2. März 2016 - Arztpraxen

Datenschutz wird häufig vernachlässigt

Beim Umgang mit den äußerst sensitiven Patientendaten aus medizinischen Behandlungen sollte ein hohes Datenschutzniveau angelegt werden. Viele Arztpraxen handeln in der Praxis aber nicht entsprechend.

Datenschutz in der Arztpraxis Ärzte sollten Patientendaten gut schützen - leider sieht es in der Praxis oft anders aus (Bild: scanrail / iStock / Thinkstock)

Die Stiftung Warentest hatte für einen Artikel der März-Ausgabe der Zeitschrift ‚Test‘ stichprobenartig den Umgang mit Patientendaten in 30 Arztpraxen überprüft und kommt zu dem Fazit: In jeder zweiten der geprüften Praxen hapert es beim Datenschutz.

Um die Privatsphäre von Patienten zu schützen und neugierige Dritte, etwa Versicherungen, Arbeitgeber oder Angehörige, auf Abstand zu halten, unterliegen Mediziner der Schweigepflicht. In der Praxis bewähren sich diese Regeln aber nicht immer. Die Stiftung Warentest nahm zu 30 Hausärzten Kontakt auf: Zehn besuchten die Tester persönlich, zehn riefen sie an und an zehn schrieben sie E-Mails. In der Hälfte der Fälle stießen sie dabei auf Datenlecks.

Sensibles per E-Mail

Via E-Mail fragte Stiftung Warentest mit Erlaubnis der betroffenen Personen bei zehn Hausärzten an, um Patienteninformationen zu erhalten. Dabei wurde für den Test eine E-Mail-Adresse verwendet, die keinerlei Rückschlüsse auf deren Inhaber zulässt, etwa sommer­wind_x@gmx.de.

Nach den E-Mail-Anfragen verschickten vier von zehn Praxen sensible Daten unverschlüsselt per E-Mail, zum Beispiel ein komplettes Laborblatt als Screenshot, eine Liste der verordneten Medikamente oder Blutwerte.

Telefon als Datenleck

Am Telefon gaben acht der zehn überprüften Praxen Anrufern, die sich vorgeblich im Auftrag von Patienten meldeten, freimütig Auskunft – ohne die Berechtigung der Anrufer zu hinterfragen. So wurden beispielsweise Details zu Laborwerten oder verordneten Arzneien mitgeteilt. Nur in zwei Fällen hielten sich die Praxismitarbeiter bedeckt.

Gut zugehört

In drei von zehn besuchten Praxen konnten die Wartenden medizinische Infos über andere Personen, die nicht vor unbeteiligten Dritten besprochen werden dürfen, etwa beim Anstehen an der Anmeldung erfahren. Einmal ging es zum Beispiel um eine Schuppenflechte inklusive Behandlung, einmal um eine Frau, die schnell einen Platz im Pflegeheim brauchte.

fgo

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