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18. Juni 2020 - Corona & Datenschutz

Datenschutz bei der Corona-Warn-App: Die wichtigsten Fakten

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Die Corona-Warn-App für Deutschland ist da. Seit Montagnacht können Bürger freiwillig die neue App nutzen. Sie soll helfen, das Corona-Virus unter Kontrolle zu halten, bis es einen Impfstoff gibt. Bundesregierung und Wissenschaftler setzen große Hoffnungen in die App – doch wie steht es um den Datenschutz?

Die Corona-Warn-App erntet kaum Kritik aus Datenschutz-Sicht Ein Kritikpunkt bei der Corona-Warn-App: Man braucht ein recht aktuelles Smartphone (Bild: iStock.com / ArtMarie)

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) Professor Ulrich Kelber hat die Entwicklung der App kritisch begleitet. Er wird auch nach ihrem Start darauf achten, dass die Privatsphäre der Nutzer gewahrt bleibt.

Wachsame Datenschützer

„Aus Sicht des Datenschutzes sehe ich keinen Grund, der gegen eine Installation spricht“, sagt der BfDI.

Aber er macht auch auf Schwachstellen aufmerksam. „Dort müssen die verantwortlichen Behörden und Unternehmen Anpassungen vornehmen.“ Als zuständige Aufsichtsbehörde werde das BfDI überprüfen, dass datenschutzrechtliche Hinweise schnellstmöglich umgesetzt werden.

Ein besonders sensibler Punkt sei die Hotline für Infektionsmeldungen. „Der Medienbruch von der App zur telefonischen Hotline ist keine gute Lösung.“

Darüber hinaus zeigt Professor Kelber eine wichtige Grenze beim Umgang mit der App auf: „Es ist in keinem Fall zulässig, dass Dritte Einblick in die App fordern. Ich kann die Inhaber von Geschäften oder öffentlichen Verkehrsmitteln nur dringend warnen: Versucht es erst gar nicht!“

Begeisterte Bundesregierung

Kanzleramtsminister Helge Braun, Gesundheitsminister Jens Spahn und Innenminister Horst Seehofer stellten die App offiziell vor – gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut als Betreiber der App und dem Software-Konzern SAP als Entwickler der App.

„Das ist nicht die erste Corona-App weltweit, die vorgestellt wird, aber ich bin ziemlich überzeugt: Es ist die beste“, zeigte sich Kanzleramtsminister Braun begeistert.

Mit der Tracing-App will die Bundesregierung die Infektionsketten des Coronavirus besser erkennen. Gleichzeitig soll die Warn-App dafür sorgen, dass – trotz der schrittweisen Lockerung für das öffentliche Leben – die Ausbreitung des Virus nicht wieder stark ansteigt.

Freiwillige Nutzung der Corona-Warn-App

Die Nutzung der Corona-Warn-App ist freiwillig. Laut ARD-Deutschlandtrend vom Juni 2020 sind aktuell 42 Prozent der Befragten bereit, die neue App auf ihrem Smartphone zu installieren. 39 Prozent wollen dagegen die Corona-Warn-App nicht nutzen.

Rein technisch kann jeder, der ein halbwegs aktuelles Smartphone besitzt, die Corona-Warn-App installieren. „Die App läuft auf iOS-Smartphones ab dem iPhone 6s unter iOS 13.5, bei Android- basierten Smartphones ab Android 6″, sagt ein Sprecher des App-Entwicklers SAP.

Die Oberfläche sei einfach und verständlich, Nutzer könnten das Tracing jederzeit deaktivieren.

Dezentraler Ansatz

Die deutsche Corona-Warn-App verfolgt einen dezentralen Ansatz und nutzt dafür die Funktechnologie Bluetooth Low Energy (BLE).

Via BLE kann die mobile Anwendung messen, ob sich Handynutzer über eine längere Zeit näher als etwa zwei Meter gekommen sind. Wird ein Nutzer positiv getestet und gibt dies in der App ein, meldet die Corona-Warn-App anderen Anwendern, dass sie in der Nähe eines Infizierten waren.

Die Kontaktdaten werden dabei nicht – wie zunächst vorgesehen – zentral gespeichert, sondern ausschließlich dezentral auf den jeweiligen Smartphones.

Pseudonyme Identifikationsnummern

Die App speichert keine personenbezogenen Daten. Sie basiert auf zufällig generierten, pseudonymen Identifikationsnummern, die sich in regelmäßigen Abständen ändern.

„Weder Dein Standort noch die Informationen über eine mögliche Begegnung zu einer infizierten Person werden zentral gespeichert“ – heißt es dazu in den FAQs auf der offiziellen Website der App: https://www.coronawarn.app

Entwickler und Betreiber erfahren also nicht, wer sich hinter einer ID verbirgt und wo sich Nutzer aufhalten. Nach zwei Wochen wird das Kontakttagebuch automatisch aus dem Speicher des Smartphones gelöscht.

Dieser Aspekt ist für Datenschützer äußerst wichtig und war zu Beginn der App-Entwicklung einer der größten Streitpunkte (https://www.datenschutz-praxis.de/fachnews/datenschutz-tracing-apps-forscher-vergleichen-loesungen/).

Offene Anwendung

Jeder Interessierte kann sich den Programmier-Quellcode der App und der Server-Software unter https://github.com/corona-warn-app anschauen. Denn die deutsche Corona-Warn-App steht als Open-Source-Projekt zur Verfügung.

Zusätzlich liegt auch der gesamte Quellcode offen. Datenschützer und IT-Experten können so überprüfen, wie die App funktioniert, welche Daten übertragen werden und ob es Schwachstellen gibt.

Direkter Download der Corona-Warn-App

Die App zum Download gibt es hier:

Mehr Informationen

Auf der offiziellen Website der Corona-Warn-App gibt es

Elke Zapf