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23. November 2018 - Biometrie

Fingerabdruck-Scanner: Forscher entwickeln „Generalschlüssel“

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Die Absicherung per Fingerabdruck gehört bei immer mehr Smartphones und Tablets zur serienmäßigen Ausstattung. Die Sperre eines Geräts mittels biometrischer Kennzeichen ist bequem und schnell. Und galt bisher auch als schwierig zu überwinden. Die Ergebnisse amerikanischer Forscher könnten jetzt dazu führen, dass dieses Konzept wackelt.

Bioemtrische Zugangskontrollen sind nicht absolut sicher Bioemtrische Zugangskontrollen haben ihre Tücken (Bild: anyaberkut / iStock / Getty Images Plus)

Sensoren für biometrische Kennzeichen kommen inzwischen ja nicht nur an Computern, Smartphones und Tablets vor. Auch in „smarten“ Türschlössern kommen solche Bauteile zum Einsatz.

Die biometrischen Kennzeichen einer Person sind einmalig und nur mit hohem Aufwand nachzuahmen. Zwar könnte man gezielt die Fingerabdrücke eines Opfers von Gegenständen abnehmen, die die Zielperson berührt hat. Daraus dann aber einen künstlichen Fingerabdruck zu erzeugen, ist technisch nicht einfach.

Forscher entwickeln „DeepMasterPrints“

Wie das Magazin von heise berichtet, haben Forscher an der New York University Tandon ein Verfahren entwickelt, mit dem sich aktuelle Fingerabdruck-Scanner offenbar überwinden lassen.

Die „DeepMasterPrints“ der Wissenschaftler übernehmen hier die Rolle eines „Generalschlüssels“, der die Sperre des Geräts überwunden hat.

Die Forscher testeten ihr Verfahren gegen insgesamt drei verschiedene Fingerabdruck-Scanner. Die synthetischen DeepMasterPrints funktionierten dabei in allen Fällen um ein Vielfaches besser als zufällig gewählte, reale Fingerabdrücke.

Das Verfahren basiert darauf, dass Fingerabdruck-Scanner, wie sie etwa in Smartphones zum Einsatz kommen, nur einen kleinen Teil des gesamten Fingerabdrucks erfassen und auswerten können.

Entwickelt mit KI-Unterstützung

Der Name des publizierten Verfahrens deutet es bereits an. Die Forscher haben bei ihrer Entwicklung Methoden genutzt, wie sie auch in der Forschung von künstlicher Intelligenz zum Einsatz kommen.

Ein sogenanntes neuronales Netz wurde so trainiert, dass es künstliche Fingerabdrücke produziert. Über Optimierungsverfahren wurden daraus dann die Abdrücke ausgewählt, die den größten Erfolg zu versprechen schienen.

Ausgangspunkt des maschinellen Lernens des neuronalen Netzes bildete eine öffentliche Datenbank mit 54.000 Finger-Abdrücken und 8.640 Finger-Scans.

Das interessante Forschungsergebnis ist in erster Linie ein „Proof of Concept“.

Natürlich stehen nicht jedem x-beliebigen Angreifer die gleichen Möglichkeiten wie den Forschern zur Verfügung.

Es beweist aber letztlich eine Ansicht, die Sicherheitsexperten in der Vergangenheit immer wieder geäußert haben: Die biometrische Absicherung ist dem klassischen Schutz über starke Passwörter unterlegen.

Stephan Lamprecht