1. Februar 2016 - Daten nutzen und Privatsphäre schützen

Projekt zum Schutz personenbezogener Kfz-Daten

Wie können Hersteller personenbezogene Daten nutzen, die während einer Autofahrt entstehen, ohne die Persönlichkeitsrechte von Haltern und Fahrern zu verletzen? Das Fraunhofer-Institut SIT sucht Antworten.

Wie lassen sich personenbezogene Daten aus Autos schützen? Forscher des Fraunhofer-Instituts wollen den Datenschutz für Kfz-Daten sowohl im Sinne der Halter als auch der Hersteller regeln (Bild: Wavebreakmedia Ltd / Wavebreak Media / Thinkstock)

Kurz nach der gemeinsamen Erklärung von Datenschützern und Automobilindustrie zum Schutz der während des Kfz-Betriebs anfallenden personenbezogenen Daten hat das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT sein Projekt „SeDaFa – Selbstdatenschutz im vernetzten Fahrzeug“ vorgestellt.

Interessenkonflikte Hersteller – Fahrer

Ziel des Projekts ist es, Lösungen zum Selbstdatenschutz von Autofahrern und Insassen zu entwickeln. Sie sollen sowohl die Fahrzeughersteller und Infrastrukturbetreiber als auch die Anbieter von Auto-Apps in die Lage versetzen, datenschutzkonforme Produkte zu entwickeln und anzubieten. Damit will man dem Interesse der Hersteller gerecht werden, ohne das Recht von Haltern und Fahrern auf den Schutz ihrer personenbezogenen Daten zu unterlaufen:

  • Risiken für die Persönlichkeitsrechte der Fahrzeugnutzer entstehen beispielsweise auf bei einer personenbezogenen Auswertung der Daten zum Bremsverhalten und zur Fahrgeschwindigkeit. Auf deren Basis könnten zum Beispiel Versicherungen ihre Prämien je nach Fahrstil unterschiedlich gestalten.
  • Arbeitgeber können ein automatisches Fahrtenbuch führen lassen, über das sie kontrollieren, wer und auf welchen Strecken einen Firmenwagen fährt.
  • Aus Geschwindigkeitsdaten ließe sich beispielsweise ermitteln, wo genau ein Auto entlang gefahren ist – ohne Geo-Koordinaten zu übertragen, allein durch Wegbeschaffenheit, Kreuzungen, Ampeln etc.
  • Auf der anderen Seite haben Hersteller nicht nur Marketinginteressen an den Kfz-Betriebsdaten, sondern auch die technische Entwicklung oder Werkstätten. So lassen sich Daten zum Fahrverhalten in Korrelation zu Abnutzung bestimmter Teile bringen – was sich konkret etwa auf die Wartungsintervalle auswirken kann. Mögliche Schäden ließen sich erkennen, bevor sie akut werden, was sowohl Vorteile für die Kfz-Halter als auch für das Markenimage bringt.

Der Autonutzer soll über seine Daten entscheiden

„Wir untersuchen zunächst sämtliche Datenströme von Steuergeräten, Telematikeinheiten, Sensoren und Infotainment-Systemen und schauen, welche Daten wohin fließen“, so Prof. Dr. Christoph Krauß, SeDaFa-Projektkoordinator und Abteilungsleiter am Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT. „Wir schauen dann, welche Konsequenzen dies für den Nutzer haben kann, und ob die Daten personenbezogen sind oder nicht.“

Im Ergebnis soll das Projekt ein Konzept erstellen, das technische, rechtliche und nutzerfreundliche Aspekte einbezieht und gewährleistet, dass Autonutzer transparent und übersichtlich informiert werden, welche Daten gesendet und für welche Zwecke sie genutzt werden können. Auf dieser Basis sollen Fahrzeugnutzer selbst entscheiden können, welche Daten sie preisgeben möchten. Der Datenfluss soll also nicht komplett unterbunden werden, sondern im Rahmen des Datenschutzes gewährleistet sein.

Mehrere Partner an Bord

Neben dem Fraunhofer-Institut SIT sind weitere Partner im Rahmen des Projekts aktiv: die Accessec GmbH, die Universität Hohenheim, Stuttgart, die Volkswagen AG sowie die Technische Universität Darmstadt. Assoziierte Partner sind zudem das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), der Hessische Datenschutzbeauftragte sowie die Daimler AG.

fgo

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