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9. Oktober 2019 - Datenschutzrichtlinien

Eine KI bewertet das Datenschutzniveau

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Nutzer lesen Datenschutzerklärungen viel zu selten und zu ungenau. Das ist das große Dilemma der oft seitenlangen Dokumente. Jetzt will eine KI bei der Einschätzung des Datenschutzniveaus unterstützen.

Künstliche Intelligenz bewertet Datenschutzerklärungen Da Nutzer Datenschutzerklärungen aufgrund ihrer Komplexität zu wenig Beachtung schenken, will eine KI diese jetzt für die Nutzer bewerten (Bild: PhonlamaiPhoto / iStock / Getty Images Plus)

Noch sind die von dem neuen Angebot Guard untersuchten Online-Dienste und Programm übersichtlich. Der Service gibt eine Einschätzung zu den von Unternehmen veröffentlichten Datenschutz- und Nutzungsbedingungen.

Dabei bewertet die künstliche Intelligenz (KI) nicht nur die Erklärungen selbst. Zusätzlich zieht der Dienst weitere Informationsquellen heran, um eine optimale Bewertung zu ermöglichen.

Das Ziel des Angebots ist es, das Datenschutzniveau verschiedener Anbieter schnell und unkompliziert zu bewerten. Der Service lebt aber von der aktiven Nutzerbeteiligung.

Wer die Homepage besucht, kann weitere Angebote vorschlagen, die die selbsternannte Datenschutz-KI überprüfen soll. Außerdem können Nutzer Textschnipsel aus Datenschutzerklärungen bewerten. So soll die KI von echten Menschen lernen.

Bewertung nach Schulnotensystem

Um dem Anwender, die Entscheidung zu erleichtern, wem er seine persönlichen Daten anvertrauen will, nutzt Guard das amerikanische Schulnotensystem. Besonders datenschutzfreundliche Angeboten erhalten somit ein “A+”, ungenügende Optionen ein “F”.

Die Bewertung kommt tatsächlich von einer künstlichen Intelligenz, die öffentlich zugänglichen Datenschutzerklärungen der Firmen untersucht.

Zusätzlich werden auch Nachrichtenquellen für die Bewertung mit herangezogen. Hier werden öffentlich bekannt gewordene Datenschutzlücken und erfolgreiche Cyberattacken berücksichtigt.

Detailreiche Bewertung

Zu jedem der untersuchten Dienste  gibt es eine Detailseite, auf der die Nutzer weitere Erläuterungen abrufen können. So werden zum Beispiel Sicherheitslücken aufgelistet, oder die „schlimmsten“ Formulierungen in der Datenschutzerklärung aufgelistet.

Diese Dienste (Auswahl) wurden bereits bewertet:

  • WhatsApp
  • LinkedIn
  • Telegram
  • Netflix
  • Twitter
  • Aliexpress

Allgemeinverständliche Erläuterungen

Der Vorteil des Ansatzes liegt sicherlich in der klaren Sprache, die eventuelle Risiken bei der Nutzung des Angebots benennt. Aussagen wie: “Daten werden unbegrenzt gespeichert” oder “Ihr Daten könnten verkauft werden” verstehen auch Laien.

Für die erste Bewertung eines Anbieters nutzt das KI-System die sprachliche Analyse. Die detaillierten Werte stehen Nutzern auf der Detailseite zum Dienst zur Verfügung.

Hier bemüht sich Guard um die höchstmögliche Transparenz, auch was die eigene Bewertung betrifft. So liegt es nahe, dass ein Dienst, der in seinen Nutzungsbedienungen in keinem Wort erwähnt, besorgt über die Privatsphäre seiner Nutzer zu sein, keine gute Bewertung erhalten kann.

Hinweise zur Löschung von Benutzerkonten

Die Einbeziehung von Meldungen über Datenskandale ist durchaus sinnvoll. Denn zwischen einer guten Absicht und der Realität kann es starke Abweichungen geben. Auch die Zahl entsprechender Meldungen fließt in die Bewertung ein.

Letztlich bleibt es natürlich dem Nutzer überlassen, ob er sich für einen Anbieter entschließt. Sofern die Website ihn zum Umdenken bewegt, findet er Erläuterungen, wie sich die App oder das Benutzerkonto wieder löschen lassen.

Stephan Lamprecht