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27. Juni 2018 - Technischer Datenschutz

Studenten entwickeln Verfahren gegen Druckerüberwachung

Studenten an der Technischen Universität Dresden haben ein Verfahren gegen einen „Fingerabdruck“ auf alltäglichen Ausdrucken entwickelt, über den die Industrie offenbar nicht informiert. Mit der fast unsichtbaren Markierung sind Rückschlüsse auf Personen möglich.

Stundenten haben einen Fingerabdruck, der auf gedruckten Dokumenten zu finden ist, entlarvt Studenten an der TU Dresden haben ein Verfahren gegen einen geheimen "Fingerabdruck" auf alltäglichen Ausdrucken entwickelt. (Bild: Stockbyte / Stockbyte / Thinkstock)

Auf den geheimen Trackingcode, die Drucker auf jedem Ausdruck hinterlassen, war 2005 erstmals das „Deutsche Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz“ (DFKI) gestoßen.

Es sind winzige gelbe Punkte, die für das Auge kaum erkennbar sind, aber auf jedem Ausdruck erschienen. Die Forscher schlossen daraus, dass es sich nicht um einen Fehldruck handeln konnte.

141 Drucker auf „Yellow Dots“ untersucht

Im Rahmen ihrer Diplomarbeit untersuchten die beiden Informatiker Timo Richter und Stephan Escher nach eigenen Angaben 1.286 Seiten von 141 Druckern. Die beiden prüften 18 verschiedenen Hersteller auf „Yellow Dots“.

Das Ergebnis war fast immer das gleiche. Es tauchten immer wieder sogenannte Trackingpunkte auf dem Papier auf, die die Nutzer kaum erkennen jönnen und die deswegen unentdeckt bleiben.

Die Punkte bilden einen digitalen Fingerabdruck, der sich aber in keinem Handbuch findet.

Verräterische Datenspuren

Durch ein KI-System für die Bilderkennung konnten die Informatiker die Codes nicht nur schneller entdecken, sondern auch Rückschlüsse über die darin gespeicherten Informationen gewinnen.

Die Muster variieren je nach Hersteller. Die Datenpunkte verraten aber eine Menge über den Ausdruck. Dazu gehören

  • die eindeutige Seriennummer des Geräts,
  • der Druckertyp oder
  • das Druckdatum mitsamt der Uhrzeit.

Gerade über die Seriennummer des Geräts ließe sich somit auch auf Personen schließen. Das ist der Fall, wenn das Gerät beim Hersteller registriert wurde oder in einem Unternehmen Seriennummer und Arbeitsplatz im Rahmen einer Inventarliste gespeichert werden.

Die Informatiker hatten sich bei den Herstellern nach dem Zweck der Trackingpunkte sowie dem Auftraggeber erkundigt, aber keine Antwort erhalten.

Vielfältige Einsatzszenarien denkbar

Die Einsatzmöglichkeiten solcher „unsichtbarer“ Codierungen sind vielfältig:

  • Denkbar ist beispielsweise der Einsatz in der Verbrechensbekämpfung, wenn vertrauliche Dokumente gestohlen und weitergegeben wurden.
  • Auch am Computer erstellte Fälschungen von Bescheinigungen, Zeugnissen und anderen Urkunden wären somit leichter zu identifizieren.
  • Andererseits eignen sich diese Trackingpunkte potenziell dazu, Menschen zu überwachen.

Anwendung macht Trackingpunkte unbrauchbar

Im Rahmen ihrer Diplomarbeit haben die Studenten ein Verfahren entwickelt, das die Codes so weit zerstört, dass eine Rückführung auf die druckende Person nicht mehr möglich ist.

Hierbei analysiert die Software die Muster auf dem Druckerpapier und ergänzt die freien Felder um weitere Punkte.

Damit ist der Code nicht mehr erkennbar und ein Rückbezug auf eine Person nicht möglich.

Die Anwendung „Deda“, die sich aber in erster Linie an Entwickler richtet, erlaubt es, das Druckerpapier auf vorhandene Trackingpunkte zu überprüfen, um sie zu analysieren.

Das Toolkit steht unter https://dfd.inf.tu-dresden.de/ zur Verfügung.

Stephan Lamprecht