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2. März 2020 - Biometrie

Mit KI gegen Gesichtserkennung

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Das Unternehmen D-ID hat einen Mechanismus entwickelt, der Gesichtserkennung unmöglich macht. Videos und Bilder werden so verfremdet, dass Systeme für die Gesichtserkennung ins Leere laufen. Rückschlüsse auf die Identität der Person seien unmöglich, die Filme und Bilder ließen sich aber weiter nutzen.

Das Unternehmen D-ID hat eine Software entwickelt, die Gesichtserkennung verhindern soll. Ein israelisches Unternehmen hat ein System entwickelt, das Gesichtserkennung unmöglich macht. Der Mechanismus soll Bilder und Videos so verändern, dass kein Unterschied zum Original sichtbar ist. (Bild: jandrielombard / iStock / Getty Images)

Der Mitte Januar bekannt gewordene Fall des Unternehmens Clearview dürfte Wasser auf die Mühlen aller Kritiker von Social Media gewesen sein.

Das Startup hat eine Software für die Gesichtserkennung entwickelt. Auch Sicherheitsdienste und Polizeibehörden setzen diese ein.

Clearview holt sich unerlaubt Daten aus Social Media

Clearview hat sich dafür, ohne Wissen der Betroffenen, aus öffentlich verfügbaren Fotos auf Google oder Twitter bedient. Diese hat das Unternehmen in die eigene Datenbank eingespeist.

Zwar haben die betroffenen Social-Media-Plattformen reagiert und Clearview die Nutzung des Bildmaterials untersagt. Trotzdem bleiben die einmal publizierten Fotos jetzt wohl Bestandteil einer angeblich 3 Milliarden Bilder umfassenden Datenbank.

KI machte biometrische Kennzeichen unbrauchbar

Das Startup D-ID, was für De-Identification steht, hat nun ein neues Verfahren entwickelt. Mit dessen Hilfe sollen sich Videos und Fotos „pseudonymisieren“ lassen. Die Firma behauptet, dass die Daten damit für Erkennungssysteme unbrauchbar werden.

Dazu wird die auf dem Bildmaterial dargestellte Person in eine Art Avatar konvertiert, der leicht verändert aussieht. Das Material bleibt aber für andere Zwecke weiterhin verwendbar.

Keine Einwilligung mehr nötig?

Das Startup aus Israel will Unternehmen damit von der Verpflichtung entbinden, die Zustimmung des Nutzers einzuholen. Denn so könne nicht mehr auf die genaue Identität einer Person geschlossen werden.

Das berichtet das Magazin „Technology Review“ in seiner Ausgabe 3/2020.  Zugleich trägt D-ID damit aktiv zur Privatsphäre der Kunden bei.

Biometrie-Daten zu Marketing-Zwecken

Die Überwachungskameras in Supermärkten, Einkaufszentren und Co. dienen in erster Linie der Prävention von Diebstählen und der Beweissicherung.

Doch nahezu jeder Hersteller der zu den Kameras gehörenden Software bietet Gesichtserkennungs-Module an. Damit können Unternehmen Auswertungen über das Verhalten und demografische Kennzeichen erstellen.

Das sind für den Handel wichtige Informationen. Denn sie helfen, das eigene Portfolio zu verbessern. Lassen sich damit doch Rückschlüsse darüber gewinnen, wie lange ein Kunde vor welchem Angebot steht.

Verarbeitung auf fremden Servern

Die Lösung von D-ID soll auch solche Auswertungen möglich machen, aber ohne den kritischen Bezug der Wiederkennung einer konkreten Person.

Um das Bildmaterial aber zu pseudonymisieren, muss es natürlich von der Software des Unternehmens bearbeitet werden. Und dazu liegt das Material also auf einem Server von D-ID. Somit stellt sich erneut die Frage des Vertrauens.

Stephan Lamprecht