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1. Februar 2019 - Datenschutzbeauftragte

Fachkräftemangel in Sachen Datenschutz

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Je nach Größe und Geschäftsmodell müssen Unternehmen regelmäßig Aufgabenpakete rund um alle Aspekte der DSGVO abarbeiten. Organisationen, die sich dazu Experten ins Haus holen wollen, haben aktuell schlechte Chancen.

Viele Datenschutzbeauftragte sind völlig überarbeitet Derzeit landet sehr viel Arbeit im Datenschutz bei sehr wenigen Datenschutzbeauftragten (Bild: iStock.com / grinvalds)

Während ein kleiner Handwerksbetrieb nach den – zugegebenermaßen aufwändigen – grundlegenden Arbeiten zur Umsetzung der Datenschutz-Grundverordung (DSGVO) lediglich überschaubare laufende Aufwände rund um Datenschutz und Datensicherheit haben dürfte, sieht dies bei größeren Firmen schon anders aus.

Insbesondere, wenn dort viele Systeme und Dienste im Einsatz sind, mit deren Hilfe personenbezogene Daten verarbeitet werden.

In diesem Fall kann bereits die Kontrolle und Pflege des Verzeichnisses der Verarbeitungstätigkeiten zur tagfüllenden Beschäftigung werden.

Angesichts dessen hat der Branchenverband Bitkom in einer Umfrage ermittelt, wie viele Ressourcen Unternehmen in Deutschland in das Thema Datenschutz stecken.

Vollzeitstellen für Datenschutzbeauftragte sind die Ausnahme

Obwohl auf die Unternehmen durch die Vorschriften der DSGVO mehr Aufgaben zugekommen sind, haben lediglich 31 Prozent eine Vollzeitstelle für Mitarbeiter eingeplant, die sich hauptsächlich mit Datenschutz befassen sollen.

Nur wenige Firmen setzen dagegen auf mehr als eine Vollzeitstelle für die Aufgaben rund um den Datenschutz. Zwei Vollzeitkräfte haben nur 4 Prozent eingeplant, nur 1 Prozent bis drei Beschäftigte.

Wenig überraschend sind es vor allem die großen Betriebe, die mehrere Experten zum Datenschutz beschäftigen. 35 Prozent der Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern haben vier Mitarbeiter im Bereich Datenschutz vorgesehen.

Die große Mehrheit (59 Prozent) hat dafür weniger als eine Vollzeitstelle für einen Datenschutzbeauftragten zur Verfügung.

Problem Fachkräftemangel

Susanne Dehmel, Mitglied der Geschäftsführung bei Bitkom, gibt aber in Hinblick auf die Befragung zu bedenken:

„Wer qualifiziertes Personal finden konnte, hat dies auch eingestellt. Beim Datenschutz herrscht jedoch deutschlandweit Fachkräftemangel.“

Für die repräsentative Untersuchung wurden 502 für den Datenschutz verantwortliche Personen (Betriebliche Datenschutzbeauftragte, Geschäftsführer, IT-Leiter) von Unternehmen aller Branchen ab 20 Mitarbeitern in Deutschland telefonisch befragt.

Neben der DSGVO wird es die Vorbereitung auf die geplante „ePrivacy-Verordnung“ für viele Unternehmen angesichts dieser angespannten Ressourcenlage mit sich bringen, auf externe Beratungsunternehmen zuzugreifen. Aber auch die sind bereits gut ausgelastet.

Und es wäre eine Überraschung, wenn sich die bei den Aufsichtsbehörden zeigenden wachsenden Anfragezahlen nicht auch auf der Seite der Unternehmen niederschlagen.

In gleichem Maße, wie die Rechte der Betroffenen tiefer im Bewusstsein der Bevölkerung verankert sind, dürften auch die Auskunftsersuchen bei den Betrieben wachsen.

Gute Aussichten also für Datenschutzbeauftragte.

Stephan Lamprecht