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9. August 2019 - Messenger

Microsoft-Mitarbeiter hörten Skype-Gespräche mit

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In den vergangenen Wochen sorgten Apple, Amazon und Google gleichermaßen für Schlagzeilen. Denn ganz offenbar hörten Mitarbeiter die Spracheingaben von Nutzern bei Siri oder beim Google Assistenten an. Nun muss auch Microsoft solche Vorfälle einräumen.

Auch bei Skype haben Dienstleister Gespräche mitgehört Auch bei Skype haben Dienstleister Gespräche mitgehört (Bild: iStock.com / stockcam)

Verschiedene Medien hatten herausgefunden, dass Apple, Amazon und Google die Spracheingaben der Nutzer aufgezeichnet hatten, um diese dann von Mitarbeitern analysieren zu lassen.

Die US-Konzerne begründeten dies übereinstimmend damit, die Qualität der intelligenten Spracherkennungssysteme verbessern zu wollen.

Bis zum Erscheinen der Medienberichte dürfte aber wohl kaum ein Nutzer darüber nachgedacht haben, dass eine solche Verletzung der Privatsphäre überhaupt stattfinden könnte.

Wie das Nachrichtenmagazin Vice herausgefunden hat, wurden auch Gespräche und Spracheingaben der Nutzer von Microsoft-Anwendungen mitgehört.

Skype und Cortana betroffen

Das Magazin hatte entdeckt, dass externe Dienstleister im Auftrag von Microsoft Gespräche mitgehört und analysiert hatten.

Dabei ging es um Gespräche, die mit dem Messenger Skype geführt wurden.

Betroffen sind allerdings nur Gespräche via Skype, die von der automatischen Übersetzungsfunktion Gebrauch machten. Diesen Service bietet Microsoft seit knapp vier Jahren an.

Dabei lassen sich Gespräche über den Messenger fast in Echtzeit übersetzen. Inzwischen funktioniert dies für 8 Sprachen.

Betroffen sind aber auch Eingaben mit der Diktierfunktion von Cortana, dem Spracherkennungs-Programm, das u.a. mit Windows 10 ausgeliefert wird.

Microsoft räumt die Analysen ein

Der Software-Konzern hat die Berichterstattung inzwischen bestätigt.

Dabei verweist das Unternehmen auf die Nutzungsbedingungen von Skype. Sie würden die Nutzer darüber informieren, dass zum Zwecke der Qualitätssicherung Gesprächsdaten analysiert werden könnten.

Allerdings ist dort keine Rede davon, dass es sich dabei auch um menschliche Analysten handelt.

Zudem würden die Aufnahmen vor der Weitergabe an Dienstleister anonymisiert. Diese seien auch auf die Vertraulichkeit verpflichtet, so die Angaben von Microsoft

Gespräche über gesundheitliche und seelische Probleme

Bei dem Material, das dem Nachrichtenmagazin vorliegt, handelt es sich durchaus um sensible Inhalte.

In den Gesprächen haben sich die Nutzer beispielsweise auch über gesundheitliche und seelische Probleme unterhalten.

Selbst wenn Microsoft die Daten anonymisiert, lässt sich nicht ausschließen, dass eine Person über den Inhalt des Gesprächs zu identifizieren ist.

Insofern müssen sich die Hersteller fehlende Transparenz in Hinblick auf die Gesprächs-Aufzeichnungen vorwerfen lassen.

Und Nutzer müssen sich genau überlegen, in welchem Umfang sie die Anwendungen noch einsetzen wollen.

Stephan Lamprecht