12. September 2012 - Vorratsdatenspeicherung

Präventiv wenig sinnvoll

Die Speicherung von Telefondaten mit dem Ziel, geplante Straftaten insbesondere mit terroristischem Hintergrund bereits im Vorfeld erkennen zu können, wird sehr emotional diskutiert. Jetzt stellen Wissenschaftler der TU Darmstadt nach ausführlichen Untersuchungen die Frage nach der Wirksamkeit dieser Maßnahme.

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Hochzeiter kommunizieren ähnlich wie Terroristen (Quelle: JMG/pixelio.de).

Um die Eignung zur Terroristenfrüherkennung zu überprüfen, wandten die Darmstädter Wissenschafter eine Methode aus der Biologie an, mittels derer Netzwerke von Interaktionen, wie zum Beispiel bei Individuen (‚Räuber‘ und ‚Beutetiere‘) untersucht werden.

In unterschiedlichen Simulationen wurden verschieden großen Gruppen an „Terroristen“ in einer Gruppe von 50.000 bis zu einer Million „Bürgern“ versteckt, um die Annahme zu überprüfen, dass deren Kommunikationsverhalten zumindest zeitweise differiert. Mögliche Variablen sind dabei Zeitpunkte, Länge, Abstände und Abfolgen von Telefonaten.

„Das hierzulande vorgebrachte Hauptargument, dass Terroristen schon vor einer Straftat identifiziert werden könnten – also rein präventiv –, ist nach unserer Studie fraglich“, so Bioinformatiker Prof. Kay Hamacher vom Fachgebiet Computational Biology and Simulation und gemeinsam mit Prof. Stefan Katzenbeisser von Security Engineering Group der TU Darmstadt federführend bei der Untersuchung „Entgegen bisheriger Vermutungen haben unsere Simulationen gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, Terroristen ausfindig zu machen, praktisch nicht steigt.“

So stellten die Forscher fest, dass auch gesellschaftlich gewollte Organisations- und Kommunikationsstrukturen denen der angenommenen Terroristen entsprechen. „Befehlsketten sind bei ‚Projekten‘ ähnlich, ob man nun ein Flugzeug entführen oder ein Haus bauen will“, so Hamacher. Um eine Unterscheidung treffen zu können, seien daher so viele Eigenschaften der Kommunikation zu beachten, dass „… die Suche nach Verdächtigen so sei, als würde man den Heuhaufen, in dem eine Nadel gesucht wird, noch weiter vergrößern“.

Werde nun doch ein Fall ungewöhnlichen Kommunikationsverhaltens ausfindig gemacht, „… kann dieser Effekt allerdings bei längerfristiger Speicherung wieder verwischen“, erläutert Hamacher, „denn die Wahrscheinlichkeit, dass eine Gruppe von Bürgern ohne terroristischen Hintergrund ebenfalls kurzfristig häufiger miteinander telefoniert – beispielsweise um eine Hochzeit zu organisieren – steigt natürlich mit jedem Tag“.

(12.09.2012/fgo)

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