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28. Juni 2018 - Schwachstellen Informationspflichten, Datenminimierung

E-Mail-Marketing & DSGVO: Viele Unternehmen handeln fahrlässig

Kunden per E-Mail-Newsletter anzusprechen, ist für viele Unternehmen ein zentraler Baustein im Marketingmix. Eine aktuelle Untersuchung zeigt aber viele Schwächen, wenn es darum geht, die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) umzusetzen.

Im E-Mail-Marketing gibt es viele Schwachstellen beim Datenschutz Viele Anforderungen der DSGVO sind im E-Mail-Marketing derzeit noch nicht umgesetzt (Bild: Peshkova / iStock / Thinkstock)

Rechtskonformes E-Mail-Marketing stellt für viele Händler offensichtlich eine große Hürde dar.

Das ergab eine Studie des Unternehmens Absolit, die das E-Mail-Marketing von 449 Händlern aus neun Branchen untersucht hat. Bis zu 125 Kriterien sind in das Ergebnis eingeflossen.

Möglicherweise teure Nachlässigkeit

Derzeit herrscht unter Juristen noch keine Einigkeit darüber, ob sich Verstöße gegen das Datenschutzrecht unter Berücksichtigung des Wettbewerbsrechts kostenpflichtig abmahnen lassen.

Doch auch wenn Abmahnungen nicht möglich sein sollten, haben Datenschutz-Behörden mit der Datenschutz-Grundverordnung genug Hebel, um gegen Verstöße vorzugehen.

Und dabei muss es nicht bei einer Ermahnung bleiben. Denn die DSGVO sieht empfindliche Geldbußen vor.

Nur wenige Händler verhalten sich einwandfrei

Gerade einmal vier der fast 450 untersuchten Unternehmen erreichten beim Datenschutz die volle Punktzahl. Und ein Viertel schaffte nicht einmal die Hälfte der erreichbaren Punkte.

  • Am häufigsten  beanstandeten die Studienergebnisse eine mangelnde Kennzeichnung. Deutlich weniger als die Hälfte der verschickten Einwilligungs-Nachrichten und Willkommens-Mails bot das notwendige Impressum, das den Verantwortlichen der Aussendung benennt.
  • Ein Aspekt fiel besonders auf: Wer sich für Newsletter anmelden möchte, muss oft deutlich mehr als die erforderlichen Daten angeben. Ohne diese Daten lassen sich die Formulare meist nicht absenden. Aus Sicht einer Marketing-Abteilung sind diese Informationen natürlich wünschenswert. Um einen Newsletter zu versenden, ist aber eine E-Mail-Adresse ausreichend.
  • Mit 17 Prozent informieren ähnlich viele Unternehmen den Kunden nicht oder nur unzureichend darüber, ob und welche Daten es von ihm erhebt und verarbeitet. Auch diese mangelnde Sorgfalt in Bezug auf die Informationspflichten der DSGVO ist kritisch.

Händler befinden sich zumindest in einer rechtlichen Grauzone

Das schlechte Abschneiden der Händler ist eher überraschend.

Denn gerade in Hinblick auf Handel und Online-Marketing haben während der zweijährigen Umsetzungsphase der DSGVO nicht nur Branchenmedien ausführlich über die Änderungen und strengeren Vorgaben informiert. Doch hat das offensichtlich nicht ausgereicht.

So kritisiert Studienautor Dr. Torsten Schwarz: „Viele Händler befinden sich rechtlich auf dünnem Eis und sind sich der Tragweite der neuen Datenschutz-Grundverordnung anscheinend nicht bewusst“.

Die ausführliche Studie bietet Absolit zum Preis von 489 Euro an. Eine Kurzversion lässt sich kostenlos herunterladen.

Stephan Lamprecht