6. Oktober 2016 - DSGVO

Datenschutz-Grundverordnung: Viele Unternehmen nicht vorbereitet

Ab Mai 2018 ist die neue EU-Verordnung zum Datenschutz für Unternehmen in den Mitgliedstaaten bindend. Allerdings haben sich 44 Prozent der Organisationen bislang noch nicht mit diesem Regelwerk beschäftigt.

Zu wenige Unternehmen bereiten sich auf die Grundverordnung vor Obwohl organisatorische Änderungen notwendig werden, stehen die neuen europäischen Datenschutzregelungen für viele Unternehmen noch nicht auf der Agenda (Bild: Imilian / iStock / Thinkstock)

Viele Unternehmen sind 18 Monate, bevor die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) anwendbar ist, noch in der Ruhephase und nutzen die Zeit nicht, um sich auf die neuen Bedingungen für die Datenspeicherung, -verarbeitung und -weitergabe vorzubereiten.

Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Branchenverbands Bitkom unter 509 Datenschutzverantwortlichen in Unternehmen ab 20 Mitarbeitern.

Fast die Hälfte noch untätig

Laut Bitkom ist die Datenschutz-Grundverordnung für fast die Hälfte aller Unternehmen in Deutschland aktuell noch kein Thema:

  • 32 Prozent kennen die Reform zwar, haben sich aber nicht damit beschäftigt.
  • Weitere 12 Prozent haben davon noch nicht einmal gehört.

Nach den Ergebnissen der Umfrage sind viele Unternehmen organisatorisch nicht optimal auf die Veränderungen vorbereitet:

  • Nur jedes zweite (51 Prozent) verfügt über ein sogenanntes Verfahrensverzeichnis, das die internen Prozesse bei der Verarbeitung personenbezogener Daten dokumentiert.

Neue Datenschutzprozesse in Planung

Auf der anderen Seite beschäftigen sich 47 Prozent der Unternehmen mit der Reform, und 8 Prozent haben bereits erste Maßnahmen eingeleitet:

  • Als besonders dringlich sehen 46 Prozent der befragten Datenschutzexperten in den Unternehmen die Einführung neuer Prozesse an, zum Beispiel für eine Datenschutz-Folgenabschätzung oder für Privacy by Design.
  • 43 Prozent wollen zuerst eine Neubewertung unternehmerischer Risiken vornehmen.
  • 40 Prozent möchten die Überarbeitung der Verträge zur Auftragsdatenverarbeitung in Angriff nehmen.
  • 38 Prozent wollen zunächst die Datenschutzerklärungen anpassen.

Hoher Aufwand erwartet

„Unternehmen sollten frühzeitig mit der Umsetzung der Verordnung beginnen“, sagte Susanne Dehmel, Bitkom-Geschäftsleiterin Datenschutz und Sicherheit, bei der internationalen Privacy Conference in Berlin.

„Nach dem Ende der Übergangsfrist im Mai 2018 drohen empfindliche Strafen, wenn sich die Unternehmen nicht an die Bestimmungen halten.“

Aus Sicht des Bitkom entsteht der Wirtschaft ein hoher Aufwand für die Umsetzung der neuen Regelungen:

  • Ein Viertel (26 Prozent) der Unternehmen, die sich bereits mit der Datenschutzverordnung beschäftigt haben, wird zusätzliches Personal für die Anpassung der internen Prozesse bereitstellen.
  • Immerhin 29 Prozent gehen davon aus, dass die Verordnung dauerhaft zu einem Mehraufwand im Vergleich zur aktuellen Rechtslage führt.
  • Knapp zwei Drittel (64 Prozent) werden externe Hilfe in Anspruch nehmen, zum Beispiel für eine Rechtsberatung von Datenschutzexperten.

Vor- und Nachteile der Datenschutz-Grundverordnung

Insgesamt blicken die Unternehmen laut Dehmel kritisch auf die neuen Vorgaben aus Brüssel, sehen aber auch Vorteile für sich:

  • Jedes vierte Unternehmen (25 Prozent) geht davon aus, dass die Reform viele interne Abläufe komplizierter machen wird.
  • Jedes dritte Unternehmen (36 Prozent) ist der Ansicht, dass Innovationen in der Europäischen Union gebremst werden.
  • Auf der anderen Seite begrüßt eine Mehrheit (57 Prozent), dass die Reform zu einheitlichen Wettbewerbsbedingungen in der EU führen wird.
  • Ein Drittel aller Unternehmen (33 Prozent) verspricht sich sogar konkrete Vorteile für sein Geschäft.

fgo

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