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21. Juni 2018 - Smartphones

Spionage-Skandal in der spanischen Fußball-Liga

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Die erweiterten Informationspflichten gemäß der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) brachten in Spanien einen Datenskandal ans Licht, der zeigt, warum jeder Nutzer App-Berechtigungen kontrollieren muss.

Skandal: Spanische Fußballliga spioniert Fans aus Die App der spanischen Fußball-Liga “La Liga” macht seine Nutzer ohne deren Wissen zu Spitzeln, um illegale Spielausstrahlungen zu erkennen. (Bild: monkeybusinessimages / iStock / Thinkstock)

Wie die spanische Zeitung „El País“ berichtete, kann die offizielle App der spanischen Fußball-Liga das Mikrofon auf dem Smartphone des Anwenders aktivieren.

Darüber will „La Liga“ nach nicht genehmigten öffentlichen Übertragungen von Ligaspielen fahnden.

Die Praxis wurde erst bekannt, nachdem die Entwickler der App aktualisierte Datenschutz-Bestimmungen veröffentlicht haben.

Öffentliche Übertragung führt zu Millionenschäden

Ähnlich wie in anderen Ländern dürfen die Betreiber von Gaststätten die Übertragungen der Fußballspiele nur zeigen, wenn sie eine spezielle Lizenz besitzen.

Und wie in anderen Ländern erwächst der Liga durch illegale Übertragungen ein finanzieller Schaden. Das sollen dort 150 Mio. Euro pro Jahr sein.

Die Nutzer als „verdeckte“ Ermittler

Während der Übertragung der Spiele hat die App das Mikrofon aktiviert, um über die Aufnahmen zu überprüfen, ob gerade eine Übertragung stattfindet. Zusätzlich wird der Standort des Nutzers per GPS bestimmt.

Die Informationen überträgt die Applikation automatisch an die Liga.  Diese kann darüber ermitteln, ob sich der Anwender in einer Gaststätte befindet, die eine offizielle Lizenz erworben hat.

Die Nutzer der App, die eine Download-Basis von 10 Millionen hat, werden somit zu „verdeckten“ Ermittlern der spanischen Fußballliga. Und bisher wurden sie darüber in keiner Weise informiert.

Datenschutzbestimmungen bringen Vorfall ans Licht

Im Rahmen der Umsetzung der DSGVO haben auch die Entwickler die Datenschutz-Bestimmungen der App angepasst.

In der vorherigen Version hieß es noch, dass der Zugriff auf das Mikrofon für „Publikumsanalysen“ benötigt würde. Aktuell ist der Zweck ausführlicher beschrieben.

Anwender willigen blind ein

Wie von vielen Datenschützern befürchtet, scheinen die Anwender diese Bestimmungen nicht aufmerksam zu lesen.

Denn auch nach der Veröffentlichung der neuen Texte dauerte es einige Tage, bis die Öffentlichkeit das Thema aufgriff.

An den Formulierungen und dem Vorgehen stießen sich Juristen, die sich öffentlich via Twitter über den Vorfall beschwerten.

Es kann also nur wieder an die Anwender appelliert werden, die Hinweise zum Datenschutz in Anwendungen aller Art genauer zu lesen.

Eignet sich als Beispiel für Schulungen

Der Fall ist aber auch ein Beispiel dafür, dass Nutzer sich die App-Berechtigungen auf ihrem Smartphone kritisch ansehen sollten. Das macht das Geschehen zu einem guten Exempel für Schulungen.

Zwar betonen die Entwickler, dass die Applikation keine Gespräche aufzeichnet und nur Fragmente überträgt. Diese würden technisch lediglich ausgewertet, um Übertragungen zu erkennen.

In Verbindung mit der Übermittlung der Standortdaten bleibt der Mechanismus ein tiefer Eingriff in die Privatsphäre der Nutzer.

Deswegen gilt gerade auch auf geschäftlich genutzten Smartphones, dass die Berechtigungen von Anwendungen auf das Mindestmaß beschränkt werden sollten.

Stephan Lamprecht