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19. September 2019 - Datenschutz allgemein

E-Scooter – wo bleibt der Datenschutz?

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Die elektrisch betriebenen Roller für Erwachsene beherrschen gerade die Schlagzeilen. Die Mietfahrzeuge halten in vielen Großstädten Einzug in das Stadtbild. Der Datenschutz scheint bei der Nutzung keine Rolle zu spielen.

E-Scooter: Der neueste Trend auf den Straßen - doch wie steht es um den Datenschutz? (Bild: KlausvonKassel / iStock / Getty Images Plus)

Aktuell wird die elektrisch betriebene Variante des klassischen Tretrollers heiß diskutiert. Wird das Verkehrsmittel zu einer Wende in der innerstädtischen Mobilität führen? Das sei an dieser Stelle einmal dahingestellt.

Fakt ist: Immer mehr Anbieter drängen auf den Markt, denn die Benutzung ist einfach.  Per App buchen Nutzer einen freien Roller und bezahlen auf demselben Weg direkt für die Nutzung. Am Ende der Fahrt können die Scooter-Fahrer das Fahrzeug einfach abstellen.

Dabei erwachsen auch Gefahren für den Datenschutz. Darauf weist der Hamburgische Beauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Johannes Caspar, in einer Presseerklärung hin.

Nutzer verlieren Teil der Privatsphäre

Der Datenschützer erinnert zunächst daran, dass die Bewegungsfreiheit elementarer Bestandteil unserer Privatsphäre ist.

Es ist wichtig, sich im öffentlichen Raum fortbewegen zu können, ohne verfolgt zu werden. Doch auf diesen Teil der Privatsphäre verzichten Nutzer der neuen Mobilitätsdienste.

Dauerhafte Ortung: Alltag im Escooterbusiness

Nur den wenigsten Anwendern ist wohl bewusst, dass die Anbieter jeden zurückgelegten Meter aufzeichnen. Diese Daten können ohne großen Aufwand zu Bewegungsprofilen zusammengefügt werden.

Die Ortung der Roller ist ein fester Bestandteil im Geschäftsmodell der Anbieter. Sie müssen die abgestellten Geräte wiederfinden und einsammeln. Dann stellen sie die Roller an zentralen Punkten erneut auf.

Stecken wirtschaftliche Interessen dahinter?

Wie der Datenschutzbeauftragte bemerkt, verzichten vergleichbare Carsharing-Anbieter in der Regel auf die Aufzeichnung der Wegstrecken.

Mit Ausnahme wirtschaftlicher Interessen sieht der Datenschützer keine Gründe für die Protokollierung der per E-Scooter zurückgelegten Wege.

Zu den Daten, die Verleiher für gewöhnlich erheben zählen zum Beispiel

  • Kontaktdaten,
  • Kontodaten,
  • Daten über die Nutzung des Internetangebots
  • sowie Standortdaten.

Diese umfassen neben Ausleih- und Abstellort des E-Scooters auch den gesamten Fahrverlauf.

Fahrtverläufe von großem Interesse

Die von den Anbietern erhobenen Daten sind für Dienstleister und Partner der Unternehmen von großem Interesse.

Selbst öffentliche Stellen könnten an den Informationen interessiert sein. Die Daten wären etwa für die Verkehrsplanung von Nutzen.

Für den Handel und die Werbewirtschaft sind die Bewegungsprofile im Rahmen von Kunden- und Verhaltensanalysen eine lohnenswerte Datenquelle. Sie lassen sich auch für ortsbezogene Werbung einsetzen.

Hamburgischer Datenschützer warnt

Deshalb mahnt Johannes Caspar, Hamburgischer Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit:

„Besondere Vorsicht ist geboten, wenn E-Scooter-Verleiher die Weitergabe von Nutzerdaten an nicht näher eingegrenzte dritte Stellen, ohne klare Zweckbestimmung und nur überaus vage in ihren Datenschutzbestimmungen beschreiben. Insbesondere wenn Daten erhoben werden, ohne dass dies zur Durchführung des Vertrages erforderlich ist, sollten Nutzer die Datenschutzbestimmungen der Anbieter kritisch durchsehen.“

Stephan Lamprecht