11. Juni 2012 - Analyse von Daten aus dem Web

Schufa-Projekt in der Kritik

In einem Forschungsprojekt der Auskunftei Schufa, mit dem das SchufaLab am Hasso-Plattner-Institut betraut wurde, soll eruiert werden, inwieweit sich das Internet als Informationsquelle für die Einstufung der Kreditwürdigkeit heranziehen lässt.

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Entscheiden künftig Facebook-Beiträge über die Kreditwürdigkeit? (Quelle: Schufa)

Laut NDR hatte die Schufa zusammen mit dem Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik der Universität Potsdam (HPI) ein gemeinsames Projekt unter dem Namen „SchufaLab@HPI“ mit dem Ziel gestartet, die Möglichkeiten der „Analyse und Erforschung von Daten aus dem Web“, darunter auch Informationen aus sozialen Netzwerken, festzustellen.

Dies bestätigte die Schufa in einer Pressemeldung: „Forschungsschwerpunkte sind einerseits die Validität von Daten und anderseits Technologien zur Gewinnung von Daten.“

Gegenwind von der Politik

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sieht in der Überlegung der Schufa, soziale Dienste im Netz auszuwerten, ein „offenkundig verfassungswidriges Vorhaben“. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sagte: „Es darf nicht sein, dass Facebook-Freunde und Vorlieben dazu führen, dass man zum Beispiel keinen Handyvertrag abschließen kann.“

Auch Michael Inacker, stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts, äußerte sich im Nachrichtensender N24 kritisch, verwies aber darauf, dass das, was die Schufa wohl vorhabe, bei Banken heute durchaus schon üblich sei: „Der Fehler, den die Schufa gemacht hat, ist, ihr Vorhaben öffentlich zu machen“.

Kritik an den Schufa-Plänen auch von der Bitkom

„Nicht alles, was technisch möglich ist, sollte in die Praxis umgesetzt werden“, so der Präsident des Branchenverbandes Bitkom Prof. Dieter Kempf.

„Das Durchforsten von sozialen Netzwerken nach Informationen, die Rückschlüsse auf die finanzielle Leistungsfähigkeit erlauben, würde viele Internetnutzer zu Recht verunsichern. Wir sollten alles unterlassen, was das Vertrauen in das Internet beschädigt. Es wäre klug, auf manche Gedankenspiele zu verzichten. Die Menschen wollen sich frei und ungezwungen im Web bewegen. Diese Freiheit müssen wir erhalten und gleichzeitig immer wieder darauf hinweisen, dass man mit persönlichen Informationen im Internet sehr bewusst umgehen sollte.“

Reaktion der Schufa

Dr. Astrid Kasper, die Leiterin der Unternehmenskommunikation bei der Schufa Holding AG, hat NDR Info in einem Interview einige Fragen zu diesem Projekt beantwortet. Darin verweist sie darauf, dass das Projekt „im juristischen und legalen Rahmen in Deutschland“ durchgeführt werde, und kündigt unter anderem an, die Forschungsergebnisse im September dieses Jahres publizieren zu wollen.

Update: Wie die Financial Times meldet, wird das umstrittene Projekt eingestellt.

(11.06.2012/fgo)

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