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29. August 2019 - Sprachsteuerung

Datenschützer fordern Maßnahmen bei Sprachassistenzsystemen

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In den vergangenen Wochen sorgten die Spracherkennungssysteme von Apple, Google, Amazon und Facebook für Schlagzeilen. Wie sich herausstellte, wurden die Gespräche von Mitarbeitern der Unternehmen zumindest stichprobenartig mit angehört. Datenschützer fordern jetzt Maßnahmen gegen diese Praxis.

Mitarbeiter sollen bei den Spracherkennungssysteme von Apple, Amazon & Co mitgehört haben. Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte stellt seine Forderungen für mehr Datenschutz an die Hersteller. Von Mitarbeitern der Hersteller wurden Gespräche mit diversen Sprachassistenten mitgehört. Das Verstößt laut dem Hamburgische Datenschutzbeauftragten gegen die DSGVO. Nun stellt er seine Forderungen an die Hersteller. (Bild: gabort71 / iStock / Getty Images Plus)

Sprachassistenten halten in immer größeren Bereichen des Lebens Einzug. Es gibt sie in Form so genannter Smartspeaker, auf dem Smartphone oder auch im Auto.

Und der Einsatz dieser Geräte und Systeme beschränkt sich längst nicht mehr auf die privaten Haushalte. So experimentieren beispielsweise Händler mit dem Einsatz von smarten Lautsprechern direkt in den Geschäften.

Sprachassistenten hören mit

Wie sich in den vergangenen Wochen herausgestellt hat, verläuft die Kommunikation mit den Systemen allerdings nicht in der von den Anwendern vermuteten Art und Weise.

Zahlreiche Medien berichten, dass die Hersteller Unmengen an Aufzeichnungen der Sprachkommandos angefertigt haben.

Nicht nur Algorithmen sondern auch Mitarbeitern der Unternehmen hörten diese Aufnahmen an und werteten sie aus. Teilweise waren offenbar auch externe Kräfte per Home Office beteiligt.

Das Vorgehen begründen die Entwickler mit der Verbesserung der Systeme. Außerdem sei die Auswertung durch menschliche Mitarbeiter für die Qualitätssicherung nötig.

Hamburgischer Datenschutzbeauftragter macht Vorgaben

Google hatte auf die Vorwürfe gegen seine Spracherkennung “Google Assistant” als einer der ersten Anbieter reagiert. Der Internetgigant kündigte an, die Praxis für die kommenden Monate pausieren zu wollen.

In einer Presseerklärung stellt der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Johannes Caspar, klare Forderungen auf.

Aus seiner Sicht erfüllen die Geräte nur dann die Vorgaben der DSGVO und dürfen auch eingesetzt werden.

Vorstellung der Forderungen bei Google

Diese Anforderungen erläuterte der Datenschutzbeauftragte gegenüber dem Unternehmen Google in einem Treffen.

  • So lange Transkriptionen und Auswertung der Audioaufnahmen durch Menschen nicht der DSGVO entsprechen, dürfen diese nicht durchgeführt werden.
  • Für die Speicherung der Aufnahmen ist eine Einwilligung der Nutzer einzuholen.
  • Nutzer müssen transparent über die Verfahren aufgeklärt werden, für den Fall, dass eine Aktivierung des Assistenten unbeabsichtigt erfolgt ist.
  • Die Auswertung der Aufnahmen durch Mitarbeiter oder Auftragnehmer erfordert eine zusätzliche informierte Zustimmung durch die Betroffenen.
  • Die Nutzer müssen darauf hingewiesen werden, dass der Einsatz der Sprachassistenten auch die Rechte anderer Personen beeinträchtigen kann.

Viele Hersteller betroffen

Erst wenn die Hersteller diese Voraussetzungen erfüllen, können Sprachassistenzsysteme DSGVO-konform betrieben werden.

In dem Zusammenhang wies Caspar noch einmal darauf hin, dass seine Ansicht nicht Google allein betreffe. Auch die von Apple, Amazon oder Microsoft entwickelten Produkte sind von den Forderungen betroffen.

Stephan Lamprecht