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15. Mai 2018 - DSGVO

Sorgt Datenschutz für mehr Umsatz im Handel?

Auch der Einzelhandel arbeitet fieberhaft daran, seine Systeme an die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) anzupassen. Die Verantwortlichen sehen dabei durchaus zahlreiche Chancen in einer Verbesserung des Datenschutzes.

Der Handel verspricht sich auch Vorteile von der Datenschutz-Grundverordnung Der Handel verspricht sich auch Vorteile von der Datenschutz-Grundverordnung (Bild: iStock.com / lucky336)

Für ihre Analyse hat die Strategieberatung Oliver Wyman insgesamt 227 Händler aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien (davon 75 in Deutschland) hinsichtlich ihrer Vorbereitungen auf die DSGVO befragt.

Während Fachmedien aus dem Bereich Online-Marketing eher die negativen Seiten der gewachsenen (Verbraucher-)Rechte zu betonen scheinen, gibt es bei den Händlern durchaus Überraschungen.

Nur ein Bruchteil schafft es rechtzeitig

Nach eigener Einschätzung werden zum Stichtag erst bei 52 Prozent der befragten Unternehmen sämtliche Prozesse vollkommen regelkonform ablaufen. Etwas besser sieht der Anteil in Deutschland aus. Hier sind es immerhin 58 Prozent.

Zwiegespalten ist die Haltung der deutschen Händler gegenüber den neuen Vorschriften. Diese sehen darin sowohl Chancen als auch Risiken. Jener Aussage stimmen fast 70 Prozent der Unternehmen aus Deutschland zu.

Die Befragten sehen klar die von der DSGVO auferlegten neuen Hürden im Umgang mit Kundendaten, da Verbraucher unter Umständen ausdrücklich einer Verarbeitung zustimmen müssen.

Als großes Risiko betrachten knapp zwei Drittel der Befragten in Deutschland das Recht der Kunden, ihre Daten an ein anderes Unternehmen – das auch ein Wettbewerber sein kann – zu übertragen.

DSGVO könnte sich positiv auf den Umsatz auswirken

Interessanterweise glauben lediglich 12 Prozent der deutschen Händler, dass die DSGVO keinerlei positive Auswirkungen auf den Umsatz haben werde.

Die meisten Unternehmen haben bereits Ideen oder sogar Initiativen ergriffen, um die Chancen aus den neuen Regularien zu nutzen.

Denn wenn sich der Kunde dazu bereit erklärt habe, dem Unternehmen seine Daten anzuvertrauen, biete dies die Basis für eine intensivere Geschäftsbeziehung, die von Vertrauen geprägt sei.

Als Chancen werden dabei gesehen:

  • stärkere Personalisierung bereits bestehender Produkte und Services
  • neue Produkt- und Geschäftsfeldentwicklung
  • Entwicklung und Verwaltung von „Datenpässen“ für die Kunden
  • Kunden mit ähnlichen Gewohnheiten „aggregieren“, um beispielsweise Rabatte anzubieten.

Der Handel zeigt sich also durchaus optimistisch, die Datenschutz-Grundverordnung auch zum eigenen Nutzen zu erfüllen.

Stephan Lamprecht