Gratis
22. Februar 2018 - Datenschutzaufsicht

DSGVO: Aufsichtsbehörden fürchten Überforderung

Drucken

Die Umsetzung der DSGVO geht in Unternehmen auf die Zielgerade. Viel Zeit bleibt bis zum Mai nicht mehr. Doch nicht nur Unternehmen sehen in der europäischen Datenschutz-Grundverordnung eine Belastungsprobe. Auch die Aufsichtsbehörden befürchten einen Kraftakt.

DSGVO bedeutet auch große Belastung für Datenschutzaufsicht Die DSGVO bedeutet auch ein große Belastung für die Datenschutzaufsicht (Bild: iStock-com / aydinynr)

Die Harmonisierung des Datenschutzes in Europa bringt nicht nur für Unternehmen und Behörden mehr Arbeit mit sich. Auch die Aufsichtsbehörden selbst sind davon betroffen. Schließlich wenden sich verantwortliche Stellen mit ihren Fragen hinsichtlich der Umsetzung der DSGVO immer öfter an die Behörden.

Mehraufwand auch nach Stichtag im Mai

In einem Interview mit der Zeitung „Handelsblatt” bezeichnete die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff die starke Beratungsnachfrage von Behörden und Unternehmen schon jetzt als herausfordernd.

Und der höhere Aufwand wird aller Voraussicht nach auch über den 25. Mai 2018 hinausgehen. Für Marit Hansen, Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, ist das deutlich steigende Aufkommen an Beschwerden, Beratungsersuchen und Gerichtsprozessen eine große Unbekannte.

So wird auch die engere Zusammenarbeit mit anderen europäischen Datenschutzbehörden mehr zum Alltag der deutschen Datenschützer gehören. Mit allen Komplikationen, die das mit sich bringen kann, etwa der rechtssicheren Korrespondenz in allen Amtssprachen.

Hansen befürchtet gar, dass die Aufsichtsbehörden möglicherweise nach kürzester Zeit Alarm schlagen müssen, weil ihre Ausstattung nicht ausreicht und im Haushalt des jeweiligen Landes nachgelegt werden müsste.

Es fehlt Personal und die Übung

Auch in einem weiteren Punkt bilden die Aufsichtsbehörden keine Ausnahme gegenüber den betroffenen Unternehmen. Denn selbst wenn die Landesregierungen weitere Finanzmittel bereitstellen, stehen die Behörden vor dem gleichen Problem wie die Firmen.

Mitarbeiter mit nachgewiesener Expertise in Sachen Datenschutz sind auf dem Arbeitsmarkt rar. Ein Gutachten im Auftrag des Hamburger Datenschützers Johannes Caspar hat einen künftigen Mehrbedarf von über 20 Stellen für eine durchschnittliche Landesbehörde ausgewiesen. Mehr als so manches Amt derzeit überhaupt beschäftigt.

Und selbst die beste Vorbereitung auf die neuen Vorschriften können eines nicht ersetzen: die tägliche Praxis im Umgang mit den neuen Regelungen und Abläufen im Arbeitsalltag.

Stephan Lamprecht