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5. Mai 2017 - Targeted Advertising

Facebook – Gefühlsanalyse für Werbezwecke?

Einem Zeitungsbericht zufolge soll Facebook die Gefühlslagen von Teenagern und Schülern in Echtzeit analysieren, um diese Informationen an Kunden für zielgruppenorientierte Werbung weiterzugeben. Das Unternehmen hat dementiert.

Facebook - Gefühlsanalyse bei Jugendlichen Einem Zeitungsbericht zufolge hat Facebook Gefühlsanalysen von Heranwachsenden erstellt, um sie für die zielgruppenspezifische Werbung zu nutzen. (Bild: g-stockstudio / iStock / Thinkstock)

Wie die Zeitung The Australian (bezahlter Inhalt) berichtet, sollen Facebook-Manager bei ihrer Präsentation für einen potenziellen großen Anzeigenkunden ausgeführt haben, spezielle Informationen zu mehr als

  • 1,9 Millionen Schülern,
  • 1,5 Millionen Studenten und
  • 3 Millionen jungen Angestellten

aus Australien und Neuseeland zu besitzen.

Stimmungsbewertung für zielgerichtetes Marketing?

Zudem sei man in der Lage, die aktuelle Stimmung – etwa gestresst, nervös oder optimistisch – dieser Nutzer annähernd in Echtzeit festzustellen.

Diese Informationen kann Facebook, so die Zeitung, für zielgerichtete Werbung bereitstellen.

Laut The Guardian waren von Facebook keine Antworten auf die Frage zu erhalten, ob das Unternehmen ähnliche Untersuchungen auch in anderen Ländern durchführe.

Halbherzige Stellungnahme von Facebook

Facebook hat auf diesen Zeitungsbericht mit einer kurzen Meldung reagiert.Der Social-Media-Riese biete keine Tools an, um Werbezielgruppen aufgrund des emotionalen Zustands von Menschen zu definieren.

Die in Australien durchgeführte Analyse diene den Werbekunden. Sie sollten dadurch besser verstehen können, wie sich Menschen auf Facebook ausdrücken.

Die Ergebnisse der Analyse seien nie für die Definition von Werbezielgruppen eingesetzt worden.Die gewonnenen Daten, so Facebook, wären anonymisiert verdichtet worden.

Das Unternehmen gibt zu, dass die australischen Untersuchungen nicht den Untersuchungsrichtlinien des Unternehmens entsprechen.Facebook wird die Aktion, laut der Stellungnahme, prüfen.

Lange schon Targeting bei Facebook

Bereits jetzt setzt Facebook im Werbebereich Systeme ein, die seine Nutzer in feine Kategorien einteilen.

Das Angebot der Acxiom Corporation, welches das soziale Netzwerk nutzt, sieht etwa für die USA 70 solcher Kategorien vor. Der Mechanismus berücksichtigt unter anderem folgende Kriterien:

  • Alter
  • Familienstand
  • Ausbildung
  • Einkommen
  • Wohnsituation
  • Hobbys
  • Medienverhalten

Beispielsweise werden 3,8 % der US-amerikanischen Haushalte den „Apple Pie Families“ zugeordnet, die

  • gut ausgebildet sind,
  • häufig Doppelverdiener mit Kindern sind,
  • ein Haus besitzen,
  • oft einen Minivan fahren,
  • Radio hören,
  • Shoppen gehen und
  • Wert auf Vorsorge legen.

„Verbraucherkategorien“ auch in Deutschland

Für Deutschland hat Facebook verwandte Kategorien entwickelt. Sie basieren ebenfalls auf der Lebenssituation.

Solche Kategorien heißen beispielsweise „Alleinerziehend & kleines Budget“, „Lebensabend & genügsam“ oder „Midlife plus & Genuss“.

Die Zielgruppen lassen Annahmen über die Interessen und das Kaufverhalten zu, selbst wenn die genauen personenbezogenen Daten gar nicht bekannt sind.

Warnung vor Massendatenverarbeitung

Marit Hansen, Leiterin des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein, äußert sich dazu: „Das eigentliche Problem liegt nicht in der Werbung: Wann immer psychologische Profile und die Höhen und Tiefen im Leben ausgewertet werden, wird es gruselig“, so Hansen.

„Keiner weiß, was mit diesen ausgewerteten Informationen geschieht und welche Entscheidungen heute oder künftig auf Basis dieser Analysen gefällt werden – ob im Werbebereich, am Arbeitsplatz oder beim Vorhersagen von politischen Meinungen. Die Nutzerinnen und Nutzer von sozialen Medien dürfen nicht zu Versuchskaninchen in einem riesigen Experiment werden.“

fgo

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