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9. Juli 2018 - Technischer Datenschutz

Liest Google E-Mails mit?

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Für Schlagzeilen und Unsicherheit sorgt einmal mehr eine Anwendung aus dem Hause Google. Diesmal geht es um den E-Mail-Service „GMail“ des US-Unternehmens. Unklar war hier die Frage, ob es Entwicklern möglich ist, E-Mails der Nutzer zu lesen.

Aufregung um GMail: Lesen Entwickler mit? Auch hier gilt: Wer neue Apps und Dienste installiert, muss darauf achten, welche Zugriffe er den Tools gewährt (Bild: iStock.com / franckreporter)

Den Stein ins Rollen brachte ein Artikel aus dem „Wall Street Journal“, der ein „schmutziges Geheimnis“ der Technik-Branche zu verraten schien. Demnach würden Entwickler Zugriff auf die Postfächer von GMail erhalten und könnten darüber auch die Nachrichten der Nutzer mitlesen.

Ja, Entwickler haben Zugriff auf Mails

Die Berichterstattung über diesen Sachverhalt schlug hohe Wellen. Und tatsächlich ist es möglich, dass Entwickler E-Mails lesen oder auch maschinell verarbeiten.

Allerdings scheint der ursprüngliche Bericht auf einem Missverständnis über die Funktion von GMail zu beruhen.

Denn im Kern geht es nicht um die Entwickler von Google selbst, sondern um das Personal von Drittfirmen, die Erweiterungen für den Maildienst aus dem Hause Google anbieten.

Ein Beispiel dafür ist etwa die Anwendung „unroll.me“, die für europäische Kunden ihr Angebot unter Bezug auf die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) eingestellt hat. Nutzer, die den Service buchen, können sich automatisiert aus Mailing-Listen oder Empfänger-Kreisen von Newslettern austragen lassen.

Aber: Anwender selbst gewährt Zugriff

Um solche oder ähnliche Apps benutzen zu können, muss der Nutzer der App oder dem Service den Zugriff auf sein GMail-Postfach erlauben. Dazu fordern ihn die Anwendungen während der Einrichtung auf. Außerdem verschickt Google eine Benachrichtigung an den Benutzer, nachdem er den Zugriff erteilt hat.

Allerdings schließt die Gewährung des Zugriffes nach den Nutzungs-Bedingungen vieler Apps die Mitarbeiter des Unternehmens ein. Und nicht selten auch dessen Tochterunternehmen.

Die Aussagen der Zeitung sind also nicht völlig aus der Luft gegriffen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um ein Geheimnis, sondern um den Nebeneffekt einer willentlichen Zustimmung des Nutzers.

So kontrollieren Nutzer ihr Konto

Aufgrund der Schlagzeilen sah sich Google genötigt, zu diesem Thema einen Blogpost zu veröffentlichen. Hier betont Google, dass Erweiterungen und Apps, die einen Zugriff auf Mails erwarten, überprüft würden. Es werde nur der Zugriff auf Inhalte aus dem Google-Konto erlaubt, der für das Funktionieren der App notwendig sei.

Google selbst hat erst 2017 das maschinelle Lesen der Nachrichten zur Platzierung von Werbebannern in Gmail eingestellt.

Der Beitrag empfiehlt, dass sich Nutzer regelmäßig darüber informieren sollten, welchen Apps und Diensten sie bereits einmal Zugriff auf Daten Ihres Google Kontos gewährt haben.

Über die Seite https://myaccount.google.com/security erreichen die Anwender eine entsprechende Übersicht, über die sie die Zugriffe wieder entziehen können. Und das ist auch für Mitarbeiter in Unternehmen interessant, wenn sie beispielsweise berufliche Nachrichten an das Google-Konto weiterleiten.

Stephan Lamprecht