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10. Mai 2019 - FTC verhängt Geldstrafe

Facebook erhält Milliardenstrafe

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Das soziale Netzwerk rechnet wegen seiner Praxis der Datenweitergabe mit einer Strafe im Milliardenbereich. Als weitere Konsequenz soll der Datenschutz verstärkt werden.

Neue Bußgeldzumessung der Datenschutz Aufsichtsbehörden (Bild: Garsya / iStock / Getty Images) Mögliche Milliardenstrafe für Facebook (Bild: Garsya / iStock / Getty Images)

Wegen des sogenannten „Cambridge-Analytica-Skandals“ rechnet Facebook mit einer Strafe in Milliardenhöhe, die ohne Zweifel in der Presse den Zusatz „Rekordstrafe“ erhalten wird.

Federal Trade Commission sieht Auflagen verletzt

Bei „Cambridge Analytica“ handelt es sich um eine britische Datenfirma, die illegal und ohne Zustimmung der Nutzer auf die Daten von Millionen Facebook-Mitgliedern zurückgegriffen hat. Bekannt wurde der Vorfall im März des vergangenen Jahres.

Und er wird offenbar ein Nachspiel haben. Denn die Federal Trade Commission (FTC) prüft, ob Facebook damit gegen die im Jahr 2011 von der Behörde verhängten Auflagen verstoßen hat. Nach diesen verpflichtete sich Facebook, personenbezogene Daten nur mit Zustimmung des Nutzers zu sammeln und weiterzugeben.

Das Unternehmen geht offenbar selbst von entsprechenden Konsequenzen aus. Es teilt gegenüber Investoren in einem Finanzbericht mit, mit einer Strafe in Höhe zwischen 3 und 5 Milliarden Dollar zu rechnen.

In Relation zum Umsatz des Netzwerks wäre die Strafe dennoch vergleichsweise moderat. Im vergangenen Jahr erzielt Facebook 55 Mrd. Dollar Umsatz. Damit betrüge die Strafe also zwischen 5 und 10 Prozent. Für das Unternehmen spürbar, aber sicherlich nicht empfindlich.

„Datenschutz-Oberaufseher“ möglich

Wie verschiedene US-Medien berichteten, soll Facebook außerdem bereits zugestimmt haben, ein Gremium zu schaffen, das sich um die Einhaltung des Datenschutzes kümmert. Darin könnten unter anderem Mitglieder des Facebook-Verwaltungsrats Platz finden.

Die Bundesbehörde und das zu schaffende Gremium sollen demnach auch die Position eines obersten Datenschützers schaffen. Dieser soll über die Einhaltung der Regeln und Auflagen wachen.

Besetzt werden soll die Stellung von einem Mitglied des Top-Managements, um mit einer entsprechenden Autorität im Unternehmen ausgestattet zu sein.

Privatsphäre soll gestärkt werden

Auf der eigenen Entwicklermesse F8 hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg angekündigt, den Gedanken der Privatsphäre stärken zu wollen.

Nachdem Apple bereits seit geraumer Zeit betont, die Daten seiner Kunden nicht zu verkaufen und den Datenschutz zu respektieren, scheint das einen Nerv bei den Konsumenten getroffen zu haben.

Anders sind die jüngsten Ankündigungen von Google (automatisches Löschen von Daten) und Microsoft (mehr Transparenz bei Datenübertragungen) kaum zu erklären. Hier kann es sich Facebook schlicht nicht leisten, hinter andere Konzerne zurückzufallen.

Nach Aussage von Zuckerberg sollen sechs Prinzipien die weitere Entwicklung von Facebook leiten. Das sind:

  • die Privatheit der Interaktionen,
  • Verschlüsselung,
  • Sicherheit,
  • sichere Datenspeicher,
  • eine kürzere Datenhaltung und
  • die Interoperabilität der Daten, damit die Nutzer leichter zwischen Diensten umziehen können.

Wie das aber alles konkret aussehen soll, ließ der Facebook-Chef offen.

Stephan Lamprecht