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4. Mai 2018 - Soziale Netzwerke

Facebook startet seine umstrittene Gesichtserkennung

Bereits 2012 hatte das soziale Netzwerk eine Funktion zur Gesichtserkennung eingeführt. Diese wurde jedoch auf Druck von Datenschützern wieder zurückgezogen. Jetzt nimmt das Unternehmen einen erneuten Anlauf.

Facebook führt seine Gesichtserkennung ein und wirbt mit mehr Sicherheit und Kontrolle. Facebook führt nun seine Gesichtserkennung ein und wirbt mit mehr Sicherheit und Kontrolle. Datenschützer sehen das jedoch kritisch. (Bild: iStock.com / coffeekai)

Facebook bittet derzeit seine über 300 Millionen Mitglieder in Europa darum, die neue Funktion der Gesichtserkennung zu aktivieren. Beworben wird der neue Service unter dem Aspekt der Sicherheit. Das Netzwerk wolle damit besser kontrollieren, wann ein Mitglied auf Fotos, Videos oder vor der Kamera erscheine.

Damit kann der Nutzer laut Facebook leichter herausfinden, wann er auf einem Bild eines anderen Mitglieds zu sehen ist, obwohl er darauf nicht markiert wurde. Sehbehinderte sollen so die Chance erhalten, leichter zu erfahren, wer auf einem Bild zu sehen ist.

Datenschützer bleiben kritisch

Das klingt, wie bei Facebook gewohnt, zunächst positiv. Allerdings sehen Datenschützer die Gesichtserkennung nach wie vor sehr kritisch, etwa Professor Johannes Caspar, der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit. Dieser weist in einem Bericht des Medienmagazins Meedia ausdrücklich auf die Gefahren hin.

Die Erhebung und Verarbeitung biometrischer Daten sei zunächst immer bedenklich. Durch die Analyse von bereits vorhandenen Bildern wird ein sogenanntes Template gewonnen, das dann wie eine digitale Identifikationsmarke funktioniert.

Denn durch das automatisierte Identifizieren ergibt sich fast zwangsläufig das gezielte Verfolgen einer Person. Über die Anreicherung der Metainformationen aus dem analysierten Bild- und Videomaterial ließen sich damit dann umfassende Profile bilden.

Ist eine Person auf diese Weise erst einmal identifiziert, ist es ohne Weiteres möglich, auch verschiedene Profile zusammenzuführen, selbst wenn der Betroffene einen völlig anderen Nutzernamen oder ein Pseudonym gewählt hat.

Schwierig, die Funktion zu deaktivieren

Und noch etwas sind Experten von Facebook gewohnt. Die Funktion einfach abzuwählen, ist für den Nutzer erneut unübersichtlich und schwierig gestaltet. Die Frage nach der Erlaubnis zum Aktivieren der Funktion sieht nämlich kein ausdrückliches „Nein“ vor, sondern präsentiert als hervorgehobene Schaltfläche „Akzeptieren und Fortfahren“.

Wer die Gesichtserkennung nicht verwenden will, muss die ausgegraute Option „Dateneinstellungen verwalten“ nutzen, um danach die Funktion ausdrücklich abzuwählen.

In den USA ist die Funktion schon seit längerer Zeit aktiv. Auch dort gibt es durchaus kritische Stimmen bis hin zur Zulassung einer Sammelklage von Mitgliedern, die sich durch die Funktion in ihren Freiheitsrechten beschränkt sehen.

Stephan Lamprecht