28. März 2012 - Anonymisierungsdienste

EU-Kommission sperrt TOR aus

Seit Februar sperrt die EU-Kommission wissentlich Nutzer von TOR und anderen Anonymisierungsdiensten von ihrem Internetportal aus, berichtet Patrick Breyer vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung. Breyer hat Beschwerde beim Europäischen Datenschutzbeauftragten eingereicht.

eu-kommission-sperrt-tor-aus.jpeg
Die EU-Kommission sperrt Anonymisierungsdienste wie TOR aus Sicherheitsgründen aus (Foto: TOR, CC3)

Anonymisierungsdienste wie zum Beispiel TOR (The Onion Router) sind wichtige Hilfsmittel für Menschen in Unterdrückungsstaaten, aber auch für Journalisten, politische Aktivisten, Menschenrechtsorganisationen und ganz normale Bürger.

Die Dienste erlauben auch die Nutzung von unverschlüsselten WLAN-Internetverbindungen, ohne dass persönliche Daten wie zum Beispiel Passwörter mitgelesenen werden können.

Nutzern dieser Dienste wird neuerdings die unzutreffende Fehlermeldung „Server overloaded“ (Rechner überlastet) angezeigt, wenn sie das Internetportal der EU-Kommission und damit Zugang zu EU-Recht und anderen wichtigen Informationen suchen.

Schutz vor Cyberangriffen

Ein „Information Security Officer“ der EU-Kommission erklärt das Vorgehen damit, dass Anonymisierungsdienste ausgeschlossen werden müssten, weil „Cyberangriffe typischerweise das TOR-Netzwerk nutzen“, berichtet Patrick Breyer vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung auf seiner Webseite.

„Während die EU-Kommission die Sperrung des von mir genutzten Anonymisierungsdienstes aufgehoben hat und auch weitere von mir getestete Anonymisierungsdienste nutzbar sind, ist das TOR-Netzwerk weiterhin gesperrt. Ich habe nun eine Beschwerde an den Europäischen Datenschutzbeauftragten gerichtet“, so Breyer weiter.

Vorgehensweise nutzlos

Breyer hält die Vorgehensweise für unnötig und verweist auf eine Stellungnahme des IT-Sicherheitsbeauftragten des Bundeskriminalamts.

Darin heißt es: „Heutzutage spielen Anonymisierungsdienste für die Ausführung von DoS- bzw. DDoS-Angriffen keine Rolle mehr. Das Zentrum für Informationsverarbeitung und Informationstechnik (ZIVIT) hat deshalb in Absprache mit dem BKA die ‚Blacklist‘ deaktiviert und mitgeteilt, dass der Hersteller des Proxy-Servers in der nächsten Software-Version von einer vorkonfigurierten Blacklist gänzlich absehen werde.“

Mehr zum Thema Anonymisierungsdienste

Das BKA hatte im vergangenen Jahr ebenfalls zeitweise den Zugang für VPN-Dienste gesperrt. Auf Nachfrage wurde die Sperre kurze Zeit später wieder entfernt.

28.03.2012 (AK Vorrat/BM)

Sie glauben, Sie hätten noch so viel Zeit? Falsch! Es gibt mehr zu tun, als Sie vielleicht denken! ▶ Zeit zu handeln