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4. Juni 2019 - Datenschutz allgemein

Mit Piktogrammen über Datenverarbeitung informieren

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Eine Kunsthochschule wird eher selten in Zusammenhang mit dem Thema Datenschutz gebracht. Ein Forschungsprojekt an der Berliner Universität der Künste (UDK) beschäftigt sich mit der Entwicklung von Piktogrammen, mit deren Hilfe die Betrachter die Risiken einer Datenverarbeitung sprichwörtlich mit einem Blick erfassen sollen.

Piktogramme sollen Risiken der Datenverarbeitung bildlich darstellen (Bild: anyaberkut / iStock / Getty Images Plus) Piktogramme sollen Risiken der Datenverarbeitung bildlich darstellen (Bild: anyaberkut / iStock / Getty Images Plus)

Ganz neu ist der Grundgedanke sicherlich nicht. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) selbst sieht in Art 12. Abs. 8 die Verwendung von Piktogrammen zur Information von Betroffenen vor.

Anders als Gefahrenzeichen im Straßenverkehr sind Gründe für eine Datenverarbeitung oder eines Datenrisikos aus Sicht der Nutzer eher abstrakt. Entsprechend herausfordernd ist es, allgemein verständliche Symbole zu entwickeln.

Interdisziplinäres Forschungsprojekt

Das Projekt „Privacy Icons“ ist aus diesem Grund interdisziplinär angelegt. Neben der Universität der Künste sind auch die Universität Siegen und das Einstein Center for Digital Future beteiligt.

Die Forscher wollen ihre Arbeit aber nicht ausschließlich intern an den Hochschulen vorantreiben. Im Rahmen öffentlicher Workshops sind auch die Nutzer dazu aufgerufen, sich an der Entwicklung der Symbole zu beteiligen.

Das Ziel ist es, Piktogramme zu entwickeln, die auf intuitiv verständliche Weise Umfang und Folgen der Verarbeitung der personenbezogenen Daten vermitteln.

„Die besondere Herausforderung von Privacy Icons besteht darin, die Komplexität der Datenverarbeitung und der mit ihr verbundenen Risiken durch Bildsymbole so darzustellen, dass die Nutzerinnen diese tatsächlich (sprich, nachweisbar) verstehen.“, fasst Forschungsleiter Prof. Dr. Max von Grafenstein die Schwierigkeit des Projekts zusammen.

Piktogramme sollen Erläuterungen ergänzen

Die Piktogramme sollen ausführliche Datenschutzerklärungen und textliche Erläuterungen nicht ersetzen, sondern ergänzen. Die Piktogramme dienen der Erstinformation der Betroffenen.

Wünschen sich diese weitergehende Erläuterungen, sollen sie diese auf textlicher Ebene erhalten.

Fortgeschrittene Anwender, die sich bereits mit dem Thema Datenschutz intensiver beschäftigt haben, würde ein Symbolbild auf einer Webseite wahrscheinlich genügen, um zu wissen, auf welche Weise die personenbezogenen Daten dort erhoben und verarbeitet werden.

Unerfahrene Nutzer würden dann im Zweifel nach dem Anklicken eines Piktogramms die ausführliche Darstellung lesen, um besser informiert zu sein.

Auch Nutzen und Benutzerführung ist für die Forscher relevant

Aus Sicht der Forscher ist es keine ausschließlich juristische Frage, wie Informationen den Nutzer wirksam über die Datenverarbeitung informieren.

Dabei geht es um die Usability und Benutzerführung etwa in Online-Angeboten. Deswegen werden auch Designer und Grafiker in die Entwicklung mit einbezogen.

In einer späteren Phase des Projekts sollen dann freiwillig mitarbeitende Anwender bei der Gestaltung der Symbole mitwirken.

Stephan Lamprecht