9. August 2016 - Zugriffsrechte und Nutzerprofile

Pokémon Go – ein Alptraum für Datenschützer

Die ganze Welt scheint wie im Fieber. Das Spiel Pokémon Go fasziniert rund um den Globus nicht nur Kinder und Jugendliche. Eltern freuen sich darüber, dass ihr Nachwuchs auf der Jagd nach virtuellen Monster endlich freiwillig herausgeht. Kritische Stimmen warnen allerdings bereits vor Unfallfolgen. Doch Pokémon Go ist auch aus Sicht des Datenschutzes nicht unbedenklich.

Pokemon-Go: Und der Datenschutz? Pokémon Go ist aus Datenschutz-Sicht höchst kritisch (Bild: MagicVectorCreation / iStock / Thinkstock)

Die Downloadzahlen der App für iOS und Android sprengen alle Rekorde, und das Spielprinzip ist schnell erklärt. Pokémon Go basiert auf dem Prinzip der Augmented Reality. Die Spieler erkunden ihre nähere Umgebung auf der Suche nach den seit den 90er Jahren bekannten Monstern. Diese werden eingefangen und trainiert. Und dazu muss der Spieler auch virtuelle Gegenstände, die Items, sammeln.

Zu diesem Zweck schickt die App ihn durch seine nähere Umgebung (per GPS-Signal) und schaut dabei durch die Optik seines Smartphones. Denn plötzlich kann direkt auf dem Weg ein Pokémon auftauchen.

Nur scheinbar harmloser Spaß

Was nach einem harmlosen Spaß klingt, ist indes gerade auch für jüngere Spieler nicht ungefährlich. Denn das Spiel fesselt dermaßen stark, dass schnell die Sicherheit im Straßenverkehr vergessen wird. Das ist aber nur eine der Gefahren des von Nintendo veröffentlichten Spiels.

Pokémon Go fordert umfassende Zugriffsrechte

Aus nachvollziehbaren Gründen fordert die App beim Installieren das Zugriffsrecht auf die Kamera und die Ortsbestimmung an. Aus welchen Gründen allerdings zusätzlich die Einsicht auf den Speicher des Smartphones und auch auf die Kontakte verlangt wird, ist aus dem Spielprinzip heraus nicht zu verstehen.

Mit anderen Worten: Wer Pokémon Go auf dem Handy spielt, gewährt dem Hersteller Zugriff auf durchaus sensible persönliche Daten. Die App hat das Potenzial, zu einem Datensammler erster Güte zu werden.

Aus Sicht des Datenschutzes ist dies genauso wenig hinnehmbar, wie ein zweiter, schnell übersehener Aspekt.

Nutzerprofile ganz leicht gemacht

Wo sich Gegenstände, Pokémons und die sogenannten Pokéstops (das sind Anlaufstationen für die Spieler, an denen es Gegenstände gibt) befinden, entscheidet allein der Betreiber.

Damit hat er die Macht, die Spieler zu lenken. Und genau das scheint auch die Intention zu sein. Denn wie amerikanische Medien berichten, geht das Entwicklungsunternehmen gezielt auf die Suche nach Kooperationspartnern und ist in Japan offenbar bereits fündig geworden.

Vor jeder Filiale von McDonalds wartet ein Pokéstop auf die Spieler. So liefern die Spieler auf der Jagd nach den Figuren Vorlieben und Bewegungsprofile frei Haus.

Die Verbraucherzentralen kritisieren den Hersteller wegen seiner Nutzungsbedingungen. So hat der Bundesverband den Entwickler Niantic wegen 15 Klauseln abgemahnt. Noch liegt kein Ergebnis vor.

Aber ganz klar: Aus Sicht des Datenschutzes muss es im Zusammenhang mit Pokémon Go heißen: Finger weg!

Stephan Lamprecht

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