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5. Dezember 2019 - DSGVO in der Umsetzung

Wie datenschutzkonform sind Amazon, Zalando, Facebook & CO?

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Im Auftrag des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz haben Wissenschaftler der Universität Göttingen 35 Onlinedienste unter die Lupe genommen. Das Ergebnis der Studie zur Umsetzung der DSGVO war aus Sicht des Datenschutzes jedoch eher ernüchternd.

DSGVO in der Umsetzung Uni Göttingen veröffentlicht Studie zur Umsetzung der DSGVO (Bild: gabort71/ iStock / Getty Images)

Unter den untersuchten Online-Angeboten waren bekannte Online-Shops wie Amazon und Zalando, soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und YouTube, Messenger (WhatsApp und Signal), Suchmaschinen, Bewertungsportale, Nachrichtenangebote, E-Mail-Anbieter und Webseiten von großen Unternehmen.

Mit dem Resultat, kein einziger der untersuchten Dienste war in der Umsetzung konform zu den Vorschriften der DSGVO. Allerdings fielen die Mängel unterschiedlich stark aus.

Eklatante Mängel beim Datenschutz von Minderjährigen

Die Untersuchung wurde im Zeitraum zwischen Juli und September 2019 durchgeführt.

In den Ergebnissen zeigten sich hier besondere Mängel in Hinblick auf den Datenschutz von Minderjährigen. Die Dienste weisen zwar in ihren Nutzungsbedingungen auf ein Mindestalter hin, eine Verifikation der Angaben der Nutzer folgt aber an keiner Stelle.

Wenig Transparenz bei Datenweitergabe

Wie sieht es mit  der Weitergabe von Nutzerdaten an Dritte aus? In der Studie heißt es dazu: „Datenverarbeitung zu Zwecken der personalisierten Werbung stellt das größte Problemfeld dar. Hier fehlt es an Transparenz und die meist herangezogene Rechtsgrundlage von Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO ist nur teilweise tragfähig. Die Voreinstellungen sind wenig nutzerfreundlich auf Opt-Out ausgerichtet.“

So setzt der größte Teil der untersuchten Seiten Plugins zu Social-Media-Diensten ein. Teilweise aber ohne die Nutzer überhaupt darüber zu informieren, teilweise ohne Hinweise auf die Weitergabe von Nutzerdaten.

Als Fazit sehen die Autoren durchaus Unterschiede in Hinblick auf die Umsetzung der DSGVO. So sind die Defizite bei Messengern und sozialen Netzwerken am größten. Besser haben Seiten von Medien, Wirtschaftsunternehmen und Online-Shops abgeschnitten.

Es wird betont, dass die Erhebung nur eine Momentaufnahme darstellt. Der Prozess der Umsetzung sei noch in vollem Gange, dennoch wird ein deutlicher Handlungsbedarf attestiert.

Untersuchung liefert auch Best Practise

Die Studie liefert zu jedem untersuchten Dienst ein kurzes Porträt sowie die Analyse zur Einhaltung des Datenschutzes. Die Autoren zeigen auch gelungene Beispiele für die Umsetzung verschiedener Aspekte der DSGVO.

So werden beispielsweise die Datenschutzerklärungen von Zalando und eBay-Kleinanzeigen hervorgehoben. Spiegel Online nutzt einen erwähnenswert verbraucherfreundlichen Registrierungsprozess.

Sie können sich die über 250 Seiten starke Studie kostenlos als PDF herunterladen.

Stephan Lamprecht