Gratis
15. März 2018 - Betroffenenrechte umsetzen

Datenschutzerklärungen: One-Pager nur bedingt wirksam

Drucken

Die Nutzer einer Website sind über die Datenschutz-Bestimmungen in klarer und einfacher Sprache zu informieren. Eine aktuelle Studie wirft die Frage auf, ob dafür das reine Anzeigen der Datenschutz-Bestimmungen tatsächlich ausreicht.

One Pager als Datenschutzerklärung sind auch nicht die beste Lösung Setzt ein Webseiten-Anbieter Cookies? Solche Fragen muss eine Datenschutzerklärung leicht verständlich beantworten (Bild: NeroDesgin / iStock / Thinkstock)

Damit sie wirksam in die Verwendung ihrer Daten auf einer Website einwilligen können, müssen Nutzer verstehen, wie und warum ein Unternehmen die Informationen verarbeiten will.

Auf Initiative des Bundesjustizministeriums zum Nationalen IT-Gipfel wurde daher 2015 gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft das Konzept für den One-Pager entwickelt.

Ziel ist es, die Verbraucher besser über Datenschutz-Bedingungen zu informieren. Dazu werden diese systematisiert auf einer Seite, dem One-Pager, zusammengefasst.

Mehrere Unternehmen wie die Deutsche Telekom und Zalando haben das Konzept bereits umgesetzt.

Untersuchung zur Wirksamkeit der One-Pager

Das Unternehmen ConPolicy legt jetzt dazu eine Studie vor. Sie wurde durch das Bundesjustizministerium und die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung gefördert.

Sie untersucht, wie gut Verbraucher die Datenschutz-Bestimmungen verstehen, wenn sie auf einem One-Pager dargestellt werden.

Für die Ergebnisse der Studie haben die Forscher nicht nur die Nutzer befragt, sondern auch in einem Online-Experiment sowie auf der Website des Online-Versandhändlers Otto untersucht, wie die Nutzer mit One-Pagern umgehen.

Die Zusammenfassungen auf einer DIN-A4-Seite werden demnach zwar vergleichsweise mehr gelesen. Doch die Nutzer fühlten sich nach eigener Aussage dadurch nicht besser informiert.

Auch die Wirksamkeitsforschung zu Zwei-Spalten-Systemen oder Piktogrammen hat bisher gezeigt, dass diese nur eingeschränkt dazu führen, dass Nutzer sich besser informiert fühlen.

Sind Privacy Bots eine Lösung?

Ein Ausweg aus dem Dilemma, dass die Nutzer die Erklärungen zu wenig lesen oder sich zu wenig informiert führen, könnte möglicherweise im Einsatz von Privacy Bots liegen.

Diese kleinen Programme können die Datenschutz-Bestimmungen automatisch auslesen und entsprechend den Voreinstellungen der Nutzer interpretieren und umsetzen.

Im Sommer dieses Jahres soll es zum Beispiel einen ersten Prototypen des Datenschutzscanners geben, der Datenschutzerklärungen maschinell bewertet.

Das Ergebnis der Untersuchung steht im Netz zum Abruf zur Verfügung (PDF).

Stephan Lamprecht