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13. Dezember 2018 - Smartphone

Standortübermittlung in iOS-Apps offenbar unterschätzt

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Apple bemühte sich in den vergangenen Monaten sehr, die Einhaltung von Datenschutz und Privatsphäre gegenüber den Kunden zu betonen. Doch die Maßnahmen zum Schutz der privaten Daten der Nutzer und die öffentlich gemachte Zusicherung, diese zu respektieren, werden durch Apps ausgehebelt.

Standortübermittlung iOS-Apps Nach Google wurde nun auch bei Apple bekannt, dass Apps Standortdaten erheben (Bild: nito100 / iStock / Getty Images)

Privatsphäre nur bei offiziellen Apple-Apps?

Der Respekt vor der Privatsphäre der Nutzer eines iPhones mag zwar für das Betriebssystem iOS und die offiziellen Anwendungen von Apple selbst gelten. Aber wie ein aktueller Bericht zeigt, offenbar nicht für die Entwickler von Anwendungen.

Demnach geben zahlreiche Apps die Standortdaten des Nutzers an bis zu 40 Unternehmen weiter.

Stichprobe ergibt Übermittlung an 70 Unternehmen

Die New York Times untersuchte für den Beitrag „Your Apps Know Where You Were Last Night, and They’re Not Keeping It Secret“ 20 Anwendungen (sowohl für iOS als auch Android). Diese standen nach Angabe der Redaktion ohnehin im Verdacht, die Daten der Kunden weiterzugeben.

Die aus Sicht des Datenschutzes erschütternde Erkenntnis: 17 der 20 getesteten Anwendungen teilen präzise Standortinformationen mit insgesamt 70 (!) anderen Unternehmen.

Daten für die Werbewirtschaft

Laut Artikel bestehen vor allem zwischen dem, was die Entwickler in den Hinweisen zur Datenübermittlung schreiben, und den wahren Zwecken deutliche Unterschiede.

Bei der App „theScore“ wiesen die Journalisten nach, dass sie Nutzerdaten an insgesamt 16 Firmen weiterleitet. Die Programmierer begründeten die Erhebung des Standorts damit, dass die App die Daten nur dazu verwenden würde, „Team und Spieler“ aus der Nähe vorzuschlagen.

Selbst die Daten der bekannten Wetter-App „The Weather Channel“ wurden zeitweise für Hedgefonds ausgewertet.

Anonymisierung nur ein bedingter Schutz

Apple weist in seinen Bedingungen für die Zulassung von Anwendungen zum App-Store darauf hin, dass personenbezogene Informationen in anonymisierter Form weiterzugeben sind.

Wie das Beispiel im Artikel der New York Times zeigt, lassen sich aus den Informationen, wenn diese spezifisch genug sind, durchaus Bewegungsprofile ableiten.

Darunter Tatsachen, die ein Anwender kaum freiwillig mit anderen Unternehmen teilen würde. Beispielsweise der Besuch bei einem Hautarzt, wie das Beispiel von Lisa Magrin zeigt. Für den Beitrag legte die Mathematiklehrerin Standortinformationen auf ihrem Smartphone offen.

Ob und wie Apple reagiert, bleibt offen

Der Artikel kommt aus Sicht von Apple zur Unzeit. Das Management des Konzerns streitet sich öffentlich mit anderen US-Unternehmen, vor allem Google, darüber, wie mit personenbezogenen Daten umzugehen ist.

Ob Apple als Ergebnis des Artikels die Richtlinien des App-Stores jetzt weiter verschärft, ist noch unklar.

Insgesamt zeigt der Beitrag, dass die Durchsetzung von Privatsphäre und Datenschutz auf dem Smartphone anscheinend nach wie vor kaum möglich ist.

Stephan Lamprecht