Gratis
23. Juli 2020 - Internet of Things

PimEyes: Was macht das Startup mit unseren Gesichtern?

Drucken

Die kostenlose Suchmaschine PimEyes durchsucht das Internet nach Gesichtern. „Hochgefährlich“ ist das laut Recherchen des Portals netzpolitik.org – deshalb fordern deutsche Politiker nun eine Regulierung des polnischen Startups.

PimEyes gilt laut den Recherchen von netpolitik.org als umfassender Angriff auf die Anonymität. Durch PimEyes wird die Privatsphäre aller betroffenen Personen gefährdet. (Bild: Phoenixns / iStock / Getty Images Plus)

Eine Datenbank mit rund 900 Millionen Gesichtern hat PimEyes – laut eigenen Angaben auf der Webseite des Unternehmens – schon aufgebaut.

„Angriff auf die Anonymität“

Das Portal netzpolitik.org hat sich diese Datenbank und die Praxis dahinter intensiv angeschaut und seine brisanten Recherchen veröffentlicht.

„PimEyes ist ein umfassender Angriff auf die Anonymität und möglicherweise rechtswidrig“, heißt es in dem Beitrag von Daniel Laufer und Sebastian Meineck auf netzpolitik.org.

Über  1 Terrabyte Daten werden täglich analysiert

Die Suchmaschine analysiere massenhaft Gesichter im Internet nach individuellen Merkmalen und speichere die biometrischen Daten ab. Jeder, von dem es ein Foto im Internet gebe, könne schon Teil der Datenbank sein.

PimEyes selbst warb zum Beispiel 2018 bereits auf Facebook mit der Analyse von über einem Terabyte Fotos pro Tag. Auch die Datenbank sollte damals schon Daten von über 100 Millionen Gesichtern enthalten, so netzpolitik.org.

Doch damit nicht genug. Im April 2020 waren es laut Website schon 900 Millionen Gesichter, wie der Autor aufdeckte.

Privatsphäre gefährdet

Gesichtserkennung berührt die Privatsphäre der betroffenen Personen. Wer auch immer an einem öffentlichen Ort Gesicht zeigt, kann durch die Suchmaschine erkannt werden. „Als hätten wir unseren Namen auf der Stirn tätowiert“ heißt es in dem Beitrag auf netzpoltik.org.

Einige Beispiele machen das deutlich. Die Suchmaschine kann

  • Menschen auf einer Demo, vor dem Wahllokal oder im Nachtbus identifizieren,
  • von Stalkern missbraucht werden,
  • Homosexuelle outen,
  • sogenannte Rachepornos leichter zugänglich machen.

Politiker üben Kritik

Deutsche Politiker aller Parteien beurteilen die polnische Suchmaschine kritisch und sprachen sich im Bundestag für eine strenge Regulierung aus.:

  • Tankred Schipanski, digitalpolitischer Sprecher der Union im Bundestag sagte gegenüber der dpa: „Wenn (eine Regulierung) auf Ebene der EU zeitnah nicht gelingen sollte, müssen wir hier als nationaler Gesetzgeber tätig werden.“
  • Jens Zimmermann von der SPD forderte eine genaue Prüfung und fragt: „Wollen wir wirklich in einer Gesellschaft leben, in der Anonymität im öffentlichen Raum de facto nicht mehr möglich ist?“
  • Anke Domscheit-Berg von der Linken bewertet PimEyes als „hochgefährlich“. Frauen, die sich anonym im öffentlichen Raum bewegen möchten, könnten leichter identifiziert und Belästigungen ausgesetzt werden.

Verstoß gegen DSGVO?

Domscheit-Berg wandte sich auch an den Bundesdatenschutzbeauftragten Ulrich Kelber. „Wenn diese App keine Rechtsgrundlage hat, wie sie die DSGVO vorschreibt, müssen daher entsprechende Sanktionen verhängt und eine Verbreitung der App schnellstmöglich unterbunden werden.“

Die Europäische Datenschutz-Grundverodnung (DSGVO) untersagt die Verarbeitung biometrischer Daten zur eindeutigen Identifizierung einer natürlichen Person.

PimEyes reagiert

PimEyes erklärte dazu, es gehe bei der Suchmaschine nicht um die Identifizierung einer Person. Nutzer sollten dort lediglich ihr eigenes Gesicht hochladen und könnten dann sehen, wo Bilder von ihnen im Netz auftauchen.

PimEyes erlaubt jetzt nur noch die Suche über die Bilder einer Webcam, um Misbrauch zu vermeiden. Allerdings lässt sich das Feature einfach umgehen, indem ein Mobiltelefon benutzt wird. Eine Authentifizierung des Nutzers findet nicht statt.

Mehr Informationen:

Elke Zapf