13. April 2013 - Datenschutzverletzungen

Oscars für die Datenkraken

Seit dem Jahr 2000 werden in Deutschland die Big Brother Awards (BBA) verliehen. Jetzt wurden die Preisträger für das Jahr 2013 benannt.

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Ein Preis, der Gewinner eher nicht freuen dürfte: der Big Brother Award (Bildquelle: Thorsten Möller/ digitalcourage).

Insgesamt fünf Kategorien hat der Verein digitalcourage (vormals FoeBuD), der als Stifter und Ausrichter des BBA fungiert, für das Jahr 2013 ausgelobt und die Entscheidung einer fünfköpfigen Jury übertragen.

Im Streit um den prominentesten Preisträger dürften Apple, Google und die Deutsche Post treten. Die Apple Retail Germany GmbH als „Gewinner“ in der Kategorie Arbeitswelt überzeugte die Datenschützer durch „die umfassende Videoüberwachung von Beschäftigten“, bei der „nicht nur Verkaufs- und Lagerräume flächendeckend und dauerhaft per Kamera überwacht worden sein [sollen], sondern auch Pausenräume“.

Google schafft es auf Platz 1 in der Kategorie Globales Datensammeln. Unter dem Deckmantel einer Suchmaschine und anderen Gratisdiensten wie Maps, Docs und YouTube habe „der Werbekonzern Google auf Schritt und Tritt Echtzeit-Daten über alles und jeden gesammelt und kategorisiert Menschen für seinen Werbeprofit“. Google, so die Laudatio, missachte europäisches Recht und nutze seine marktbeherrschende Stellung, um die technokratische Ideologie eines allwissenden Supercomputers voranzutreiben, der besser wisse, was Menschen wollen als sie selbst.

Der Big Brother Award 2013 in der Kategorie Wirtschaft ging an die Deutsche Post Adress GmbH und Co KG, die mit Adress- und Umzugsdaten einen schwunghaften Handel betreibe. Ein weiterer Preisträger ist Bundespolizei, die bei Polizeikontrollen Personen aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes gezielt aus einer Menschenmenge herausgreife, um ihre Personalien festzustellen und sie zu überprüfen. Auf verdächtiges Verhalten oder objektive Indizien als Verdachtsmomente komme es bei dieser Kontrollpraxis nicht an.

Ebenfalls „geehrt“ fühlen dürfen sich die Ministerpräsidenten der deutschen Bundesländer, und zwar mit dem Big Brother Award in der Kategorie Politik „für die Einrichtung des Gemeinsamen Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio als Nachfolger der GEZ“. Denn in der mehrjährigen Übergangsphase verarbeite der neue Beitragsservice viel mehr Daten als zuvor die GEZ.

(13.04.2013/fgo)

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