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2. Dezember 2019 - Microsoft Office 365

Reagiert Microsoft auf öffentliche Datenschutzvorwürfe?

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Microsoft passt die Nutzungsbedingungen für gewerbliche Kunden an. Reagiert das Unternehmen damit auf die in den vergangenen Monaten erhobenen Datenschutzvorwürfe seiner Cloud-Angebote?

Microsoft aktualisiert die Nutzungsbedingungen der hauseigenen Cloud-Dienste. Reagiert das Unternehmen auf die Kritik vieler Datenschützer? Microsoft passt die Nutzungsbedingungen seiner Cloud-Dienste an. Eine Reaktion auf die Kritik vieler Datenschützer?

In einem öffentlichen Beitrag teilt Microsoft mit, dass sie die Änderungen aufgrund von Kundenfeedback vornehmen würden.

Tatsächlich dürfte es sich dabei um eine Reaktion auf die Diskussionen rund um den Datenschutz des Cloud-Angebots von Office 365 handeln.

Mehr Transparenz angekündigt

Die neuen Nutzungsbedingungen (Online Service Terms = OST) versprechen mehr „Transparenz bei der Privatsphäre”.

Durch die Änderungen will der Software-Riese die Kunden besser darüber informieren, wie Microsoft Daten in der Cloud verarbeitet und die Verantwortung dafür übernimmt.

In der Ankündigung weist der Konzern ausdrücklich darauf hin, dass die Veränderungen mit dem niederländischen Ministerium für Justiz und Sicherheit abgestimmt wurden.

Kritik an Microsoft hält an

Das Ministerium hatte vor gut einem Jahr einen Bericht (PDF) vorgelegt, der auf acht Verstöße gegen die DSGVO bei der Nutzung von Office 365 hingewiesen hatte.

In die danach aufkeimende öffentliche Diskussion brachte sich auch der europäische Datenschutzbeauftragte Giovanni Buttarelli ein. Im April des Jahres äußerte er Bedenken in Hinblick auf die Nutzungsbedingungen von Office 365.

Auch der hessische Datenschutzbeauftragte hatte sich im Laufe des Jahres mit der datenschutzrechtlichen Vereinbarkeit von Office 365 beschäftigt.

Dabei war er zunächst (wie von uns berichtet) zu dem Schluss gelangt, dass ein Einsatz von Office 365 in den Schulen des Landes nicht zulässig wäre.

Dieses Urteil wurde anschließend aber nach Gesprächen mit Microsoft wieder revidiert.

Das ist der Grund für die Kritik

Stein des Anstoßes für datenschutzrechtliche Bedenken gegenüber den Produkten von Microsoft (Office 365 und Windows 10) sind stets zwei Aspekte.

  • Zum einen die mögliche Verarbeitung und damit Verlagerung von personenbezogenen Daten in das Ausland durch den Anwender. Das kann der Fall sein, wenn Daten in der Cloud gespeichert werden.
  • Der andere Kritikpunkt richtet sich gegen die von Microsoft erhobenen und von den Anwendungen übertragenen „Telemetrie-Daten“. Diese dienen der Qualitätssicherung und dem Support des Produkts – so der Konzern.

Der entscheidende Faktor: Geld

In erster Linie wird es Microsoft bei den Änderungen natürlich um den finanziellen Nutzen gehen. Denn die Kritik an Microsoft-Diensten, wie Office 365 setzt Verantwortliche unter Druck.

Wäre der Einsatz von Microsoft 365 in der Cloud nicht konform zur DSGVO möglich, müssen sie für die möglichen Verstöße haften.

Die denkbar einfachste Lösung wäre, auf ein anderes Produkt zu wechseln, was der Softwarekonzern aus ureigenem Interesse verhindern will.

Stephan Lamprecht