30. April 2014 - Vorratsdatenspeicherung

Der gläserne Baltasar

Der Schweizer Politiker Balthasar Glättli hat seine Daten zu Mobilfunkverbindungen aus einem Zeitraum von sechs Monaten für eine Auswertung zur Verfügung gestellt.

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Die Vorratsdatenspeicherung lässt ein detailliertes Bewegungsbild zu (Bildquelle: OpenDataCity).

Welche Rückschlüsse sind eigentlich möglich, wenn die Daten zu Kommunikationsverbindungen aus einem längeren Zeitraum miteinander verknüpft werden? Dies lässt sich anhand eines Praxisbeispiels nun gut nachvollziehen. Denn der Schweizer Nationalratsabgeordnete Balthasar Glättli hat OpenDataCity einen Teil seiner Vorratsdaten aus sechs Monaten für eine Visualisierung zur Verfügung gestellt.

Anhand der bereitgestellten Informationen wurden von OpenDataCity interaktive Grafiken erstellt, die die Kommunikationsdaten miteinander in Verbindungen setzen. So lässt sich unter anderem nachvollziehen, mit wem Glättli wann  telefoniert hat und wo er sich wann befand. Im Ergebnis bringt die Auswertung einen umfangreichen Reise- und Terminkalender sowie eine Liste der persönlichen und beruflichen Kontakte.

In einen Zeitraum von 179 Tagen wurden über das Mobiltelefon insgesamt 7.112 Datenbankeinträge erfasst. Dies waren 2.610 Einträge für Internetverbindungen, 3.085 SMS/MMS und 1.417 Einträge für Telefonate. Auch E-Mail-Metadaten wurden im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung erfasst. So hat Glättli in den sechs Monaten 14.638 E-Mails empfangen und 1.654 an etwa 600 Personen versendet.

Die Vorratsdatenspeicherung stelle laut Glättli einen schweren und unverhältnismäßigen Eingriff in die Grundrechte und in die persönliche Freiheit der Menschen dar. Ihre Wirksamkeit sei zudem nicht nachgewiesen. In Deutschland, das im Gegensatz zur Schweiz bislang keine Vorratsdatenspeicherung eingeführt habe, seien die Aufklärungsquoten höher als in der Schweiz.

(30.04.2014/fgo)

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