräsidentin Ilse Aigner (Bildarchiv Bayerischer Landtag, Foto: Rolf Poss)

Datenschutz und KI

Künstliche Intelligenz (KI) gilt als Innovationstreiber und Wachstumschance.

Die Bundesregierung und die Bayerische Staatsregierung setzen deshalb auf die Strategie der „KI Made in Germany“. Sie soll für eine moderne und sichere Künstliche Intelligenz stehen, die

  • europäische Werte garantiert,
  • die Achtung der Menschenwürde gewährleistet
  • und den Schutz persönlicher Daten sicherstellt.

Dafür machte sich auch der Bayerische Landesbeauftragte für den Datenschutz stark und sieht in „KI Made in Germany“ sogar einen Wettbewerbsvorteil.

Denn aus seiner Sicht „wird es keine Frage sein, ob unsere Gesellschaft künftig mit KI-Systemen leben wird“. Der entscheidende Punkt sei vielmehr, „wie unsere Gesellschaft mit KI leben soll“.

Warum KI Daten braucht

Künstliche Intelligenz nutzt große Datenmengen, um eine Software zu trainieren und Regeln für Entscheidungen abzuleiten.

Immer wieder fließen auch personenbezogene Daten – wie das Alter, der Geburtsort oder das genaue Geburtsdatum – mit ein. In diesen Fällen lässt sich das „Recht auf Vergessenwerden“ nur schwer umsetzen, ohne die KI zurückzusetzen und neu zu trainieren.

Wie der sensible Umgang mit personenbezogenen Daten gelingt

Der Bayerische Landesbeauftragte für den Datenschutz empfiehlt einen sehr sensiblen Umgang mit personenbezogenen Daten im Bereich der Künstlichen Intelligenz.

An zwei Beispielen aus der Praxis verdeutlicht er, wie das gelingen kann:

  • Krebsforschung: Eine KI, die Gewebeprobe auf Anzeichen von Krebs untersucht, muss nicht zwingend alle personenbezogenen Daten kennen. Ist zum Beispiel das Alter der betroffenen Person relevant für eine Einschätzung der Probe, reicht in den meisten Fällen das Geburtsjahr aus. Das exakte Geburtsdatum muss nicht verwendet werden.
  • Autonomes Fahren: Eine KI für das Training von selbstfahrenden Autos braucht auf jeden Fall Videodaten. Die Gesichter der Verkehrsteilnehmer müssen aber nicht zu erkennen sein, um Fahrfähigkeit zu erlernen.

Datenschutz im Alltag

Darüber hinaus geht der aktuelle Tätigkeitsbericht des Bayerischen Landesbeauftragten für den Datenschutz auch auf konkrete Alltagssituationen aus Schulen, Rathäusern und Landratsämtern oder Polizeiinspektionen ein – von datenschutzrechtlichen Vorgaben in der Bayerischen Schulordnung bis zur Evaluation des neuen Polizeiaufgabengesetzes.

Konkrete Empfehlungen geben Professor Petri und seine Behörde zum Beispiel

  • für Bürger, die ihr Recht auf Auskunft oder auf Berichtigung gegenüber einem Verantwortlichen geltend machen wollen,
  • für Beschäftigte, die ihr Foto für Marketingmaßnahmen zur Verfügung stellen sollen und
  • für Personalräte, die datenschutzrechtliche Anforderungen berücksichtigen möchten, ohne ihre Arbeit zu beeinträchtigen.

Mehr Informationen:

Elke Zapf