11. November 2015 - Das erwarten die Bürgerinnen und Bürger

Diebstahl von Regierungsdaten durch andere Länder

Strafverfolgung, Terrorabwehr, Wirtschaftsspionage – immer häufiger sind Hacker im Auftrag von Regierungen unterwegs, um fremde Länder auszuspionieren. Wie aber sollte die Politik reagieren, wenn ein fremder Staat unrechtmäßig auf Datenbestände der öffentlichen Hand zugreift?

Wie sollen Regierungen auf Diebstahl ihrer Daten reagieren? Die gewünschten Reaktionen von Deutschen und US-Amerikanern auf einen Datendiebstahl durch ein fremdes Land unterscheiden sich in einigen Punkten deutlich (Bild: PromesaArtStudio / iStock / Thinkstock))

Der Frage nach angemessenen Reaktionen auf den Diebstahl von Regierungsdaten ging Wakefield Research im Auftrag der Datensicherheitsspezialisten von Vormetric auf den Grund und bat hierzu Menschen in Deutschland und den USA um eine Antwort. In beiden Ländern wurden jeweils mehr als 1.000 Erwachsene ab 18 Jahren befragt (Deutschland: 1.096 Befragte im Zeitraum vom 9. bis 15. Oktober 2015; USA: 1.026, 10. bis 16. Juli 2015).

„Datendiebstähle durch Cyberkriminelle vor dem Hintergrund, sich finanziell zu bereichern, ist nur eine Seite der Medaille“, so Louise Bulman von Vormetric. „Auf der anderen Seite findet sich das Ausspähen von Regierungsintima und sensitiven Wirtschaftsinformationen, was nicht weniger kriminell ist. Und die Umfrageergebnisse belegen, dass die Mehrheit der bundesdeutschen Bevölkerung hier erwartet, dass dies politische Konsequenzen nach sich zieht.“

Gewünscht: Kanzlerinnen-Veto

Bei identischen Fragestellungen unterschieden sich die Prioritäten der Bewohner der beiden Länder vor allem in einem Punkt deutlich:

  • In Deutschland waren knapp zwei Drittel (64 Prozent) der Umfrageteilnehmer der Meinung, dass die Kanzlerin initiativ Gespräche mit den Verantwortlichen des betreffenden Staats einleiten solle, um solche Verstöße gegen den Datenschutz künftig zu vermeiden.
  • In den USA sahen dagegen nur 45 Prozent den US-Präsidenten in der Pflicht. Vielmehr war ein Viertel der US-Amerikaner (25 Prozent) der Meinung, man solle alle Beziehungen zum betreffenden Land ohne Gesprächsrunden abbrechen. Nur jeder achte Deutsche (12 Prozent) teilte diese Meinung.

US-Bürger bevorzugen Handelssanktionen

Handelssanktionen stuften dagegen 36 Prozent der befragten US-Amerikaner als sinnvolle Maßnahme nach einem Diebstahl von staatlichen Daten ein, während in Deutschland lediglich 22 Prozent dieser Vorgehensweise zustimmten. Deutlich mehr Deutsche (35 Prozent) zeigten sich dagegen davon überzeugt, dass Sanktionen gegenüber den diplomatischen Vertretern des anderen Landes wirkungsvoll seien. Diese Meinung teilten auch 31 Prozent der US-Bürger.

Zudem zeigten sich die Menschen in den USA eher bereit, Gleiches mit Gleichem zu vergelten: Immerhin jeder Zehnte stimmte der Vorgehensweise zu, die IT-Infrastruktur der fremden Regierung ebenfalls anzugreifen, um sich adäquate Daten zu verschaffen. Diese Meinung teilte nur jeder 20. Deutsche.

Keinerlei Handlungsbedarf im Falle eines Diebstahls von Regierungsdaten sahen immerhin 7 Prozent der in Deutschland Befragten. Dieser Wert unterscheidet sich von dem in den USA ermittelten (8 Prozent) nur marginal.

Die Ergebnisse im Überblick

Fragen (Mehrfachnennungen waren möglich) Deutschland USA
Der oberste Regierungsvertreter sollte initiativ das Gespräch mit den Verantwortlichen des anderen Landes suchen, um künftige Datendiebstähle zu unterbinden. 64 % 45 %
Es sollten diplomatische Sanktionen gegen die im eigenen Land befindlichen Vertreter des verursachendes Landes verhängt werden. 35 % 31 %
Es sollten Handelssanktionen für die Waren des Verursacherlandes angeordnet werden. 22 % 36 %
Man sollte alle Beziehungen zu dem Land abbrechen, das den Datendiebstahl begangen hat. 12 % 25 %
Im Gegenzug sollte man die IT-Infrastruktur des verursachenden Landes angreifen, um sich ähnliche Daten zu verschaffen. 5 % 10 %
Es ist keine Reaktion nötig. 7 % 8 %

fgo

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