16. September 2015 - Datenschutz für Kinder

Reichlich Nachbesserungsbedarf bei vielen Websites und Apps

Nach den Ergebnissen einer internationalen Prüfaktion weisen vier von zehn Smartphone-Apps und Websites für Kinder datenschutzrechtliche Probleme auf.

Children using laptop Der Datenschutz wird von vielen Apps und Websites für Kinder deutlich vernachlässigt (Bild: Dejan Ristovski / iStock / Thinkstock)

29 Datenschutzaufsichtsbehörden aus der ganzen Welt hatten sich an einer Prüfung von Websites und Apps beteiligt, die Kinder als Zielgruppe anvisieren. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

Überprüft wurden insgesamt 1.494 Websites und Apps, wobei in 41 Prozent der Fälle vonseiten der Datenschützer bedenkliche Funktionen oder fehlende Angaben festgestellt wurden. So sammeln 67 Prozent der untersuchten digitalen Programme persönliche Informationen zu den Kindern, die sie nutzen. Rund die Hälfte der Apps und Websites leiten diese Informationen auch an andere Unternehmen weiter, etwa um zielgerichtet Werbung einzublenden. 58 Prozent bieten über solche Einblendungen zudem Links auf fremde Websites an.

Sammeln: ja – löschen: nein

Lediglich 31 Prozent verfügen über Kontrollfunktionen, um die Sammlung und Weiterleitung dieser Daten zu limitieren. Dagegen scheuen 22 Prozent nicht, bei Kindern auch besonders sensible Daten wie die Telefonnummer abzufragen. 23 Prozent erlauben es sogar, Fotos und/oder Videos hochzuladen und zu veröffentlichen.

Bei 71 Prozent fehlt die Möglichkeit, einen angelegten Account samt Daten wieder zu löschen. Erklärungen und Hinweise für Eltern geben nur knapp ein Viertel der untersuchten Apps und Websites.

Fehlende Datenschutzerklärungen

Von deutscher Seite war das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht (BayLDA) an der Aktion beteiligt, hier untersuchte man 25 zufällig ausgewählte iOS- und Android-Apps, die sich direkt an Kinder richten. Festgestellt wurde unter anderem, dass nur rund 75 Prozent der Apps überhaupt über eine Datenschutzerklärung verfügen, wobei sich diese jedoch nur bei 50 Prozent der geprüften Apps auch konkret auf den Datenumgang durch die App bezieht.

Etwa die Hälfte der gefundenen Datenschutzerklärungen war zudem nur auf Englisch verfügbar, obwohl die Apps selbst in deutscher Sprache gehalten sind und sich an Kinder richten.

Dies hob auch Thomas Kranig, Präsident des BayLDA, hervor: „Eigentlich sollte es für deutsche Anbieter einer App mit dem Zielpublikum der Kinder eine Selbstverständlichkeit sein, eine leicht verständliche Datenschutzerklärung in deutscher Sprache anzubieten und diese nicht in englischer Sprache abzufassen beziehungsweise ganz auf eine Information zum Umgang mit den personenbezogenen Daten der Nutzer (Kinder) zu verzichten.“

fgo

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