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14. Juni 2017 - Personalisierte Werbung

Klage gegen Gesichtserkennung bei Real und der Deutschen Post

Berichten zufolgen testen derzeit sowohl Real als auch die Deutsche Post Kamerasysteme für Werbedisplays. Die Unternehmen stellen Geschlecht und Alter von Kunden mit Gesichtserkennung fest. Digitalcourage hat eine Klage gegen dieses Vorgehen angekündigt.

Gesichtserkennung in einem Supermarkt In Supermärkten soll künftig personalisierte Werbung durch Gesichtserkennung optimiert werden (Bild: Jay_Zynism / iStock / Thinkstock)

Gesichtserkennung bei Post und Real

Wie die Lebensmittelzeitung berichtet, testet Real derzeit in 40 seiner Supermärkte ein in der Kassenzone platziertes System zur Gesichtsanalyse.

Das System soll Alter und Geschlecht der einzelnen Kunden erkennen, um auf Displays entsprechend zielgruppenspezifische Werbung einzublenden.

Dabei wird zudem gespeichert, wie lange Kunden auf den Bildschirm schauen.

Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass auch die Deutsche Post ein ähnliches System testet.

Rechtssicher?

Laut Spiegel sieht sich Real bei dieser für den Kunden nicht eindeutig angekündigten Bildanalyse rechtlich auf der sicheren Seite. Die eingesetzte Software zur Gesichtserkennung sei zertifiziert und datenschutzkonform.

Fragwürdiger Hinweis

Real informiere den Kunden zudem über den Vorgang, so ein Unternehmenssprecher gegenüber dem Nachrichtenmagazin: „Eine Information für unsere Kunden erfolgt über eine gut sichtbare Hinweisbeschilderung ‚Dieser Markt wird videoüberwacht‘.“

Digitalcourage will klagen

Der in Sachen Informationsfreiheit und Datenschutz aktive Digitalcourage e.V., der unter anderem den „Big Brother Award“ vergibt, hat angekündigt, Strafanzeige zu stellen.

Ziel ist es, die Überwachung und Analyse von Kundinnen und Kunden zu stoppen.

Man sehe hierin einen Verstoß gegen § 6b des Bundesdatenschutzgesetzes zur Beobachtung öffentlich zugänglicher Räume mit optisch-elektronischen Einrichtungen:

  • Die Erhebung biometrischer Daten, die für die Gesichtsanalyse nötig sind, machen laut Digitalcourage einzelne Personen eindeutig identifizierbar.
  • Menschen müssten die Möglichkeit haben, an Lebensmittel zu gelangen, ohne dass dabei ihre Gesichter biometrisch gescannt und analysiert werden.
  • Einmal erfasst, verlieren Kundinnen und Kunden ansonsten die Kontrolle über die Daten, so der Verein.

Keine Bedenken der Datenschützer

Das Bayerische Landesamt für Datenschutz hat laute heise online allerdings keine Bedenken gegen das System, das Real einsetzt. Denn ein echtes Tracking sei nicht möglich.

Die Daten seien so anonymisiert, dass keine personenbezogenen Daten erhoben würden.

fgo

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