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24. Oktober 2019 - Smarte Lautsprecher

Macht es die Telekom besser als Amazon?

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Sprachgesteuerte digitale Assistenten stehen seit Wochen massiv in der Kritik von Datenschützern. Mit dem smarten Lautsprecher „Hallo Magenta“ wollte es die Telekom deutlich besser machen als Amazon mit seiner Echo-Serie. Wie erste Medienberichte jedoch andeuten, verfehlt die Telekom ihre hochgesteckten Ziele.

Hallo Magenta Macht es die Telekom mit ihrem neuen Smartspeaker datenschutzrechtlich besser als Google & Amazon? (Bild: AndreyPopov / iStock / Getty-Images)

Die US-Konzerne stehen regelmäßig in der Kritik, weil ihre Geräte die Daten der Kunden zu wenig schützen. Ein vorläufiger und bedenklicher Tiefpunkt war hier das Mithören durch Mitarbeiter der betreffenden Unternehmen.

Vorgeblich aus Gründen der Qualitäts-Sicherung, die Nutzer erfuhren davon erst durch die entsprechenden Presseberichte.

Datenschutz-Erklärung versus Werbe-Versprechen

Ein zentrales Telekom-Werbeversprechen lautete, dass die Daten des Nutzers ausschließlich auf Servern innerhalb der Europäischen Union liegen.

Das Handelsblatt hat die ersten Geräte des Telekom-Lautsprechers einem ersten Test unterzogen und stieß hier auf Ungereimtheiten.

Was brachte der Handelsblatt Test zu Tage?

  • Vor der Nutzung der Lautsprecher muss jeder Kunde der Datenschutz-Erklärung zustimmen.
  • Darin räumt die Telekom sich das Recht ein, die Daten auch außerhalb der Europäischen Union zu verarbeiten.

In der Werbung klang das anders. Begründet wird dies damit, dass es für die Leistungserbringung absolut notwendig sei.

Kritik von Datenschützern

Überaus kritisch äußert sich der Hamburger Datenschützer Caspar zum Thema. Seiner Ansicht nach ist die Argumentation mit der Erfüllung des Vertrags problematisch. Denn das erfordere gerade nicht die manuelle Auswertung der Sprachnachrichten.

Er plädiert vielmehr für eine informierte Einwilligung der Nutzer im Rahmen eines Opt-in-Verfahrens. Um eine solche aufgeklärte Einwilligung abgeben zu können, müsse man dem Kunden aber transparent vermitteln, dass seine Sprachdaten ausgewertet würden.

Auch mit dem Hinweis darauf, dass beim Einsatz eines solchen Systems das Risiko von Fehlaktivierungen im Umfeld des Anwenders besteht.

Standards gefordert

Im Zusammenhang mit dem Telekom-Lautsprecher sprach sich Caspar für die Einführung von Standards aus. Das Handelsblatt zitiert den Datenschützer so:

„Insgesamt weisen die Sprachassistenzsysteme derzeit eine Reihe von datenschutzrechtlichen Fragen auf. Es bedarf hier möglichst schnell europaweiter Standards, die Orientierung bieten und auf alle Anbieter anwendbar sind.“

Gerade vor dem Hintergrund, dass die Telekom sich bei der Entwicklung des neuen Lautsprechers gegen die US-Konzerne positioniert, ist es aus Sicht des Datenschutzes zweifellos bedauerlich, dass der Konzern hier kein positives Beispiel setzt.

Umso mehr angesichts der wachsenden Kritik an den Analysen der Nutzerdaten durch Google, Amazon und Apple in der jüngsten Zeit.

Stephan Lamprecht